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Trotz jahrzehntelanger Forschung keine Impfung gegen Aids

Mittwoch, 1. Dezember 2021

/Sabbir, stock.adobe.com

Paris – Binnen weniger Monate hat die Wissenschaft mehrere Impfstoffe gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 entwickelt. An einer Spritze gegen Aids arbeiten Mediziner seit Jahrzehnten – ohne durch­schlagenden Erfolg.

Seit der Entdeckung der Immunschwächekrankheit Anfang der 1980er-Jahre wurden enorme Fortschritte bei der Behandlung erzielt, doch immer noch sterben jedes Jahr hunderttausende Menschen daran, 2020 waren es 680.000. Der Welt-Aids-Tag heute erinnert daran, dass auch diese Pandemie noch nicht besiegt ist.

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Die HI-Viren sind besonders komplex und deshalb schwer zu neutralisieren. „Sie infizieren Zellen des Immunsystems“, in deren DNA sie ihr genetisches Material integrieren, sagt Olivier Schwartz vom Institut Pasteur in Paris. Während die meisten Menschen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 von alleine gene­sen und danach erst einmal immun sind, ist das bei HIV nicht der Fall.

Zudem mutiere das HI-Virus viel leichter als das Coronavirus, sagt Schwartz. Deshalb sei es „schwieriger, Antikörper mit einem breiten Spektrum zu erzeugen, die die Infektion blockieren könnten“. Vor Kurzem wurde im südlichen Afrika ein Impfstoff getestet, der gegen mehrere HIV-Varianten schützen sollte. Doch der Versuch wurde abgebrochen, da die Impfung nur unzureichend schützte.

Für die Entwicklung der Coronaimpfstoffe wurden riesige Summen bereitgestellt. Der Aidsforschung stün­­den diese Mittel nicht zur Verfügung, bedauert Nicolas Manel vom französischen Gesundheitsfor­schungs­zentrum Iserm. 38 Millionen Menschen leben derzeit mit Aids. Eine Impfung ist die einzige Möglichkeit, die Krankheit auszurotten.

Mehrere Dutzend Aids-Impfstoffe werden derzeit erprobt. Das Biotechnologieunternehmen Moderna brachte im Sommer eine mRNA-Impfung gegen HIV heraus, die auf derselben Technologie basiert wie die erfolgreichen Coronavakzine.

„Die Verwendung dieser Technologie eröffnet neue Möglichkeiten und die machen Hoffnung bei Viren wie HIV“, sagte Gilles Pialoux, Aids-Spezialist und Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenkrank­heiten am Krankenhaus Tenon in Paris. Mit endgültigen Ergebnissen wird jedoch erst in einigen Jahren gerechnet.

Die Coronapandemie hat den Kampf gegen Aids einerseits erschwert, die Behandlung HIV-Infizierter litt darunter. „Andererseits wurde noch nie so viel über Gesundheit, Infektionskrankheiten und die kollekti­ven Anstrengungen gesprochen, die notwendig sind, um eine globale Pandemie zu bekämpfen“, sagte Serawit Bruck-Landais von der französischen Anti-Aids-Kampagne Sidaction. Davon könnte auch der Kampf gegen HIV profitieren.

Chronologie der Entdeckung und Bekämpfung von HIV

1981: Erster Alarm
Am 5. Juni 1981 meldet die US-Gesundheitsbehörde CDC eine seltene Form der Lungenentzündung bei jungen Homosexuellen in Kalifornien. Es ist die erste offizielle Warnung vor Aids – damals weiß aller­dings noch niemand, dass es sich um eine neue Krankheit handelt. Ende 1981 stellen die Gesundheits­behörden die selben Infektionen bei Drogenkonsumenten fest, Mitte 1982 auch bei Blutern, die Blut­trans­fusionen erhalten, sowie bei in die USA eingewanderten Haitianern.

Entsprechend wird zunächst von der „4H“-Krankheit gesprochen, was für Homosexuelle, Heroinabhä­n­gige, Haitianer und „Hemophiles“, also Bluter, steht. Der Name Aids wird 1982 geprägt und ist die Ab­kürzung von „acquired immune deficiency syndrome“, also erworbenes Immunschwächesyndrom.

1983: Entdeckung des Virus
Im Januar 1983 isolieren die Forscher Françoise Barré-Sinoussi und Jean-Claude Chermann am Pariser Institut Pasteur ein neues Virus, das sie LAV nennen und aus ihrer Sicht an Aids „beteiligt sein könnte“. Am 23. April 1984 verkünden die USA, dass der US-Virologe Robert Gallo den „wahrscheinlichen“ Aids-Erreger, ein HTLV-III getauftes Virus, gefunden hat. LAV und HTLV-III erweisen sich schließlich als der­selbe Erreger, der 1986 den Namen Humanes Immundefizienzvirus erhält, kurz HIV.

1987: Erste Behandlung
Am 20. März 1987 wird in den USA die erste antiretrovirale Therapie mit Zidovudin zugelassen. Sie ist kostspielig und verursacht bedeutende Nebenwirkungen.

Anfang der 1990er-Jahre: Aids zieht immer weitere Kreise
Der US-Schauspieler Rock Hudson ist im Oktober 1985 der erste Star, der an Aids stirbt. Es folgen Queen-Frontmann Freddie Mercury im November 1991 und Ballett-Star Rudolf Nurejew im Januar 1993. 1994 wird Aids zur häufigsten Todesursache bei Menschen in den USA zwischen 25 und 44 Jahren.

1995-1996 : Beginn der Kombinationstherapien
In den Jahren 1995 und 1996 markiert die Einführung zweier Medikamententypen einen Wendepunkt in der Aids-Therapie: Proteasehemmer und Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (RTI). Das ist der Beginn der antiretroviralen Kombinationstherapien, die sich als sehr wirksam gegen HIV erweisen. 1996 geht die Zahl der Aids-Opfer in den USA erstmals zurück.

1999: 50 Millionen Infizierte
Ein im November 1999 veröffentlichter Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Aids-Programms (UNAIDS) führt auf, dass sich seit dem ersten Auftreten von Aids weltweit 50 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert haben. 16 Millionen von ihnen starben. Afrika ist mit 12,2 Millionen Infizierten der am stärksten betroffene Kontinent.

2001: Generika
Nach der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen UNAIDS und fünf Pharmariesen im Jahr 2000 zur Verteilung erschwinglicher Aids-Medikamente in armen Ländern, wird im folgenden Jahr ein Kompromiss in der Welthandelsorganisation (WTO) erzielt. Entwicklungsländer dürfen nun kostengünstige Nachah­mer­produkte von Aids-Medikamenten, sogenannte Generika, herstellen.

2012: Erste Vorsorgebehandlung
Am 16. Juli 2012 wird in den USA eine erste Vorsorgebehandlung gegen HIV zugelassen. Die sogenannte HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) für nicht mit HIV infizierte Menschen besteht aus einem antiretro­viralen Medikamentencocktail mit dem Handelsnamen Truvada. Die Behandlung, bei der Menschen mit hohem HIV-Ansteckungsrisiko vorbeugend eine Tablette einnehmen, hat sich als wirksamer Schutz etabliert.

2017: Therapie für gut 50 Prozent der Infizierten
2017 werden erstmals mehr als die Hälfte der Träger von HI-Viren antiretroviral behandelt. Bis heute ist der Anteil nach UN-Angaben auf rund drei Viertel gestiegen: 27,5 Millionen von 37,7 Millionen Infizierten weltweit bekommen eine geeignete Therapie.

2020/21: Auswirkungen der Coronapandemie
Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus und der deswegen verhängten Restriktionen bringen das UNAIDS-Ziel in Gefahr, Aids als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit bis 2030 zu beenden. Wegen der Pandemie ist in aller Welt der Zugang zu den Gesundheitssystemen, zu Aids-Tests und Therapien eingeschränkt. © afp/aerzteblatt.de

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