NewsPolitikAuffrischungen: Impfstoff theoretisch verfügbar, aber keine Liefergarantie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Auffrischungen: Impfstoff theoretisch verfügbar, aber keine Liefergarantie

Freitag, 26. November 2021

/dpa, Jan Woitas

Berlin – Für die geplante Beschleunigung der Coronaimpfungen sind nach Angaben des geschäftsfüh­ren­den Bundesgesundheitsministers Jens Spahn nötige Impfstoffmengen verfügbar. Der Bund werde inner­halb von zehn Tagen 18 Millionen Dosen für Auffrischimpfungen ausgeliefert haben, sagte der CDU-Politiker heute in Berlin.

Angesichts des Ziels, bis Weihnachten 20 bis 30 Millionen Boosterimpfungen zu erreichen, sei dies schon „ein ziemlich großer Schritt dahin“. In den vergangenen sieben Tagen habe es 3,5 Millionen Im­pfungen gegeben. Im Gesamtsystem sei genug Impfstoff da, sagte Spahn.

Anzeige

Er verwies zugleich darauf, dass es wegen Umstellungen zum stärkeren Hochfahren der Impfungen in der Logistik vom Großhandel über Apotheken in die Praxen zu Verzögerungen beim Verteilen in der Fläche kommen könne. Er könne „keine Garantie“ geben, dass Praxen die bestellten Liefermengen erhielten, so Spahn.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben die Arztpraxen für die laufende Woche rund 8,57 Millionen Impfstoffdosen bestellt, davon 4,65 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer. Die Zahl der bestellenden Ärzte ist auf eine Rekordzahl von rund 100.000 gestiegen.

Etwa die Hälfte der Bestellungen kann laut KBV durch den Bund nicht bedient werden. Insgesamt fehl­ten rund zwei Millionen Dosen. Auch bei Moderna ist die Bestellmenge auf fast vier Millionen Booster-Dosen gestiegen. Und auch bei Moderna komme es regional zu Kürzungen.

Die Probleme kommen bereits bei den Ärzten an. Das zeigen Reaktionen aus mehreren Bundesländern. Eine Berliner Ärztin schrieb dem Deutschen Ärzteblatt, sie habe von ihrere Apotheke erfahren, dass sie für die COVID-19-Impfungen in der nächsten Woche trotz der bestellten 30 Dosen nur zwölf Dosen Comirnaty ausgeliefert bekomme. Eine ersatzweise Nachbestellung des Impfstoffes von Moderna sei wegen der Bestellfristen nun nicht mehr möglich.

Wegen Lieferengpässen müssen auch niedergelassene Ärzte in Rheinland-Pfalz nach Darstellung des Hausärzteverbands „flächendeckend Impftermine“ absagen. Die Praxen bekämen in dieser Woche nur etwa 50 Prozent der bestellten Menge von Biontech, sagte die Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbands, Barbara Römer. Der Impfstoff Moderna werde dagegen zumindest noch in der bestellten Menge geliefert.

„Zuerst hieß es: genug Impfstoff für alle. Dann letzten Freitag Kontingentierung von Biontech auf maxi­mal 30 Dosen pro Arzt und Woche und nach einem bundesweiten Proteststurm der Praxen Erhöhung des Wochenkontingents auf maximal 48 Dosen pro Arzt und Woche“, sagte Römer. Und jetzt die Lieferbestä­tigung für die Praxen: „50 bis 60 Prozent Lieferkürzung bei Biontech.“ „Der Zorn in der Kollegenschaft ist unbeschreiblich“, sagte Römer.

Auch die KBV kritisierte erneut, dass Bestellungen des Biontech-Impfstoffs begrenzt seien. Praxen legten teilweise Sonderschichten ein, um noch vor Weihnachten so viele Menschen wie möglich zu impfen. „Und jetzt mangelt es erneut an Impfstoff“, sagte KBV-Vize Stephan Hofmeister.

KBV-Chef Andreas Gassen und KBV-Vize Hofmeister, riefen die verantwortlichen Politiker auf, endlich ihrer Verantwortung nachzukommen und wie zugesagt ausreichend Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Ansonsten würden die Ärzte massiv behindert.

Die Apotheken boten Unterstützung an. „Wenn der Gesetzgeber das will und Verstärkung an der Front der Impfenden gefordert ist, könnten wir Auffrischungsimpfungen in Apotheken ermöglichen“, sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Gabriele Regina Overwiening. Es gebe derzeit etwa 2.600 Apothekerinnen und Apotheker, die Impfschulungen für regionale Pilotprojekte zur Grippeimpfung gemacht hätten. Sie wären am schnellsten einsatzfähig.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warb für zusätzliche Impfkapazitäten auch angesichts von Rückmeldungen aus überlasteten Hausarztpraxen. Wenn es standesrechtliche Beschrän­kungen gebe, sollte man diese temporär aufheben. Auffrischimpfungen könnten zeitweise auch außer­halb von Praxen gemacht werden. © dpa/afp/may/hil/sb/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER