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Ärzteschaft

Brauchen wir 2G+ für Arztpraxen?

Freitag, 26. November 2021

/picture alliance, Kirchner-Media, Teresa Kröger

Berlin – Wieso soll ausgerechnet mehrfach geimpftes medizinisches Personal täglich getestet werden? Diese und andere Fragen beantwortet der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, im neuesten Podcast „Sprechende Medizin“.

Reinhardt zufolge betrifft die Testpflicht für Mitarbeiter in Arztpraxen vor allem hochimmunisierte Men­schen, bei denen der Test mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ ausfalle. Deshalb hält er eine pauschale 2G+-Regel für Praxen für wenig sinnvoll.

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„Die Tests kosten Zeit und die Praxen sind im Moment enorm überlastet“, so Reinhardt. Mit viel Anstren­gung könnten sich alle Mitarbeiter der Praxen zwar täglich testen. „Aber warum sollen wir diesen Unsinn organisieren?“, sagte Reinhardt. Angedacht sei die 2G+-Regelung für Menschen, die Kontakt zu hochvul­nerablen Gruppen haben.

Und das betreffe in erster Linie Einrichtungen der Altenpflege. „Da ist die Regelung nicht nur angemes­sen, sondern auch umsetzbar“, verwies Reinhardt. Deshalb findet er, dass Praxen selbst entscheiden sollten, ob sie die 2G+-Regel umsetzen oder nicht.

Dem BÄK-Präsidenten zufolge sei es zur Bekämpfung der Pandemie unerlässlich, auch die Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht geimpft sind. „Wir haben kommunikativ noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft“, erklärte Reinhardt.

Seiner Meinung nach könnten zum Beispiel intelligent gemachte Spots für Youtube und andere soziale Medien helfen, Impfskeptiker zu überzeugen. Dazu sollten die Spots immer wieder auftauchende Vorur­teile gegen die Impfung aufgreifen und wissenschaftlich fundiert widerlegen.

Wichtig seien zudem bessere Kontrollen und spürbare Bußgelder, um möglichst viele Menschen zur Impfung bringen. „Wenn nichts passiert, brauchen wir einen Lockdown für alle und haben im Herbst 2022 genau dieselbe Situation wie jetzt“, warnte Reinhardt. Dann komme die nächste Welle und es gebe immer noch Millionen von Ungeimpften. © hil/sb/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 29. November 2021, 14:02

Zusammenfassung

Karnevalisten/Fasching-/Fußball-Fans: Geimpft?/maskenlos in Massen. Rewe-/Lidl-/Aldi-Einkauf: Masken-/Abstandspflicht. Events/Weihnachtsmärkte/rechtwidrige (Anti-)Coronademos mit/ohne 2G+.
Intensiv-Personal aufgebraucht, abgearbeitet und verschlissen!

IfSG-Novelle mit Testflut zeigt, Bundestagsabgeordnete begreifen Materie nicht. Umso emsiger dreschen sie auf Gesundheits- und Krankheitsversorger mit Ärzte- und Wissenschafts-"Bashing" ein, um von Versagen/Pandemie-Panik/falschem Lockerungs-Chaos abzulenken.

Alte/neue Bundesregierung/Bundestag/Bundesrat verfassungsrechtlich blamiert.
Testpflicht ohne Kits nicht realisierbar und für ÄrztInnen/Personal in Praxis/Klinik/Betreuung verfassungswidrig: Gilt nicht zugleich für alle PatientInnen
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/36288-rote-karte-fuer-neues-infektionsschutzgesetz

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 29. November 2021, 13:59

Rote Karte für neues Infektionsschutzgesetz IfSG

Noch bevor die neue Bundesregierung in Amt und Würden bzw. vereidigt ist, blamieren sich Deutscher Bundestag und Bundesrat verfassungsjuristisch und gesellschaftspolitisch bis auf die Knochen.

Ärztinnen und Ärzte und das gesamte medizinische Personal in Praxis, Kliniken und Betreuungseinrichtungen müssen sich warm anziehen: Ab Mittwoch 24.11.2021 müssen sie sich regelmäßig auf das Coronavirus SARS-CoV-2 testen – im Zweifel sogar täglich. Das sehen die dann in Kraft tretenden Änderungen am Infektionsschutzgesetz (IfSG) vor.

Änderungen am Infektionsschutzgesetz (IfSG) bei der Neuregelung von Paragraf 28b Absatz 2 IfSG sehen ebenso verklausuliert wie scheinbar genderneutral für "Behandelte" (Patientinnen/Patienten/m/w/d) keine Testpflichten vor. Das verstößt gegen die grundgesetzlich garantierte Gleichbehandlung vor dem Gesetz und ist verfassungswidrig.

Begründung:
"...B. Testpflicht in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen

Nach § 28b Abs. 2 IfSG in der neuen Fassung gilt, dass Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher in bestimmten Einrichtungen und Unternehmen diese nur betreten dürfen, wenn sie getestete Personen im Sinne des § 2 Nr. 6 SchAusnahmVO sind und einen Testnachweis mit sich führen. Folgende Einrichtungen fallen unter § 28b Abs. 2 IfSG...

1. Testnachweis
Als Testnachweise kommen nach § 2 Nr. 7 SchutzAusnahmVO Testungen in Frage, die durch die Einrichtungen oder Unternehmen selbst vor Ort stattfinden, die der Arbeitgeber im Rahmen einer betrieblichen Testung im Sinne des Arbeitsschutzes durch Personal, das die dafür erforderliche Ausbildung oder Kenntnis und Erfahrung besitzt, durchführt...
Es gilt, dass bei Arbeitgebern und Beschäftigten, die geimpfte Personen oder genesene Personen sind, die zugrundeliegende Testung auch durch Antigen-Tests zur Eigenanwendung ohne Überwachung erfolgen kann... (Fortsetzung)
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 29. November 2021, 13:50

Rote Karte für neues Infektionsschutzgesetz

Fortsetzung ...Für diesen Personenkreis wird als zweite, weiterführende Ausnahme zudem ein von Absatz 1 Satz 2 abweichender Testrhythmus bestimmt. Die hier zugrundeliegende Testung für geimpfte Personen oder genesene Arbeitgeber und Beschäftigte (Antigen-Testung wie eben bestimmt) muss höchstens zweimal pro Kalenderwoche wiederholt werden.
Zudem gilt Absatz 1 Satz 2 entsprechend, das heißt ein PCR-Test darf maximal 48 Stunden zurückliegen, und es gelten Satz 3 und 4 entsprechend, d. h. Beschäftigten ist das Betreten der Arbeitsstätte erlaubt, um unmittelbar vor Arbeitsaufnahme ein Test- oder Impfangebot des Arbeitgebers wahrzunehmen.
2. Besuchspersonen
Als „Besuchspersonen“ gelten nicht nur Privatbesuche von Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern alle Personen, die etwa aus einem beruflichen Grund die Einrichtung betreten wollen oder müssen.
In oder von diesen Einrichtungen und Unternehmen behandelte, betreute, gepflegte oder untergebrachte Personen gelten nicht als Besucher."
https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/aenderung-des-infektionsschutzgesetzes-3g-am-arbeitsplatz-und-im-oeffentlichen-nah-und-fernverkehr-testpflicht-in-gesundheitseinrichtungen-homeoffice/

Von einem rechtlich einwandfreiem, einheitlichen Testkonzept kann nicht ansatzweise die Rede sein. Mit Ungleichbehandlung von medizinisch-therapeutischem Personal gegenüber zu betreuenden Patientinnen und Patienten wird es ad absurdum geführt. Und mit erhöhter Morbidität und Mortalität der eigentlich schutzbedürftigen Zielgruppe der Erkrankten/Betroffenen bezahlt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM
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