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Politik

Mehr als 100.000 Coronatote in Deutschland

Donnerstag, 25. November 2021

/domagoj8888, stock.adobe.com

Berlin – Die Zahl der an oder mit Corona gestorbenen Menschen in Deutschland hat die Schwelle von 100.000 Toten überschritten. Das geht aus Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom frühen heutigen Morgen hervor. Demnach meldeten die Gesundheitsämter dem RKI jüngst 351 Todesfälle binnen 24 Stunden, die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie liegt nun bei 100.119.

Die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte heute erneut einen Höchststand und liegt nun bei 419,7 Ansteckun­gen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Neu­in­fektionen überschritt erstmals die Schwelle von 70.000. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben 75.961 neue Coronafälle in 24 Stunden.

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Die meisten Coronatoten gab es laut RKI im vergangenen Winter mit teils mehr als 1.000 pro Tag ge­meldeten Fällen. Momentan sind die Sterbezahlen wesentlich niedriger, obwohl es deutlich mehr Infek­tionen gibt. Dass jetzt weniger Infizierte sterben, liegt auch daran, dass große Teile der Bevölkerung ge­impft sind – insbesondere bei älteren Menschen, die anfälliger für schwere Verläufe sind.

Um die Zahl der Coronatoten aber dauerhaft niedrig zu halten, müssten deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft sein. Sollte es da keinen Fortschritt geben, müsse sich Deutschland auf mindestens
100.000 weitere Coronatote vorbereiten, „bevor sich das Fahrwasser beruhigt“, sagte kürzlich der Berliner Virologe Christian Drosten. „Das ist eine konservative Schätzung.“ Er leitet die Zahl durch vergleichende Überlegungen mit Großbritannien her.

Laut RKI gehen in die Statistik Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Coronanachweis vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind. Erfasst werden demnach sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind, als auch Infizierte mit Vorerkrankungen, bei denen sich nicht abschließend die Todesursache bestimmen lässt.

Gegenüber anderen Industrienationen steht Deutschland bei den Totenzahlen noch vergleichsweise gut da, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Deutlich mehr Tote pro 100.000 Einwohner sind es in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien. Fast doppelt so viele Co­ro­na­tote pro 100.000 Einwohner wie Deutschland verzeichnen die USA, mehr als dreimal so viele sind es in Bulgarien.

Dagegen gibt es in Dänemark bislang weniger als halb so viele Coronatote pro 100.000 Einwohner wie in Deutschland. Allerdings ist zu beachten, dass die Zahlen wegen unterschiedlicher Meldesysteme nur bedingt Vergleiche zulassen.

Die Ampel-Parteien wollen nach Angaben der Grünen Anfang Dezember über schärfere Coronamaßnah­men in Deutschland beraten. „Wir haben uns zehn Tage Zeit gegeben, um zu sehen, sind wir bei den Boosterimpfungen, sind wir bei den Schutzmaßnahmen weit genug gekommen“, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock gestern Abend in der ARD. Der neue Bund-Länder-Krisenstab solle die Situation täg­lich unter die Lupe nehmen. Nach diesen zehn Tagen werde man gemeinsam analysieren, ob weitere Maß­nahmen nötig seien.

Im Kampf gegen die vierte Coronawelle war gestern das geänderte, von den Ampel-Parteien auf den Weg gebrachte Infektionsschutzgesetz in Kraft getreten. Die Länder haben damit zwar weiter die Möglichkeit, Maßnahmen wie Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen oder Verbote von Veranstaltungen anzuordnen oder aufrechtzuerhalten.

Flächendeckende Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen gehören aber nicht mehr zu den er­laubten Werkzeugen. Das Gesetz soll nach den bisherigen Plänen am 9. Dezember in einer Bund-Länder-Runde überprüft und gegebenenfalls nachgeschärft werden.

Führende Unionspolitiker dringen auf mehr Tempo. Die auf den Weg gebrachten Maßnahmen würden wahrscheinlich nicht reichen, sagte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) gestern Abend in der ARD. „Wir müssen jetzt intensiv handeln.“ Die geplante Bewertung am 9. Dezember sei „viel zu spät“. Zuvor hatte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) ein rasches Treffen der Länder-Regierungs­chefs gefordert, am besten noch in dieser Woche.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Spitzen der Ampel-Parteien vorgestern Abend im Kanzleramt angeboten, die Maßnahmen angesichts der drohenden Überlastung des Gesundheitswesens deutlich zu verschärfen. Eine gesetzliche Notbremse oder klare Lockdownvereinbarungen mit den Ländern wären die nahe liegenden Optionen, hieß es. Die Bild berichtete, Merkel habe einen Lockdown bereits ab heute gefordert, SPD, FDP und Grüne hätten den Vorschlag abgelehnt.

Bei der Vorstellung des Koalitionsvertrages von SPD, Grünen und SPD kündigte der voraussichtliche künf­tige Kanzler Olaf Scholz (SPD) gestern die Einrichtung eines ständigen Bund-Länder-Krisenstabs im Kanzleramt an. Das Gremium soll seinen Angaben zufolge schon die Arbeit aufnehmen, bevor die Ampel-Regierung im Amt ist.

Scholz sagte am Abend in der ARD: „Es geht darum, ein ständiges, professionelles Begleiten dieser Situation zu organisieren.“ Es sei wichtig, tages- und wochenaktuell alle Daten zur Verfügung zu haben und daraus sofort die notwendigen Schlüsse zu ziehen. © dpa/aerzteblatt.de

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