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Medizin

Gonarthrose: Zoom-Beratung zu Sport und Diät lindert Knieschmerzen

Donnerstag, 13. Januar 2022

/Dragana Gordic, stock.adobe.com

Melbourne – Eine individuelle telemedizinische Beratung zu Sport und Diät hat in einer randomisierten Studie Patienten mit Gonarthrose geholfen, die Kniemuskulatur zu stärken und das Körpergewicht zu senken, was laut der Publikation in den Annals of Internal Medicine (2021; DOI: 10.7326/M21-2388) zu einer Linderung der Knieschmerzen geführt hat.

Bewegungsmangel und Übergewicht gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Gonarthrose. Denn ein nicht ausreichend durch die Muskulatur stabilisiertes Gelenk, das gleichzeitig eine erhöhte Körpermasse tragen muss, ist anfällig für arthrotische Veränderungen und Verletzungen.

Die Zusammen­hänge sind lange bekannt, es fehlt jedoch an Konzepten, wie den Betroffenen geholfen werden kann. Das gilt insbesondere in Flächenstaaten wie Australien, in denen viele Patienten fern der größeren Städte leben, in denen es Beratungsangebote gibt.

Wissenschaftler der Universität Melbourne haben 2 telemedizinische Konzepte entwickelt, mit denen auch entfernt lebenden Patienten mit einem vertretbaren Aufwand geholfen werden kann. Das 1. Konzept besteht aus 6 Videokonsultationen mit einem Physiotherapeuten, die bei der Erstkonsultation 45 Minuten und danach jeweils 20 Minuten dauern.

Der Physiotherapeut entwirft dabei für jeden Patienten einen maßgeschneiderten Managementplan mit Übungen für die Kräftigung der Muskulatur. Dazu gibt es zahlreiche Informationen in Papierform (in einer Ressourcenmappe per Post) und auf einer Website. Bei jedem Termin werden Aktivitätsziele festge­legt, die die Patienten protokollieren und mit einem Fitness-Tracker dokumentieren.

1/3 der 400 Teilnehmer der „Better Knee, Better Me“-Studie wurde diesem Sportprogramm per Los zugewiesen, ein 2. Drittel erhielt zusätzlich ein Gewichtsmanagement. Es bestand aus 6 Zoom-Terminen zur Ernährungsberatung sowie zahlreichen Schulungsmaterialien per Post und im Internet zur Unter­stützung der Gewichtsabnahme.

Ziel war eine deutliche Gewichtsreduktion. In einer 1. Phase ersetzen die Teilnehmer 2 Mahlzeiten pro Tag durch eine energiearme/ketogene Formula-Diät, die ihnen mit der Post zugeschickt wurde. In dieser Phase sollte das Körpergewicht um 10 % gesenkt werden. Die Formula-Diät wurde dann auf 1 Mahlzeit pro Tag gesenkt und schließlich abgesetzt.

Unterstützt durch eine Diät-Beratung sollten die Patienten versuchen, ihr neues Gewicht zu halten, mög­lichst lebenslang. Die Dauer der Ernährungsberatung war ebenfalls auf 45 Minuten beim Ersttermin und 20 Minuten bei den Folgekonsultationen beschränkt.

In der 3. Gruppe gab es weder Zoom-Termine mit Physiotherapeuten oder Diätassistenten, noch wurde die Gewichtsabnahme durch Formula-Diäten unterstützt. Die Teilnehmer erhielten lediglich ein Informa­tionspaket, was sich erfahrungsgemäß als wenig wirksam erweist.

Das Ziel der Behandlung war eine Verminderung der Knieschmerzen, die die Teilnehmer auf einer numerischen Schmerzskala mit 0 bis 10 Punkte bewerteten. Die körperlichen Funktionen der Gelenke wurden mit dem „Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index“ (WOMAC) erfasst.

In beiden Endpunkten war am Ende der Interventionen nach 6 Monaten ein signifikanter Vorteil nachweisbar, der laut dem von Kim Bennell vom „Centre for Health, Exercise and Sports Medicine“ der Universität Melbourne vorgestellten Zahlen für die Kombination aus Sport und Diät besser ausfiel. Auf der numerischen Schmerzskala waren die Ergebnisse um 1,5 Punkte besser als in der Kontrollgruppe.

Bei einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,8 bis 2,1 Punkten war der Unterschied statistisch signifikant. Unter der alleinigen Sportberatung kam es zu einem ebenfalls signifikanten Rückgang der Schmerzen um 0,8 Punkte (0,2 bis 1,5 Punkte).

Der WOMAC, der zwischen 0 und 68 Punkte annehmen kann, verbesserte sich in der kombinierten Sport- und Ernährungsberatung um 9,8 Punkte (7,0 bis 12,5 Punkte). Das alleinige Bewegungsprogramm erreich­te eine Verbesserung um 7,0 Punkte (4,2 bis 9,7 Punkte). Die Kombination war laut Bennell dem alleinigen Bewegungsprogramm in beiden Endpunkten überlegen: Die Differenz betrug bei den Schmer­zen 0,6 Punkte (0,2 bis 1,1 Punkte) und im WOMAC 2,8 Punkte (0,8 bis 4,7 Punkte).

Der Grund dürfte in der Gewichtsreduktion zu suchen sein, der im Durchschnitt bei 10 % oder 10 kg lag, wobei ein Teilnehmer 39 kg abnahm. Bennell ist mit den Ergebnissen zufrieden, zumal 30 % der Teilnehmer in kleineren Städten und auf dem Land lebten. © rme/aerzteblatt.de

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