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Medizin

Pharmakovigilanz: IL-17-Inhibitoren erhöhen Risiko auf Candidose

Freitag, 7. Januar 2022

/Alessandro Grandini, stock.adobe.com

Nijmegen/Niederlande – Biologika, die das Zytokin Interleukin 17A blockieren, schwächen die körper­eigene Abwehr gegen Hefepilze. Die Folge ist ein Candida-Befall von Haut und Schleimhäuten. Die bereits in den Zulassungsstudien aufgefallene Nebenwirkung wird jetzt durch die Analyse von 3 Pharmakovigilanz-Datenbanken und 1 klinischen Kohorten in Lancet Regional Health-Europe (2021; DOI: 10.1016/j.lanepe.2021.100266) bestätigt. Betroffen sind auch Inhibitoren der Interleukine 12 und 23, die denselben Arm der Immunabwehr hemmen.

Die IL-17-Inhibitoren Secukinumab, Ixekizumab und Brodalumab haben die Behandlungsergebnisse bei der Psoriasis und verwandter Erkrankungen verbessert. Eine gute Wirkung erzielen auch der IL 12/23-Inhibitor Ustekinumab und der IL 23-Hemmer Guselkumab.

Die Mittel blockieren allerdings den Th-17-Arm der Immunabwehr, der Haut un Schleimhäute vor Infektionen mit Hefepilzen schützt. Schon in den klinischen Studien zu den Medikamenten war ein deutlicher Anstieg von Candidosen aufgefallen. Die Häufigkeit von Candidainfektionen in Mundhöhle, Rachen oder Speiseröhre lag fast immer im einstelligen %bereich. In einer Studie zu dem kürzlich zugelassenen IL 17-Inhibitor Bimekizumab erkrankten sogar 15 % der Patienten innerhalb weniger Wochen an einer oropharyngealen Candidose.

Linda Davidson von der Radboudumc Universität in Nijmegen in den Niederlanden und Mitarbeiter haben jetzt untersucht, ob es auch in den Pharmakovigilanz-Datenbanken der Weltgesundheitsorga­nisation (Vigibase) und der Europäischen Arzneimittelagentur (PSUR) zu einem Anstieg von Meldungen gekommen ist. Eine 3. Quelle war die Datenband PHARMO, die in den Niederlanden die Verordnungen von Medikamenten mit Erkrankungen verknüpft. Schließlich wurden noch eine Kohorte von Psoriasis­patienten untersucht, die an der Radboudumc Universität mit den Biologika behandelt wurden.

In allen 4 Datenbanken fanden die Forscher Hinweise auf eine erhöhte Zahl von Candidosen. In der Vigibase trafen 10,2 mal so häufig Berichte zu Candidosen nach dem Einsatz von IL-17-Inhibitoren ein als zu anderen Wirkstoffen. Bei kutanen Candidosen betrug diese „Reporting Odds Ratio“ (ROR) 12,28, bei oropharyngealen Candidosen 19,18 und bei ösophagealen Candidosen sogar 21,20. Die Meldungen zu den IL-17-Inhibitoren waren 4- bis 10-fach häufiger als TNFalpha-Inhibitoren. Auch für die IL 12/23-Inhibitoren waren die ROR erhöht, wenn auch nicht ganz so stark wie bei den IL-17-Inhibitoren.

Auch in der PSUR-Datenbank und dem Verschreibungsregister PHARMO kam es nach dem Einsatz häufiger zu Schleimhautinfektionen mit Candida. Von den Psoriasispatienten der Radboudumc Univer­sität erkrankte mehr als jeder 2. (58 %) nach der Behandlung mit einem IL-17-Inhibitoren an wenigstens einer Episode.

Da die Candidainfektionen in der Regel gut behandelt werden können, gefährden sie nicht den Einsatz der Medikamente, die laut Davidson eine beeindruckende Wirkung erzielen. Für Ärzte sei es jedoch wichtig, auf die Nebenwirkung zu achten, um bei Bedarf frühzeitig mit antimykotischen Medikamenten intervenieren zu können. © rme/aerzteblatt.de

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