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Politik

Gesundheitsminister für bundesweite Verlegung von Operationen

Donnerstag, 25. November 2021

/WavebreakmediaMicro, stock.adobe.com

Berlin – Angesichts der sich zuspitzenden Coronalage in weiten Teilen Deutschlands sollen planbare Ope­rationen nach dem Willen der Gesundheitsminister vom Bund und Ländern bundesweit verschoben werden. In vielen Bundesländern ist dies schon der Fall.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), berichtete nach einer Schaltkonferenz heute morgen, darüber seien sich die Länder einig gewesen. Es brauche zudem Freihaltepauschalen für die Kliniken, wenn sie Intensivbetten und Klinikpersonal für COVID-19-Patienten frei halten.

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Holetschek warnte, die dramatische Coronaentwicklung könnte sich in den kommenden Wochen durch ganz Deutschland ziehen. „Das Aufwachsen der vierten Welle ist bundesweit zu spüren.“ Man müsse des­halb rasch Maßnahmen treffen, um die Coronazahlen zu senken.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte nach Teilnehmerangaben in der Schalte ebenfalls deutlich, entscheidend sei jetzt, dass die Welle gebrochen werden müsse.

„Uns ist allen sehr klar, dass es sehr, sehr ernst ist“, sagte Holetschek nach den Beratungen. Es herrsche eine große Solidarität zwischen allen Bundesländern, betonte der CSU-Politiker. Holetschek dankte den Ländern, die nun im Rahmen des Kleeblatt-Konzepts Patienten aus anderen Landesteilen aufnehmen.

Konkret sind Verlegungen etwa aus Bayern, Sachsen und Thüringen geplant. Sachsen und Thüringen be­reiten die Verlegung von Coronaintensivpatienten vor. Sachsen habe bereits 16 Patienten für die Ver­le­gung angemeldet, für heute seien die ersten Patientenverlegungen geplant, sagte Landesgesundheits­ministerin Petra Köpping (SPD) in Dresden.

Thüringen bereitet die Verlegung von 14 Intensivpatienten nach Norddeutschland vor. In Bayern ist derzeit wegen Überlastung der Kliniken die Verlegung von etwa 50 COVID-Intensivpatienten in andere Bundesländer in Vorbereitung.

Die nord­deut­schen Bundesländer werden in den kommenden Tagen laut niedersächsischem Innenminis­terium zu­nächst zehn Coronapatienten aus Ostdeutschland aufnehmen. Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Niedersachsen werden die Verle­gung der Intensivpatienten organisieren, wie das niedersächsische Innenministerium in Hannover mit­teil­te.

Das Verlegungskonzept wurde in der Coronapandemie entwickelt, um bei einer hohen regionalen Auslas­tung der Intensivstationen die Verteilung von Patienten zu erleichtern. Die 16 Bundesländer sind dabei in fünf Gruppen aufgeteilt – die Kleeblätter Nord, Ost, Süd, Südwest und West.

Die Länder Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg gehören zum „Kleeblatt Ost“, Bayern bildet das „Kleeblatt Süd“. Im Osten und Süden Deutschlands sind die Sieben-Tage-Inzidenzen bei den Corona­infektionen derzeit besonders hoch.

„Es war wichtig, dass wir die Möglichkeit der Verlegungen von auf Intensivbetreuung angewiesenen Pa­tien­ten schon zu Beginn der Pandemie mit initiiert haben“, erklärte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD). Damit würden die besonders stark von der Pandemie betroffenen Bundesländer unterstützt. Pistorius appellierte noch einmal eindringlich an alle, sich impfen zu lassen.

Die Luftwaffe hält in Köln zwei Flugzeuge für einen Hilfseinsatz zur Verlegung von Intensivpatienten in der Coronapandemie bereit. Dazu gehört der Airbus A310 MedEvac, die fliegende Intensivstation, so­wie eine umgerüstete Spezialmaschine, das Überwachungsflugzeug A319OH („offener Himmel“). In die­ses seien am Vortag zwei Plätze zur Intensivbehandlung eingebaut worden, sagte ein Luftwaffen-Sprecher heute.

Über sechs Intensivplätze verfüge der Airbus A310 MedEvac. Schnelle Transportkapazitäten sollen bereit­gehalten werden, um Intensivpatienten bei einer regionalen Überlastung von Krankenhäusern in Regio­nen mit freien Kapazitäten fliegen zu können.

Angesichts der schnell steigenden Zahl von Coronapatienten fürchten Bayerns Kliniken zum Jahresende eine bislang nicht dagewesene Notlage in der Versorgung. Die Verlegung von Patienten in andere Bun­des­länder werde nur kurzfristig Abhilfe schaffen, warnte Roland Engehausen, der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft.

„Alle Prognosen gehen in die Richtung, dass die Zahl der Patienten weiter steigen wird und wir in Bayern keine ausreichenden Intensivkapazitäten haben“, sagte Engehausen. „Die momentan noch vorhandenen Intensivkapazitäten im Norden werden uns nur einige Wochen helfen können, weil auch dort die Bele­gung steigt.“

In einzelnen Regionen Bayerns, insbesondere in Oberbayern, Niederbayern und Schwaben, ist laut Minis­terium eine „flächendeckende Überlastung“ eingetreten, auch in den übrigen Regierungsbezirken seien die Kapazitäten am Limit.

In etlichen Kommunen in Bayern wird das öffentliche Leben heruntergefahren, weil die Sieben-Tage-Inzidenz über der 1.000er-Marke liegt: Restaurants, Hotels, Sport- und Kulturstätten müssen schließen. Heute traf das für elf Städte und Landkreise zu. Die höchsten Zahlen meldete der Landkreis Freyung-Grafenau mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1.486,8. Die Landkreise Unterallgäu, Deggendorf und Altötting lagen nur noch knapp darunter.

„Wir sind froh über die Kleeblatt-Regelung, aber das bedeutet keine Entspannung“, sagte Engehausen zu dem bundesweit koordinierten Verfahren. „Die COVID-Patientenzahlen steigen weiter.“ Gestern waren in Bayern 1.013 COVID-Intensivpatienten in Behandlung. Zum Vergleich: Mitte August waren es unter 50, Mitte Oktober noch unter 300. Mittlerweile liegen in mehr als einem Drittel der knapp 3.000 Intensiv­betten Coronapatienten.

Die normale Belegung einer Intensivstation liege bei etwa 80 Prozent, sagte Engehausen. „Über 90 Pro­zent Auslastung sind dauerhaft nicht zu bewältigen, auch weil das Personal überlastet ist.“ © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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