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Debatte über Werbeverbote für risikobehaftete Glücksspiele angemahnt

Donnerstag, 25. November 2021

/Aliaksandr Marko, stock.adobe.com

Berlin – Addictive Design und vor allem dabei Free-to-Play-Spiele, die sich als In-App-Käufe als Kosten­falle entpuppen, sind ein zunehmendes Problem bei Onlinespielen. Darauf hat Frank Gauls, Leiter der Bielefelder Fach­stelle Glückspielsucht, heute bei der 33. Jahrestagung des Fachverbandes Glücksspiel­sucht hingewiesen.

„Die Anbieter nutzen bestimmte Mechanismen, um die Nutzer bei Laune zu halten, wie sie auch YouTube oder Online­kaufhäuser verwenden“, erläuterte Gauls. Ein zunehmendes Problem seien dabei Free-to-Play-Spiele. Ohne Einschränkungen ließen sich Items, wie zum Beispiel Schatzkisten, kaufen, um etwa die Spielstärke zu steigern. „Einzelne Onlinespielerinnen und-spieler berichten, bis zu 80.000 Euro inner­halb von vier Jahren eingesetzt zu haben“, berichtete Gauls.

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In Deutschland gibt es nach Angaben von Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbands Glücks­spielsucht rund 500.000 Erwachsene, die pathologisch zocken. Betroffen seien überwiegend jüngere Menschen, mehr Männer als Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund.

Betroffen seien oftmals auch Servicekräfte in Spielhallen. Das Glückspiel verlagert sich nach Angaben des Fachverbands zuneh­mend in Netz, wobei sich kein Boom während der Coronapandemie habe feststellen lassen, als Spiel­hallen und Gastronomiebetriebe mit Spielautomaten geschlossen waren.

Gesellschaftliche Debatte über Werbebeschränkungen gefordert

Der Fachverband Glückspielsucht forderte bei der Tagung eine gesellschaftliche Debatte über Werbe­beschränkungen für besonders risikobehaftete Glücksspiele. „Werbung beispielsweise für Sportwetten zwischen Fußballspielen im Fernsehen triggert die Sucht“, erklärte Füchtenschnieder. Betroffene sollten selbst entscheiden können, ob sie Werbung sehen wollten oder nicht.

In England und Frankreich werden Werbeverbote nach Angaben des Fachverbands bereits breit disku­tiert. Die weitgehendste Forderung sei die nach einem vollständigen Verbot von Glücksspielwerbung. Milder seien Forderungen nach gezielten Verboten bestimmter Werbeorte, wie zum Beispiel das Verbot der Trikot- und Bandenwerbung.

Relativ neu sei der Vorschlag einer Werbesteuer, die dazu beitragen soll, das Werbevolumen insgesamt zu dämpfen; wiederum weitgehender die Forderung nach einer Abgabe in Höhe der Werbeausgaben. Die so eingenommenen Gelder könnten in beiden Fällen (Steuer und Abgabe) im Bereich Glücksspielsucht­prävention und -behandlung investiert werden.

„In Deutschland findet diese dringend notwendige Debatte bisher noch nicht statt. Sie ist aber dringend notwendig“, sagte Füchtenschnieder.

Selbsthilfeverband auf Bundesebene

Bisher gab es in Deutschland noch keinen Selbsthilfeverband auf Bundesebene. Das änderte sich mit der Gründung des Vereins am 12. November in Dortmund. „Wir wollten eine Stelle schaffen, an die sich Be­trof­fene aus ganz Deutschland wenden können“, sagte Nicole Dreifeld, selbst Betroffene, aber seit drei Jahren spielfrei – dank der Selbsthilfe, wie sie sagte. © PB/aerzteblatt.de

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