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Ärzteschaft

Impfen: Streit zwischen Ärzten und Robert-Koch-Institut

Donnerstag, 25. November 2021

Lothar Wieler /picture alliance, AP, Tobias Schwarz

Berlin – Die Frage, wer in der Coronakrise die Menschen gegen SARS-CoV-2 impfen soll, hat zu Streit zwischen dem Robert-Koch-Institut (RKI) auf der einen Seite und der Kassenärztlichen Bundesvereini­gung (KBV) auf der anderen Seite geführt.

RKI-Präsident Lothar Wieler hatte im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (kna) erklärt, dass Impfstoff genug vorhanden sei. Allerdings scheitere das „nicht zuletzt an der Vertretung der Ärzte und Ärztinnen“, so der RKI-Chef.

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Er kritisierte, es brauche eine „nationale Kraftanstrengung“ und Standesrecht solle dem nicht im Wege stehen. Die Ärztevertreter wollten etwa nicht, dass Apotheker oder zum Beispiel Tierärzte oder Pensio­näre impfen würden, und würden sich auf das Standes- und Haftungsrecht berufen.

„Auch wenn es vermutlich rechtliche und organisatorische Hindernisse geben würde: In der derzeit herrschenden Notlage finde ich schon bemerkenswert, dass bestimmte Interessengruppen das Eigenin­teresse offenbar über das Gemeinwohl stellen“, so der RKI-Chef.

Der KBV-Vorstand reagierte verschnupft. KBV-Chef Andreas Gassen, KBV-Vize Stephan Hofmeister und KBV-Vorstand Thomas Kriedel wiesen die Kritik zurück.

„Es ist unverschämt, unangebracht und im Ton völlig vergriffen, zu behaupten, es scheitere an den Ver­tretungen der Ärzte und Ärztinnen, dass das Impftempo im Sinne einer nationalen Kraftanstrengung nicht vorankomme“, kritisierte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen.

Weit mehr als 50 Millionen Impfungen hätten in den Praxen bereits stattgefunden. „Tendenz stark anzie­hend“, so Gassen. Er bemängelte, dass den Ärzten wiederholt „Knüppel zwischen die Beine geworfen“ worden seien. Es gebe „überbordende bürokratische Regelungen, hektische politische Ankündigungen oder weil – noch schlimmer – wieder einmal zu wenige Impfstoffe“.

Die KBV wies auf die aktuellen Bestellzahlen für die Woche ab dem 5. Dezember hin. So seien rund 4,7 Millionen Dosen Biontech bestellt worden, aber es stünden nur 2,5 Millionen Dosen bereit. Damit hätten die Bestellungen gekürzt werden müssen – auf 24 bis 30 Dosen je Praxis. Hinzu kämen mehr als 3,9 Millionen Boosterdosen von Moderna.

„Das eigentliche Problem ist nicht das Boostern, sondern stellt die Tatsache dar, dass rund 13 Millionen Erwachsene in Deutschland noch gar nicht geimpft sind. Wenn wir das Coronavirus zurückdrängen wollen, müssen wir diese Menschen erreichen“, erläuterte Hofmeister.

Das Boostern hat seiner Meinung nach aktuell kaum Einfluss auf die aktuelle Entwicklung, sondern wirkt erst viel später. „Anstatt die Ärzte zu beschimpfen, würde es dem RKI besser anstehen, alle Kraft darin zu setzen, uns zu unterstützen“, so Hofmeister weiter. © may/kna/aerzteblatt.de

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