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Politik

Olaf Scholz ruft bei Joko und Klaas zum Impfen auf

Donnerstag, 2. Dezember 2021

/picture alliance, ProSieben

Berlin – Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz hat als Gast der ProSieben-Entertainer Joko und Klaas einen eindrücklichen Impfappell an die Fernsehzuschauer gerichtet. „Mir ist wichtig, dass jede und jeder, der kann, sich impfen lässt. Nur das hilft“, sagte der SPD-Politiker gestern Abend in der ProSieben-Sendung „Joko und Klaas 15 Minuten live“.

Scholz saß auf einer Bühne allein auf einem Stuhl und sprach mit direktem Blick in die Kamera, seine Stimmlage war ruhig, langsam und eindringlich. Vor ihm waren eine 23-Jährige mit Long-COVID-Erkran­kung und ein Oberarzt der Inten­sivstation der Charité Berlibn aufgetreten und hatten ihre Erlebnisse geschildert.

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Scholz sagte weiter: „Neu in dieser vierten Welle ist: Die Linie zwischen denen, die nach einer COVID-Erkrankung einen milden oder einen sehr schweren Verlauf haben, geht nicht mehr zwischen Alten und Jungen, sondern zwischen Geimpften und Ungeimpften.“ Dabei müsse jeder wissen: „Wer sich nicht imp­fen lässt, gefährdet sich selbst, gefährdet Kinder und alle seine Mitmenschen, die sich aufgrund von Vorerkrankungen nicht impfen lassen können.“

Joko und Klaas haben viele Schüler und Studenten unter ihren Fans. Der Politiker nutzte das Millionen­publikum für Äußerungen gezielt an junge Menschen. „Es ist mir bewusst, dass Abstand halten und jung sein nur sehr schlecht zusammenpassen. Dass viele unter Einsamkeit leiden. Dass damit Schluss sein müsste, dass es wieder los gehen müsste – das Leben, die Unbeschwertheit. Niemandem geht es einfach nur gut in diesen Zeiten. Mir nicht, Ihnen und Euch nicht.“ Jeder könne und solle sich impfen lassen. „Ich möchte, dass wir bis Weihnachten bis zu 30 Millionen Impfungen in die Oberarme kriegen.“

Als Erste hatte die 23 Jahre alte Luisa die Bühne betreten. Sie sei mit 21 bei einem Praktikum in Spanien an Corona erkrankt und leide bis heute an den Nachwirkungen. „Ich hab vorher sehr viel Sport gemacht und mich sehr gut ernährt. Und ich dachte ehrlich nicht, dass mich etwas so aus der Bahn werfen würde und dass ich bis heute – anderthalb Jahre später – immer noch dran bin mit Therapien und nicht so gut stehen kann. Es fällt mir sehr schwer.“

Luisa hat 38 Tage auf der Intensivstation gelegen. Sie sei ins künstliche Koma versetzt und künstlich beatmet worden. Nach Erwachen aus dem Koma habe sie neu laufen gelernt, sei auf Rollstuhl und Rol­lator angewiesen gewesen. Sie mache sich Sorgen darüber, wie sehr Corona das Land spalte.

Oberarzt Daniel Zickler von der Coronaintensivstation der Charité schilderte im Anschluss, was für schreck­liche Schicksale er erlebt habe. Eine coronakranke Mutter habe erst ihr Kind verloren und sei dann selbst gestorben. Die Mediziner bräuchten die Hilfe der Bevölkerung: „Die Impfung ist sicher“, be­ton­te der Arzt. „Sie ist sieben Milliarden Mal verimpft worden. Alle ernstzunehmenden Experten sind sich einig: Diese Impfung ist sicher und gut.“

Fast zwei Millionen Menschen haben gestern Abend die ProSieben-Sendung „Joko und Klaas 15 Minuten live: Wir müssen über Corona reden“ im Fernsehen verfolgt. Bei der Gruppe im Alter zwischen 14 und 49 waren es 1,51 Millionen, was eine sehr starke Einschaltquote von 19,2 Prozent bedeutete. Der Clip dazu im Netz wurde allein schon bis heute 8 Uhr auf diversen Plattformen rund eine Million Mal geklickt.

Coronapatienten und medizinische Kräfte meldeten sich in sozialen Medien zu Wort. „Komme gerade aus einer 9 Stunden Schicht im Impfzentrum. Dann so etwas zu sehen, lässt bei mir alle Dämme brechen. Es hilft mir weiter durchzuhalten, mein Team zu motivierten. Danke, dass ihr diesem Thema den Raum gebt“, twitterte Nutzerin Viktoria.

Twitter-User Schmirgel schrieb: „Danke, #JKLive, dass ihr das aufs Silbertablett hievt. Ich leide seit 1 Jahr an Long COVID und es kullern die Tränen. Ich hoffe wirklich, dass diese eindringlichen 15 min was bewir­ken bei denen, die es nicht sehen wollen.“ Sehr viele Nutzer bei Twitter und Facebook äußerten sich ähnlich begeistert.

User Jan-Luca twitterte: „Jetzt übertreffen sie sich selbst! Der Bundeskanzler spricht zur Nation! Gänse­haut!“ Facebook-Nutzerin Tina Heeringa schieb: „Hut ab ihr beiden!!! Besser hätte man die 15 Minuten nicht füllen können!“

Der Virchowbund, Verband der niedergelassenen Ärzte, lobte die Aktion. „Die gestrige Sendung hat alles richtig gemacht. Jede Impfung, die wir als Resultat dieses Spots erreichen, hilft uns weiter“, erläuterte ein Sprecher.

„Kommunikation ist das größte Problem in der Pandemie. Gemeinsam mit der Bundesärztekammer ha­ben wir als Verband der niedergelassenen Ärzte erst vor Kurzem – zum wiederholten Mal – laienver­ständ­liche, mehrsprachige Informationen über die (Auffrischungs-)Impfung in TV und anderen Medien gefordert.“

Auch der Ärzteverband Hartmannbund begrüßte die Aktion: „Es ist mit Blick auf die weitere Forcierung der Impfkampagne ganz sicher einer der Schlüssel zum Erfolg, unterschiedliche Zielgruppen über jeweils angemessene und „angesagte“ Formate und mit den jeweils passenden Botschaften zu erreichen“, so die Vizevorsitzende Anke Lesinski-Schiedat. Die Sendung sei „ein gelungener Beitrag“ gewesen.

In „Joko und Klaas 15 Minuten live“ dürfen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf Sendezeit nach Belieben gestalten, dabei nutzen sie die 15 Minuten oft für Reizthemen, machen an anderen Tagen aber einfach nur Blödsinn. Die Sendezeit erspielen sie sich zuvor in einer Gameshow. „Wir hätten es als grob fahrlässig empfunden, die Zeit, die wir hier zur Verfügung haben, diesem Thema nicht zu schenken“, hieß es. © dpa/aerzteblatt.de

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