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Medizin

COVID-19: Pandemie fördert Depressionen bei älteren Menschen

Dienstag, 30. November 2021

/AimPix, stock.adobe.com

Hamilton/Ontario – Der 1. Lockdown hatte auch außerhalb von Pflegeeinrichtungen erhebliche Aus­wirkungen auf die psychische Gesundheit älterer Menschen. In einer prospektiven Beobachtungs­studie aus Kanada, deren Ergebnisse jetzt in Nature Aging (2021; DOI: 10.1038/s43587-021-00128-1) publiziert wurden, berichteten vor allem Menschen, die unter Einsamkeit litten oder andere soziale Risiken auf­wiesen, über eine deutliche Zunahme depressiver Störungen.

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Die „Canadian Longitudinal Study on Aging“ begleitet etwa 50.000 Kanadier im Alter von 45 bis 85 Jahren, um die Auswirkungen des Alters auf die Lebensumstände zu untersuchen. Alle 3 Jahre finden ausführliche Interviews statt. Zu Beginn des Lockdowns wurden die Teilnehmer eingeladen, regelmäßig Auskunft über ihr psychisches Befinden zu geben. Insgesamt 28.559 willigten ein. Sie füllten während eines Zeitraums von 9 Monaten, darunter mehr als 2 Monate im Lockdown, regelmäßig webbasierte Fragebogen aus oder ließen sich telefonisch interviewen.

Zu Beginn der Befragungen gaben 16,38 % der Teilnehmer im Screening-Fragebogen CES-D-10 depres­sive Symptome an. Der Anteil stieg während des 1. Lockdowns von März bis Juni 2020 auf 21,14 % an und blieb dann bis Ende 2020 bei 21,96 %, obwohl in dieser Zeit die Beschränkungen des öffentlichen Lebens schrittweise aufgehoben wurden.

Wie Parminder Raina vom McMaster Institute for Research on Aging in Hamilton/Ontario und Mitarbeiter berichten, wurde die Häufigkeit der Depressionen von den sozialen Rahmenbedingungen der älteren Menschen beeinflusst. Bei Kanadiern mit einem niedrigen Einkommen waren depressive Symptome 3,35-fach häufiger als bei Besserverdienern. Noch stärker litten Personen, die zu Beginn angegeben hatten, dass sie sich einsam fühlten. In dieser Gruppe nahmen depressive Störungen während des Lockdowns um den Faktor 6,75 zu.

Auch Menschen, die zurückgezogen lebten und sich selten mit Angehörigen trafen oder an gesellschaft­lichen Aktivitäten teilnahmen („social participation“), klagten im Lockdown 2,36-fach häufiger über de­pressive Symptome. Ebenso steigerten chronische Erkrankungen das Risiko. Raina ermittelt für Men­schen mit 1 chronischen Erkrankung eine Odds Ratio von 2,56, sie stieg bei 2 chronischen Erkrankungen auf 3,18 und bei 3 oder mehr chronischen Störungen auf 3,92 an.

Die Isolation im Lockdown verstärkte dabei bereits vorher erkennbare Trends. Dies war vor allem bei Er­wachsenen der Fall, die über verbale oder körperliche Konflikte berichteten, die während der Pande­mie Einkommensverluste erlitten hatten oder auf Unterstützung und medizinische Behandlungen verzichten mussten.

Auch Menschen, die Angehörige pflegten oder von ihrer Familie getrennt waren, neigten häufiger zu einer deutlichen Zunahme der Depressionen. Am meisten waren aber auch hier einsame Menschen ge­fähr­det. Sie befanden sich 15,50-mal häufiger in der Gruppe, bei denen es bereits vor der Pandemie zu einer deutlichen Verschlechterung depressiver Symptome gekommen war. © rme/aerzteblatt.de

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