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Medizin

SARS-CoV-2: Konjugatimpfstoff aus Kuba erzielt hohe Schutzwirkung

Dienstag, 30. November 2021

/FATIR29, stock.adobe.com

Havanna – Ein in Kuba entwickelter Konjugatimpfstoff gegen SARS-CoV-2 hat in einer Phase-3-Studie nach 2 Dosierungen eine Schutzwirkung von 71 % erzielt. Nach der Boosterung mit einem modifizierten Impfstoff stieg die Schutzwirkung auf 92,4 %. Ein Vorteil des Impfstoffs könnte seine gute Verträglichkeit sein. Ergebnisse wurden kürzlich auf medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.10.31.21265703) publiziert.

Kuba, das aufgrund des Embargos der USA nicht auf Impfstoffe vom Festland hoffen kann, hat frühzeitig auf die Entwicklung eigener Vakzinen gegen COVID-19 gesetzt. Die Forscher des Landes haben bisher 5 verschiedene Impfstoffe entwickelt: Abdala, Soberana 1, Soberana 2, Soberana Plus und Mambisa. Zuge­las­sen sind seit Juli Abdala und seit Ende August Soberana 2 sowie als Booster Soberana Plus.

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Abdala ist der Nachfolger von Mambisa. Der Untereinheitenimpfstoff enthält Teile des Spikeproteins. Als Adjuvans wurde Aluminiumhydroxid zugesetzt. Vorbild von Abdala war ein in Kuba entwickelter Hepatitis B-Impfstoff.

Soberana 2 mit Soberana Plus sind Konjugatimpfstoffe. Die Rezeptorbindungsstelle des Spikeproteins ist chemisch hier mit dem Tetanustoxid verbunden, wodurch die Immunität steigt. Auf ein Adjuvans wurde verzichtet. Vorbild war offenbar ein in Kuba entwickelter Konjugatimpfstoff gegen Meningitis.

Innerhalb weniger Monate wurden mehr als 80 % der Bevölkerung vollständig geimpft, einschließlich Kindern ab einem Alter von 2 Jahren. Offenbar mit Erfolg. Die Epidemie ist derzeit unter Kontrolle. Die 7-Tage-Inzidenz ist von fast 10.000 im August auf 130 Ende November gesunken.

Wissenschaftliche Publikationen zu den beiden Impfstoffen waren bisher spärlich. Die Ergebnisse der Phase-3-Studie, in der Abdala eine Impfstoffwirksamkeit von 92,28 % erzielt haben soll, wurden bisher nicht veröffentlicht. Kürzlich wurden auf dem Preprintserver die Phase-3-Ergebnisse zu Soberana 2 mit Soberana Plus vorgestellt.

An der Phase-3-Studie hatten an 48 Impfzentren der Hauptstadt Havanna 42.557 Erwachsene teilge­nommen. Sie wurden auf 3 Gruppen randomisiert. Die 1. Gruppe erhielt 2 Dosen von Soberana 2 im Ab­stand von 28 Tagen. In der 2. Gruppe erhielten die Teilnehmer später eine 3. Dosis des abgewandelten Impfstoffs Soberana Plus. In der 3. Gruppe wurden Placebos verimpft.

Nach Angaben des Teams um Vérez Bencomo vom Finlay Institut in Havanna sind in der 1. Gruppe 43 Erkrankungen aufgetreten. Gegenüber den 155 Erkrankungen in der Placebogruppe ergibt dies eine Impf­stoffwirksamkeit von 71,0 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 58,9 % bis 79,1 %. Soberana könnte demnach eine ähnliche Schutzwirkung erzielen wie die Vektor-basierten Impfstoffe von Astra­zeneca und Janssen.

In der Gruppe, die nach 2 Dosen Soberana noch den Booster mit Soberana Plus erhielt, ist es der Publika­tion zufolge nur zu 15 Erkrankungen gekommen. Die Impfstoffwirksamkeit läge damit bei 92,4 % (86,9 % bis 95,6 %) und wäre vergleichbar mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna.

Die Schutzwirkung vor schweren Erkrankungen betrug für Soberana 63 % (2 versus 6 Fälle in der Place­bo­gruppe). Sie stieg nach der Boosterung auf 100 % (0 versus 6 Fälle). 95-%-Konfidenzintervalle wurden hier nicht angegeben. Sie dürften aber wegen der geringen Fallzahl weit sein.

In der Soberana-Gruppe ist es zu 3 Todesfällen an COVID-19 gekommen gegenüber 8 in der Placebo­gruppe, was einer Impfstoffwirksamkeit von 59,0 % entspricht. In der Gruppe mit späterer Boosterung kam es zu keinen Todesfällen an COVID-19. Die Impfstoffwirksamkeit würde hier bei 100 % liegen.

Der Vorteil von Soberana könnte eine gute Verträglichkeit sein, für die Konjugatimpfstoffe bekannt sind. Lokalreaktionen an der Impfstelle traten nach der 1. Dosis bei 7,7 %, nach der 2. Dosis bei 1,9 % und nach der 3. Dosis bei 0,3 % der Teilnehmer auf. Die Reaktionen klangen in der Regel im Laufe eines Tages ab. Verzögerte Reaktionen traten nur in Einzelfällen bei 21 Personen nach der 1. Dosis, 5 Personen nach der 2. Dosis und 1 Person nach der 3. Dosis auf. Systemische Reaktionen waren mit 2,0 % nach der 1. Dosis, 0,8 % nach der 2. Dosis und 0,1 % nach der 3. Dosis ebenfalls selten. Es handelte sich zumeist um All­gemeinsymptome und selten um Fieber.

Soberana wurde zusammen mit dem Pasteur-Institut in Teheran entwickelt. Im Iran wird er als Pasteur­covac eingesetzt. Kuba exportiert die Impfstoffe dem Vernehmen nach auch nach Nicaragua, Venezuela und Vietnam. © rme/aerzteblatt.de

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