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Ärzteschaft

DIVI und AWMF wollen umgehend Kontakt­beschränkungen

Mittwoch, 1. Dezember 2021

/picture allianc, UKSH

Berlin – Schon vor Weihnachten könnten mehr als 6.000 Patienten mit COVID-19 auf den Intensivstatio­nen in Deutschland behandeln werden müssen. Davor warnte heute die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

DIVI-Präsident Gernot Marx sprach von einer „bedrohlichen Situation“, die eine schnelle und umfassende Reaktion erfordere. Dies könne auch ein zeitlich begrenzter Lockdown sein. Auch die Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) fordern ein umfassendes Maßnahmenpaket inklusive Kontakt­beschränkungen.

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Marx betonte im Rahmen des DIVI-Jahreskongresses, dass derzeit bereits etwa 4.600 COVID-19-Patienten behandelt würden und man aufgrund regionaler Überlastungen zahlreiche Verlegungen habe organisie­ren müssen. Hinzu komme nun die noch schwer abschätzbare Bedrohung durch die Omikron-Variante des Coronavirus. Deshalb seien bundeseinheitlichen Gegenmaßnahmen mit „größtmöglichen“ Kontakt­beschränkungen notwendig.

Die DIVI forderte zudem eine Ausweitung der Impfkampagne, welche mindestens eine Million Impfungen und Boosterimpfungen pro Tag ermöglichen müsse. Zudem solle die Impfpflicht für alle Erwachsenen umgesetzt werden, um eine sehr wahrscheinliche fünfte und sechste Welle verhindern zu können. Marx verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die bislang bestehende Freiwilligkeit nicht zu den für eine Beherrschung der Lage benötigten Impfquoten geführt hätte.

Um die akute Belastungssituation zu überstehen, müssen aus Sicht der DIVI – insofern medizinisch ver­tretbar – umgehend alle bundesweit nicht dringend medizinisch notwendigen Eingriffe und Behand­lungen ausgesetzt und das Personal in die Intensiv- und Notfallbereiche umgesetzt werden.

Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters, betonte, es gebe erste Indi­zien, dass bei einer gewissen Belastung der Intensivstationen die Prognose für COVID-19-Patienten schlechter werde. Ab einer Belegung von 50 Prozent der Kapazitäten mit schwer COVID-Erkrankten scheine die Sterblichkeit zuzunehmen.

Die höchst angespannte Belastungssituation werde sich trotz kommender Gegenmaßnahmen in abseh­barer Zeit nicht zum Guten ändern, sagte DIVI-Experte Andreas Schuppert. Selbst wenn sich das Infekti­onsgeschehen im Verlaufe des Dezember abmildere, sei mit einer Entspannung auf den Intensivstationen erst Wochen später zu rechnen.

Um die vierte Welle der Coronapandemie zu bewältigen, fordert die AWMF gemeinsam mit ihrer Task Force „COVID-19 Leitlinien“ die umgehende Umsetzung von Eindämmungsmaßnahmen. Dazu würden Kontaktbeschränkungen, der sofortige Verzicht auf Großveranstaltungen und das intensivierte Impfen auch in reaktivierten Impfzentren gehören.

Darüber hinaus halten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angemessene Schutzmaßnahmen mit dem Ziel der Aufrechterhaltung des Schulbetriebs für notwendig. Außerdem fordern sie alle Bürger auf, Hygienemaßnahmen weiterhin konsequent einzuhalten.

„Die hohe Anzahl der schwer an COVID-19 Erkrankten und die aktuell sehr hohe Hospitalisierungsrate können wir nur reduzieren, indem jetzt schnell zielgenaue Maßnahmen umgesetzt werden“, betonte Rolf-Detlef Treede, Präsident der AWMF.

„Kontaktbeschränkungen sind ein dringend notwendiger Schritt, zumal in vielen Bundesländern Infek­tionsketten aufgrund der hohen Infektionsinzidenzen nicht mehr verfolgt werden können“, so Treede.

Einen besonderen Stellenwert in der Infektionsprävention nehme aktuell außerdem das Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung ein. Die AWMF fordert, erneut Masken kostenfrei für bestimmte Bevölkerungsgruppen zur Verfügung zu stellen – beispielsweise für ältere Menschen oder Personen mit Immunerkrankungen. © aha/aerzteblatt.de

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