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Ärzteschaft

Ärztekammern plädieren für allgemeine Coronaimpfpflicht

Montag, 29. November 2021

/picture alliance, Annette Riedl

Hannover/Münster – Die Ärztekammer Niedersachsen fordert eine Coronaimpfpflicht für alle – es sei denn, medizinische Gründe sprechen im Einzelnen dagegen. Auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) sprach sich für eine COVID-19-Impfpflicht für alle über 16-Jährigen Personen aus, bei denen keine medi­zinische Kontraindikation gegen die Impfung vorliegt. Zudem hat sich der Vorstand der Landesärztekammer Thüringen geschlossen für eine SARS-CoV-2-Impfpflicht ausgesprochen.

Mit einer stagnierenden Impfquote von rund 70 Prozent werde es nicht gelingen, die aktuelle Corona­welle in Schach zu halten, warnen die Ärzte. Obwohl der Winter noch nicht richtig begonnen habe, seien Neuinfektionen, Inzidenz und Todeszahlen „in erschreckende Höhen geschnellt“, hieß es von der ÄK Niedersachsen.

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Die vierte Welle der Coronapan­de­mie sei nicht mehr aufzuhalten, erste Kliniken in Deutschland hätten die Belastungsgrenze erreicht. Zusätzlich sei die Zahl der belegbaren Intensivbetten und auch der Beat­mungsplätze im Vergleich zum ersten Coronawinter 2020 deutlich gesunken. Jede vierte Intensivpflege­kraft habe der Intensivstation den Rücken gekehrt.

Damit drohe erneut ein Lockdown mit immensen Belastungen für die Gesellschaft – allen voran für Kin­der und Jugendliche, stellte die Ärztekammer fest. Bislang hätten die Menschen in der Pandemie zwar große Solidarität und Disziplin gezeigt, dies allein könne die vierte Welle aber nicht brechen.

Wichtig sei es vielmehr, mehr Menschen erstmals zu impfen und weiter den Schutz der Geimpften mit schnellen Boosterimpfungen und ausreichendem Impfstoff zu gewährleisten. In einer Erklärung heißt es: „Die Impfungen sind unser Weg aus der Pandemie – eine andere, bessere Exit-Strategie ist nicht in Sicht.“

Die Zahl der Fälle mit Nebenwirkungen nach der Coronaimpfung sei angesichts von mehr als 100 Millio­nen in Deutschland gespritzten Dosen „auf einem äußerst niedrigen Niveau“.

„Die Überlastung des Gesundheitswesens droht nicht erst, sie besteht bereits in einigen Regionen Deutsch­lands und der Nachbarländer in voller Härte und bedroht dort das Leben unserer Patienten. Be­reits jetzt müssen Patienten aus ihren Heimatregionen verlegt werden, weil dort eine adäquate intensiv­medizinische Behandlung nicht mehr sichergestellt werden kann“, betonte ÄKWL-Präsident Hans-Albert Gehle.

Ein Impfpflicht ist aus Sicht der ÄKWL als letzte Maßnahme erforderlich, sofern alle anderen Maßnah­men zur Coronabekämpfung nicht mehr ausreichen und die vielfältigen Bemühungen, eine hohe, die Herden­immunität sichernde Impfquote in der Bevölkerung zu erreichen, gescheitert seien. Die unzurei­chende Impfquote müsse als eine der Hauptursachen für die jetzt fortschreitende Infektionswelle ge­sehen wer­den, so das Votum des Ärzteparlamentes.

Zudem fordert die Kammerversammlung die politisch Verantwortlichen auf, unter Einbeziehung des ärzt­lichen Sachverstandes, insbesondere der Kinder- und Jugendärzte, allgemeingültige Maßnahmen zum Schutze der 5- bis 16-Jährigen zu beschließen. Es solle auch die grundsätzliche Impfung von Personen dieser Altersgruppe erwogen werden.

Die Politik sei aufgefordert, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, die Boosterimpfung bei bereits grundimmunisierten Personen (2G) möglichst schnell und flächendeckend anbieten zu können und Hindernisse für die Boosterimpfungen zu beseitigen.

Hier seien neben den Bemühungen der nieder­gelassenen Ärzte, eine Wiedereröffnung der Impfzentren sowie eine Weiterentwicklung eines alterna­tiven Impfstellenkonzepts beispielhaft an Krankenhäusern oder Schulen von besonderer Bedeutung. Kontraproduktiv sei dagegen eine wie auch immer geartete Rationierung eines bestimmten Impfstoffes.

„Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir eine Impfpflicht für zumutbar und legitim halten. Aus unserer Sicht gebietet das die Verantwortung eines Jeden für sich selbst und gegen andere“, sagte die Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Ellen Lundershausen. Entscheidende Voraussetzung dafür sei jedoch die zuverlässige und sichere Bereitstellung von Impfstoff, mahnt die Landesärztekammer an. © dpa/may/aerzteblatt.de

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