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Pflege: Hunderttausende Heimplätze benötigt

Montag, 29. November 2021

/picture alliance, Jonas Güttler

Frankfurt am Main – In Deutschland werden mittelfristig nicht nur deutlich mehr Pflegekräfte gebraucht, sondern auch Hunderttausende zusätzliche Heimplätze. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in ihrem heute vorgestellten Pflegeheim-Rating-Report.

Demnach rechnen die Experten damit, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen von aktuell rund 4,1 Millionen auf 4,9 Millionen im Jahr 2030 und 5,6 Millionen im Jahr 2040 steigen wird. Dementspre­chend würden bis 2040 weitere 322.000 stationäre Pflegeplätze benötigt. Derzeit leben rund 820.000 Menschen in einer solchen Einrichtung.

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Die erforderlichen Neu- und Reinvestitionen beliefen sich laut Report auf 81 bis 125 Milliarden Euro. Öffentliches oder freigemeinnütziges Kapital allein werde dafür nicht ausreichen. Daher plädieren die Forscher dafür, den streng regulierten Markt für private Investoren attraktiver zu machen.

„Ohne privates Kapital wird es kaum möglich sein, ein ausreichend großes Angebot zu schaffen“, betonte RWI-Gesundheitsforscher Ingo Kolodziej. Es werde jedoch nur bereitgestellt, wenn es risikogerecht ver­zinst werde, also wenn sich die Investition lohne. Die Politik solle die Regulierungsdichte reduzieren und die unternehmerische Handlungsfreiheit ausweiten.

„Mit der fortschreitenden Alterung der Gesellschaft wird auch die Zahl der Pflegebedürftigen weiter stei­gen. Um sie adäquat versorgen zu können, braucht die deutsche Pflegebranche in den nächsten Jahren zusätzliches Personal und Kapital“, sagt RWI-Pflegeexperte Ingo Kolodziej. „Um die Personalknappheit zu überwinden, gilt es, Pflegeberufe attraktiver zu machen, sowohl durch höhere Löhne für qualifiziertes Personal als auch durch bessere Arbeitsbedingungen“, so Kolodziej.

Der Studie zufolge hat sich die wirtschaftliche Lage der rund 15.400 Pflegeheime in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert. Wie aus der RWI-Analyse hervorgeht, schrieben vor fünf Jahren nur rund zehn Prozent der Pflegeheime einen Jahresverlust.

2019 waren es schon 26,5 Prozent. Im Jahr 2019 befanden sich nur noch 38 Prozent im „grünen Bereich“ mit geringer Insolvenzgefahr. Die durchschnitt­liche Insolvenzwahrscheinlichkeit lag mit zwei Prozent etwas höher als bei Krankenhäusern.

Als Grund nennen die Autoren einen zunehmenden Kostendruck. Die wirtschaftliche Situation der Heime war in Sachsen, Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt/Thüringen am bes­ten und in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein/Hamburg und Niedersachsen/Bremen am schlech­testen.

Zugleich zeigt der Report, dass private Betreiber in der Vergangenheit einen großen Beitrag dazu geleis­tet haben, dass das Angebot an Pflegeplätzen steigt. So habe sich die Zahl der Heimplätze in privater Trä­gerschaft seit 1999 mehr als verdoppelt, während die Plätze bei freigemeinnützigen Trägern wie der AWO, der Diakonie oder der Caritas nur um 28 Prozent zugelegt hätten. Die Zahl der Plätze in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft – in der Regel stehen dahinter Gemeinden oder Kreise – sei hingegen um ein Fünftel gesunken.

Insgesamt stagnierte die Zahl der Menschen, die in Pflegeheimen versorgt werden, zuletzt allerdings, während der Anteil der ambulanten Pflege und auch der Menschen, die zu Hause durch ihre Angehörigen versorgt werden, weiter gewachsen sei, so die RWI-Analyse.

Gewachsen sei aber das Marktvolumen der ambulanten und stationären Pflegedienste insgesamt, es betrug im Jahr 2019 rund 60 Milliarden Euro. Damit hat der Pflegemarkt gegenüber anderen Teilberei­chen des Gesundheitsmarkts am stärksten zugelegt. Sein Anteil ist zwischen 1997 und 2019 laut den vor­gelegten Daten von 9,8 Prozent auf 14,7 Prozent gestiegen. Damit rangiert die Pflege in ihrer Bedeutung aktuell an zweiter Stelle hinter den Krankenhäusern. © kna/aha/aerzteblatt.de

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