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Medizin

COVID-19: Kinder mit schlecht kontrolliertem Asthma haben erhöhtes Hospitalisie­rungsrisiko

Freitag, 3. Dezember 2021

/Grandbrothers, stock.adobe.com

Edinburgh – Kinder mit einem schlecht kontrollierten Asthma werden 3- bis 6-fach häufiger wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt. Dies kam in einer landesweiten Studie aus Schottland in Lancet Respiratory Medicine (2021; DOI: 10.1016/S2213-2600(21)00491-4) heraus, die im Auftrag der britischen Impfkommission JCVI durchgeführt wurde. Die Autoren raten, die betroffenen Kinder bevorzugt zu impfen.

Auch in Großbritannien ist die Zahl von COVID-19-Infektionen bei Kindern zuletzt stark angestiegen. Die meisten Erkrankungen verlaufen milde, schwere Verläufe und auch Todesfälle sind jedoch möglich. Das „Joint Committee on Vaccination and Immunisation“ (JCVI) überlegt deshalb, welchen Kindern priorisiert eine Impfung angeboten werden sollte. Neben Kindern mit schweren Behinderungen, Down-Syndrom oder Abwehrschwächen stehen auch Kinder mit allergischen Erkrankungen im Fokus, da eine Störung der Atemwege und bei schweren Erkrankungen auch die Verordnung von immunsupprimierenden Medi­ka­­­­menten das Risiko auf einen schweren Verlauf erhöhen könnten.

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Die „Early Pandemic Evaluation and Enhanced Surveillance of COVID-19“ (EAVE II) bot die Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko dieser zahlenmäßig großen Gruppe zu untersuchen. EAVE II hat Zugriff auf die Gesundheitsdaten von 5,4 Millionen Schotten. Das sind 99 % der Bevölkerung.

Asthma bronchiale ist in Schottland die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter: Von 752.867 Kindern im Alter von 5-17 Jahren hatten 63.463 (8,4 %) eine Asthmadiagnose. Von diesen wurden zwi­schen März 2020 und Ende Juli 2021 insgesamt 4.339 (6,8 %) positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Nur 67 (1,5 %) wurden mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert. Das absolute Risiko für ein Kind mit Asthma, wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, ist demnach gering. Auch relativ gese­hen war das Risiko nur leicht erhöht: Von den 40.231 Kindern ohne Asthma, die sich mit SARS-CoV-2 infizierten, mussten 382 (0,9 %) mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Für die Gesamtgruppe aller asthmakranken Kinder lässt sich daraus keine Impfpriorisierung ableiten. Anders war die Situation bei Kindern, deren Asthmaerkrankung nur schwer kontrolliert werden konnte. Bei Kindern mit einer SARS-CoV-2-Infektion, die wegen ihrer Asthmaerkrankung 2 Mal mit oralen Stero­iden behandelt werden mussten, betrug die Hospitalisierungsrate wegen COVID-19 3,75 %, und bei Kindern, die 3 oder mehr Steroidbehandlungen erhalten hatten, sogar 4,53 %.

Ein Team um Aziz Sheikh vom Usher Institute der Universität Edinburgh ermittelt für die beiden Gruppen adjustierte Hazard Ratios von 3,38 (95-%-Konfidenzintervall 1,84 bis 6,21) und 3,53 (1,87-6,67). Noch stärker gefährdet waren Kinder, die wegen einer schweren Asthmaerkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten. Von diesen mussten 9,18 % nach einer SARS-CoV-2-Infektion wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden. Sheikh ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 6,40 (3,27-12,53).

Die Forscher rieten der JCVI deshalb, alle Kinder mit schwer kontrollierbarem Asthma im Alter von 5 bis 17 Jahren gegen COVID-19 zu impfen. Die knappen Impfstoffe könnten dabei sparsam eingesetzt werden. In ganz Schottland müssten nur 9.124 Kinder zusätzlich geimpft werden, schreibt Sheikh. In ganz Groß­britannien wären es schätzungsweise 109.448 Kinder mit schwer kontrollierbarem Asthma. © rme/aerzteblatt.de

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