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Ärzteschaft

Blutdruck im Ohr messen

Freitag, 26. November 2021

/asadykov, stock.adobe.com

Berlin – Leidige Langzeit-Blutdruckmessen mit Manschetten könnte künftig durch eine belastungsfreie Echtzeitmessung im Ohr ersetzt werden. Dies kündigte Siegfried Eckert, Oberarzt an der Klinik für All­gemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-West­falen in Bad Oeynhausen auf der Auftaktpressekonferenz zum Jahreskongress der Deutschen Hoch­druckliga an.

Derartige Mikrosysteme für eine permanente und insbesondere nicht-invasive Blutdruckmessung würden zwei Vorteile miteinander verbinden. Zum einen würde es der Tragekomfort ermöglichen, Langzeitblut­zuckerprofile zu erheben, ohne dass beispielsweise das ständige Aufpumpen der Manschette den Patien­ten irritiert – vor allem in der Nacht.

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Zudem ließen sich Blutdruckschwankungen, wie sie in Alltagsaktivitäten zu erwarten sind, realitätsnäher abbilden als bisher. Dies gilt auch für die Blutdruckmessung beim Arzt, für die laut Hochdruckliga be­stimmte Bedingungen einzuhalten sind, zum Beispiel Ruhe, sitzende Position oder richtige Manschet­tengröße und -position.

Manschettenfreie Messverfahren über die Pulswellenlaufzeit gibt es zwar schon, sie liefern jedoch nicht immer brauchbare Ergebnisse. So würde die Überwachung über eine SmartWatch, deren Messung über Pulswellen oder Veränderungen der Blutfülle von Hautarealen erfolge, den Blutdruck lediglich abschät­zen. Hier böte das neue System einen zweiten Vorteil, denn es liefere eine medizinisch exakte Messung in Echtzeit, es bilde den Blutdruck Schlag für Schlag – beat to beat – ab, wie Eckert erläuterte.

Den Beobachtungen im Katheterlabor in Bad Oynhausen zufolge liefert das Verfahren eine dem derzei­tigen Goldstandard – der invasiven, katheterbasierten Blutdruckmessung – vergleichbare Präzision.

In dem vom Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (BMBF) im Rahmen der Smart-Health-Initiative geförderte Projekt „Mikroelektronik für permanente, nicht invasive Blutdruckmessung im Ohr“ haben sich die daran beteiligten Mitglieder der Hochdruckliga zum Ziel gesetzt, ein Gerät mit zu ent­wickeln, das wie ein Hörgerät oder ein In-Ear-Kopfhörer getragen werden kann. Für die individuelle Anpassung sollen am Ende passgenaue Formen aus dem 3D-Drucker sorgen.

Eckert prognostizierte, dass sie das System innerhalb der nächsten zwei Jahre zur Produktreife führe könnten. „Das heißt für mich jedoch nicht, dass es dann gleich überall verfügbar wäre“, schränkte er ge­genüber dem Deutschen Ärzteblatt ein.

Er sieht vor allem Vorteile für eine frühe Anwendung von Prototypen bei großen Operationen. Aber in der Folge könnten solche Geräte dann wichtige Aufschlüsse über Synkopen, Orthostasephänomene, unge­klärte Arrhythmien oder auch der Blutdruckverläufe während sportlicher Aktivitäten geben.

Wie entscheidend es darauf ankommt, den Blutzucker nicht nur richtig zu messen und zu überwachen, sondern vor allem richtig einzustellen, erläuterte Florian Limbourg, Koordinator der Hypertoniezentrums an der Medizinischen Hochschule in Hannover. Über die Hälfte der ischämischen Herzerkrankungen und ebenso aller Schlaganfälle seien Hypertonie-bedingt.

Umgekehrt lägen die Blutdruckwerte von nur 50 Prozent der bundesdeutschen Hypertoniepatienten im Zielbereich. Dieser sei für alle ein Wert unter 140/90 mmHg. Inzwischen müsse man – sofern dieses erste Ziel erreicht sei und die Medikation gut vertragen würde – weitergehen und einen Wert von unter 130/80 mmHg anstreben.

Eine noch striktere Einstellung wird Nierenkranken empfohlen, sie sollten einen systolischen Zielwert von sogar unter 120 mmHg anstreben. Gelänge die leitliniengerechte Blutdruckeinstellung hierzulande, so ließe sich die Gesamtmortalität um 13 Prozent, das Risiko für Schlaganfälle um 27 und das für eine Herzinsuffizienz um 28 Prozent verringern, so das Fazit auf der Pressekonferenz. © mls/aerzteblatt.de

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