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Politik

Warnungen vor Triage und Katastrophenmedizin

Montag, 29. November 2021

/picture alliance, ANSA, GIUSEPPE LAMI

Berlin – Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, warnt vor harten Triage-Entscheidungen in Krankenhäusern. Das betonte er mit Blick auf die zahlreichen COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen.

„Das findet jetzt auch aktuell statt, um sich auf noch schwierigere Lagen vorzubereiten. Wir laufen lang­sam, aber sicher in eine Art Katastrophenmedizin hinein.“, sagte er im Deutschlandfunk.

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Schon jetzt wür­den Intensivpatienten früher „als medizinisch vertretbar“ auf Normalstationen verlegt werden, erklärte Gaß. „Man weiß: Wir können nicht mehr allen Patienten die bestmögliche Behandlung ermöglichen, (...) die wir im Regelfall zur Verfügung haben.“ Das sei schon eine Art von Triage.

„Wenn wir von Triage sprechen, ist das ein schleichender Prozess, der nach und nach immer härter Rea­lität wird“, sagte Gaß. So müssten sich Patienten und Kliniken darauf einstellen, dass auch „medizi­nisch kompliziertere Fälle“ beispielsweise mit einer Verschiebung ihrer Operationen rechnen müssten.

Verlegungen von Coronapatienten aus Hotspotgebieten in andere Regionen Deutschlands werde es auch in den kommenden Wochen weiterhin und vermehrt geben, so Gaß. Auch Verlegungen ins Ausland schloss er nicht aus. „In der Summe werden sicherlich Hunderte von Patienten verlegt werden. Das ist aber keine Zahl, die wir täglich erleben, sondern das ist eine Zahl, die sich dann aufsummiert.“

Aufgrund der vielen COVID-19-Patienten auf Intensivstationen müssen immer mehr Krankenhäuser in Deutschland planbare Operationen verschieben. Nach Angaben der DKG kann der Normalbetrieb in mehr als drei Viertel aller Krankenhäuser in Deutschland mittlerweile nicht mehr aufrechterhalten werden, und diese Häuser müssen planbare Operationen verschieben.

„Die Lage ist wirklich zunehmend dramatisch und führt bei einem Teil der abgesetzten Behandlungen auch zu körperlichen und psychischen Belastungen bei den betroffenen Patienten“, sagte Gaß. Für die Krankenhäuser sei die Verschiebung planbarer Operationen derzeit das Mittel der Wahl, um die Versor­gung akuter Fälle weiter leisten zu können.

Aus den vergangenen Wellen wisse man um die gravierenden Folgen für die Patienten, so Gaß. Zu den typischen planbaren Operationen gehören den Angaben zufolge vor allem orthopädische OPs. In der zweiten Pandemiewelle von Oktober 2020 bis Februar 2021 sind demnach 22 Prozent weniger Hüftpro­thesen operiert worden.

Doch auch bei Krebsbehandlungen müssten Einschränkungen gemacht werden, hieß es. Auswertungen zeigten etwa, dass die Fallzahlen bei Krebs-OPs beim Brustkrebs um sechs und bei Darmkrebs sogar um 18 Prozent zurückgegangen seien.

Angesichts der weiter steigenden Infektionszahlen hat der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen einen Stopp von planbaren medizinischen Eingriffen in allen Bundesländern gefordert. „In den Ländern, wo noch planbare Operationen stattfinden, muss jetzt das Regelprogramm gestoppt werden, um Kapa­zitäten zu schaffen für Patienten aus den Regionen, in denen das System bereits an der Grenze ist“, sagte Dahmen den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir müssen jetzt überall umstellen auf Notbetrieb.“

Es sei offensichtlich, dass die Infektionsdynamik ungebremst dazu führe, dass die Belastung im Gesund­­heitswesen und die Zahl der erkrankten und sterbenden Menschen viel zu schnell zunehme, sagte er.

Dahmen forderte die Verantwortlichen deshalb dazu auf, die rechtlichen Möglichkeiten im Kampf gegen die Pandemie auszuschöpfen: „Dort, wo weitergehende Maßnahmen möglich sind, müssen sie jetzt durchgesetzt werden“, betonte Dahmen, der selbst Arzt ist.

Der Grünen-Politiker sieht dem Bericht zufolge eine Notwendigkeit für weitere Coronamaßnahmen. „Es ist mir unverständlich, wieso eineinhalb Wochen nach dem Beschluss des Bundestags nicht flächen­deckend 2G-Plus für Veranstaltungen gilt und in den am heftigsten betroffenen Regionen keine Rege­lungen zur Kontaktbeschränkung erlassen werden“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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