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Corona verhinderte HIV-Diagnosen

Dienstag, 30. November 2021

/Chinnapong, stock.adobe.com

Kopenhagen/Genf – Wegen der Coronapandemie sind nach einem neuen Bericht deutlich weniger Men­schen auf das Aids-Virus (HIV) getestet worden. Dies alarmiert Gesundheitsexperten, weil weniger Tests bedeuten, dass neue Infektionen nicht entdeckt wurden. Wenn Infizierte nicht behandelt werden, steigt für sie die Lebensgefahr und ebenso das Risiko, dass sie andere Menschen anstecken.

„Das ist eine alarmierende Situation, wenn man bedenkt, dass es bei den neuen HIV-Infektionen in der WHO-Europaregion in den vergangenen zehn Jahren einen Aufwärtstrend gab“, teilten das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und heute vor dem Welt-Aids-Tag (1. Dezember) mit.

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Das hat auch Folgen für andere Krankheiten, wie gerade die neue Coronavirusvariante Omikron nahe­legt. Experten halten es für möglich, dass sich Omikron bei einem HIV-Infizierten entwickelt hat.

Bei schlecht therapierten HIV-Patienten ist das Immunsystem sehr geschwächt, und in Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann sich ein Virus wie das Coronavirus über viele Wochen vermehren. Die unfaire Coronaimpfstoffverteilung führt dazu, dass Menschen im südlichen Afrika, wo die Mehrheit der HIV-Infizierten lebt, bislang mangels Impfstoff kaum gegen das Coronavirus geimpft werden konnten.

Die Zahl der gemeldeten HIV-Neuinfektionen sei in der Europa-Region 2020 um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, teilten die Behörden mit. Die Region umfasst 53 Länder, darunter neben der EU auch die Türkei, Turkmenistan, Russland und Israel. Erhebungen legten nahe, dass die Zahl der Menschen, die von ihrer Infektion nichts wissen, steige.

In der EU und Island, Liechtenstein und Norwegen (EWR – Europäischer Wirtschaftsraum) seien 2020 insgesamt 14.971 Infektionen gemeldet worden, in der gesamten WHO-Europaregion 104.765. Im EWR werde das Virus vor allem bei gleichgeschlechtlichem Sex unter Männern übertragen, im östlichen Teil der Region infizierten Menschen sich vor allem durch heterosexuellen Kontakt und Drogenspritzen.

Seit der Entdeckung des HI-Virus 1984 sind weltweit mehr als 35 Millionen Menschen wegen einer Infektion daran gestorben. Die Vereinten Nationen haben das Ziel, Aids bis 2030 zu beenden. Allerdings wurden alle für 2020 gesetzten Zwischenziele verpasst.

Wenn Behandlungsprogramme auf dem Niveau von 2019 beibehalten werden, sterben bis 2030 zusätz­lich 7,7 Millionen Menschen durch eine HIV-Infektion. Wenn mit deutlich mehr Geld bessere Gesund­heits­dienste realisiert werden, könnten davon nach Schätzungen von UNAIDS 4,6 Millionen Menschen gerettet werden.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) forderte heute, HIV-Infizierten in ärmeren Ländern einen verstärkten Zugang zu Impfungen gegen das Coronavirus zu ermöglichen. Für viele tausend Menschen­leben insbesondere in Afrika südlich der Sahara seien COVID-19 und HIV eine doppelte Bedrohung, er­klärte die Stiftung in Hannover. Die neue Bundesregierung müsse für die Bekäm­pfung von HIV und COVID-19 sofort ausreichend Gelder bereitstellen.

Zwei Drittel (67 Prozent) der HIV-Infizierten lebten in Subsahara-Afrika, so die Stiftung unter Berufung auf den neuen Aids-Bericht von UN-Organisationen. Bis November seien in der Region aber nur etwa vier Pro­zent der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft worden.

Besonders gefährdet seien Frauen und Mädchen. Denn zwei von drei HIV-Infektionen (63 Prozent) in Sub­sahara-Afrika entfielen auf diese Gruppe. Jede vierte neue HIV-Infektion in Afrika südlich der Sahara be­treffe Mädchen und Frauen zwischen 15 und 24 Jahren. Die DSW äußerte sich anlässlich des Welt-Aids-Tages. © kna/aerzteblatt.de

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