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Medizin

Psychotherapie von Schlafstörungen kann bei älteren Menschen Depressionen vorbeugen

Freitag, 7. Januar 2022

/Photographee.eu, stock.adobe.com

Los Angeles – Eine kognitive Verhaltenstherapie zur Behandlung von Schlafstörungen hat in einer rando­misierten Studie die Häufigkeit von Depressionen gegenüber einem konventionellen Schlaftraining um mehr als 50 % gesenkt. Die Ergebnisse wurden in JAMA Psychiatry (2021; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2021.3422) veröffentlicht.

Schlafstörungen, unter denen fast die Hälfte aller über 60-Jährigen leiden, sind ein wichtiger Risikofaktor für Depressionen im Alter. Es ist deshalb zu erwarten, dass eine Behandlung der Schlafstörungen vor Depressionen schützen kann. Medikamente sind dazu vermutlich nicht in der Lage, da sie die Dauer des Schlafes verlängern, aber in der Regel nicht die Qualität verbessern.

Eine Alternative zu Schlafmitteln ist ein Schlaftraining (“sleep education therapy“, SET). Die Patienten werden dabei über die Bedeutung des Schlafs für die Gesundheit geschult und lernen, einfache Regeln der Schlafhygiene zu beachten. Die Schulung kann von medizinischem Hilfspersonal ohne psycholo­gische Ausbildung durchgeführt werden.

Die von Psychologen bevorzugte Behandlung ist dagegen eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT), die auch bei anderen psychischen Erkrankungen eingesetzt wird. Die Behandlung versucht, die psychischen Ursachen der Schlafstörungen zu ergründen und den Patienten Techniken zu ihrer Vermeidung an die Hand zu legen.

Ein Team um Michael Irwin von der Geffen School of Medicine in Los Angeles hat in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit der Schulung SET mit einer auf die Behandlung von Krankheiten zugeschnittenen kognitiven Verhaltenstherapie (CBT-I) verglichen. An der Studie nahmen 291 Patienten im Alter von über 60 Jahren (Durchschnittsalter 70,1 Jahre) teil, die in einem Fragebogen („Pittsburgh Sleep Quality Index“, PSQI) Schlafstörungen angegeben hatten, aber in den letzten 12 Monaten nicht unter einer schweren Depression gelitten hatten.

Die Teilnehmer wurden zu gleichen Teilen auf eine CBT-I oder eine SET randomisiert. Beide Therapien wurden in wöchentlichen 120-minütigen Gruppensitzungen über 2 Monate durchgeführt. Die CBT-I zielte dabei auf dysfunktionale Gedanken über den Schlaf, die mittels Reizkontrolle, Schlafbeschränkung, Schlaf­hygiene und Entspannung abgestellt werden sollten. Bei der SET erhielten die Patienten lediglich Informationen zu Verhaltens- und Umweltfaktoren, die zu einem ungesunden Schlaf beitragen. Dazu gab es Tipps zur Verbesserung des Schlafs. Beide Behandlungen wurden von geschultem Personal durchge­führt.

Der primäre Endpunkt war das Auftreten oder Wiederauftreten einer schweren depressiven Störung, auf die die Teilnehmer in den folgenden 3 Jahren alle 6 Monate untersucht wurden. Die Studiendauer war damit für eine klinische Studie ungewöhnlich lang, sie musste es aber auch sein, da die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen sich erst allmählich abzeichneten.

Am Ende wurde in der CBT-I-Gruppe bei 12,2 % der Teilnehmer eine Depression diagnostiziert gegen­über 25,9 % in der SET-Gruppe. Irwin ermittelt eine Hazard Ratio für die CBT-I-Gruppe im Vergleich zur SET-Gruppe von 0,51, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,29 bis 0,88 signifikant war.

Die „Number Needed to Treat“ der Patienten, die behandelt werden müssen, um eine Depression zu vermeiden, betrug 7,3, was in Therapiestudien ein günstiger weil niedriger Wert ist.

Der Vorteil der CBT-I dürfte darauf zurückzuführen sein, dass es häufiger als in der SET-Gruppe (50,7 % versus 37,7 %) gelang, die Schlafstörungen abzustellen. Tatsächlich hatten die Teilnehmer der CBT-I-Gruppe, die ohne Schlafstörungen blieben, ein um 82,6 % verringertes Risiko auf eine Depression (Hazard Ratio 0,17; 0,04-0,73).

In einer erfolgreichen SET sank das Risiko einer Depression nach Behebung der Schlafstörung nur ten­den­ziell um 41 % (Hazard Ratio 1,41; 0,33-1,07). Die CBT-I verspricht damit eine bessere Lösung des Problems Schlafstörung und seiner Folgeerkrankung Depression. Der Nachteil dürften die höheren Kos­ten und eine schlechtere Verfügbarkeit sein, da eine CBT-I nur von ausgebildeten Psychotherapeuten durchgeführt werden kann, die in ländlichen Gegenden häufig fehlen. © rme/aerzteblatt.de

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