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Politik

Coronaimpfungen künftig auch durch Apotheker möglich, Ärzteverbände üben Kritik

Donnerstag, 2. Dezember 2021

/picture alliance, David Inderlied

Berlin – Um die Impfkampagne in Deutschland zu beschleunigen, sollen künftig auch Apotheker gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 impfen dürfen. Darauf einigten sich heute Bund und Länder bei ihren Be­ratungen. Sei­tens der Ärzteschaft trifft dieser Beschluss auf Unverständnis und Kritik.

Laut Bund und Ländern soll der Kreis der Personen, die Im­pfungen durchführen dürfen, „kurzfristig“ deut­lich ausgeweitet werden. Das soll zunächst über eine Delegation durch Ärzte an Apotheker sowie Pflege­fach­kräfte etwa in Altenheimen geschehen.

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Darüber hinaus soll eine gesetzliche Änderung für „Apothekerinnen und Apotheker, Zahnärztinnen und Zahnärzte und weitere“ geschaffen werden, um den Kreis der Berechtigten auszuweiten, die in der Coro­napandemie Impfungen vornehmen können.

Eine mögliche politische Entscheidung in Richtung einer Beteiligung von Apotheken an der Coronaimpf­kampagne wurde bereits im Vorfeld des Bund-Länder-Treffens scharf von mehreren ärztlichen Verbänden kritisiert.

So hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) betont, dass Impfen eine originär ärztliche Auf­gabe darstelle. Zudem sei es für den Fortschritt der Impfkampagne entscheidend, dass es ausreichend Impfstoffe gibt, so der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen.

„Der Impfstoff reicht zurzeit nicht einmal für die impfenden Praxen. Da haben wir null Verständnis dafür, dass jetzt auch noch Apotheken mitimpfen sollen“, hieß es heute aus dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin.

In Berlin liegt die Impfkampagne momentan in den Händen von mehr als 2.500 Arztpraxen sowie den Impfzentren oder Impfstellen. „Dabei sollte es bleiben“, so die KV. Das Impfen sei nicht Sache der Apothe­ken, sondern originäre Aufgabe der Ärzte.

Im Hinblick auf Impfstoffbestellung und -lieferung forderte die KV Berlin mehr Zuverlässigkeit und Trans­parenz. „Wir möchten wissen, wieviel Impfstoff Berlin erhält und wie dieser verteilt wird“, so der Vorstand.

„Und wir möchten Antworten darauf haben, wie es sein kann, dass einige Praxen ihre bestellten Impf­stoff­mengen 1:1 erhalten haben, hingegen bei anderen Praxen die bestellten Impfstoffmengen begrenzt werden.“ Kürzungen bestellter Impfstoffe hätten in den vergangenen Tagen zu massiver Verärgerung und organi­satorischen Turbulenzen in den betroffenen Arztpraxen geführt.

Die Kassenärzte in Brandenburg sehen bei der geplanten Ausweitung der Impfungen auf Apotheken auch berufsrechtliche Probleme. Es müssten viele Fragen etwa rund um Qualifikation, Haftungsrisiken und Do­kumentation geklärt werden, betonte der Vorsitzende der KVBB, Peter Noack.

Er als Arzt könne sich schlecht vorstellen, dass Schulungen für Apotheker ausreichten, um Coronaschutz­impfungen durchzu­führen, so Noack. Bei der Bestellung von Impfdosen stünden Apotheken dann zudem in Konkurrenz zu den Kassenärzten.

Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), betonte gestern in der ARD, man brauche in den Apotheken im Falle einer rechtlichen Legitimation für Coronaimpfungen „eine gewisse Vorlaufzeit“ – beispielsweise für entsprechende Schulungen.

Der Deutsche Hausärzteverband sprach sich nicht nur gegen Coronaimpfungen in Apotheken, sondern auch in Zahnarzt­praxen aus. „Die Apotheken und Zahnärzte ins Boot zu holen, ist eine vollkom­mene Ab­surdität“, sagte der stellvertretende Vorsitzende, Markus Beier, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe heute. Weitere Impfstoffbezugsberechtigte würden die Impfkampagne nicht beschleuni­gen, sondern eher verzögern.

Das Problem bei der Auslieferung der Impfstoffe sei derzeit, dass „mit der Gießkanne verteilt und mit dem Rasenmäher gekürzt wird“, erklärte Beier. „Jeder, der eine Arztnummer hat, kann gleichviel Impfstoff bestellen – die Hausärztin auf dem Land, die tausend Menschen versorgt, genauso viel wie der Radiologe in einer Klinik in der Stadt.“ Umgekehrt würden die Lieferungen auch für alle gleich gekürzt.

Im Ergebnis gebe es viel Impfstoff dort, wo viele Ärztinnen und Ärzte angestellt sind, und wenig, wo die Anzahl geringer ist. Der ländliche Raum werde so strukturell benachteiligt. Die Hausärzte fordern deshalb einen Änderung des Verteilungsschlüssels für die Impfstoffe.

„Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte, Gynäkologen, HNO- und Fachärzte für Inneres müssen deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung gestellt bekommen als andere“, sagte Beier. Wenn genug Impfstoff die Praxen erreiche, seien zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Impfungen am Tag machbar – dazu brauche man aber schnell das verlässliche Signal, dass der Nachschub an Impfstoff nicht abreißt. © aha/afp/dpa/aerzteblatt.de

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