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Medizin

Ovarialkarzinom: Zytoreduktive Operation kann Überlebenszeit verlängern

Dienstag, 18. Januar 2022

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Essen – Eine zytoreduktive Operation, die die Entfernung aller erkennbaren Tumornester in der Bauch­höhle anstrebt, hat in einer randomisierten Studie die Überlebenszeiten von Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom verlängert, bei denen es nach einer platinbasierten Chemotherapie zu einem Rezidiv gekommen war. Die Ergebnisse wurden jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2103294) publiziert.

Die Erstbehandlung des Ovarialkarzinoms besteht in der kompletten Entfernung des Tumors. Wegen der exponierten Lage der Ovarien in der Bauchhöhle muss jedoch mit Rezidiven gerechnet werden. Die Patientinnen erhalten deshalb in der Regel eine platinbasierte Chemotherapie.

Bei vielen Patientinnen kommt es nach einiger Zeit dennoch zu einem Rezidiv. Ob in diesem Fall eine erneute Operation sinnvoll ist, war bisher umstritten. Der Zweck der Operation ist die Entfernung aller sicht- und tastbaren Tumornester, die sich in der Bauchhöhle gebildet haben. Diese zytoreduktive Operation ist ein mehrstündiger chirurgischer Eingriff, dessen technischer Erfolg (die Entfernung aller Tumornester) nicht vorhersehbar ist und der mit Risiken für die Patientin verbunden ist.

In einer früheren Studie (DESKTOP I, Cancer, 2009; DOI: 10.1002/cncr.24149) hatte ein deutsch-franzö­sisches Team zeigen können, dass eine Operation nur sinnvoll ist, wenn eine komplette makroskopische Resektion gelingt. Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) hat daraufhin einen Score entwickelt, mit dem sich der technische Erfolg einer Zytoreduktion vor der Operation abschätzen lässt.

In der Studie DESKTOP II wurde gezeigt, dass die mit dem Score ausgewählten Patientinnen zu 76 % erfolgreich operiert werden können (International Journal of Gynecological Cancer, 2011; DOI: 10.1097/IGC.0b013e31820aaafd). Die Studie DESKTOP III hat in den letzten Jahren untersucht, ob die Operation bei diesen Patientinnen die Überlebenszeiten günstig beeinflusst.

An der Studie nahmen 407 Patientinnen teil, bei denen es 6 Monate nach der Operation und einer initialen platinbasierten Chemotherapie zu einem Rezidiv gekommen war. Alle Patientinnen erhielten erneut eine erneute platinbasierte Chemotherapie. Bei der Hälfte der Patientinnen wurde zusätzlich eine zytoreduktive Operation durchgeführt.

Bei allen Teilnehmerinnen der Studie waren die AGO-Kriterien für eine erfolgreiche Zytoreduktion erfüllt. Sie gelang wie in der Studie DESKTOP II bei 75,5 % der Patientinnen in einer Operation von einer medianen Dauer von 222 Minuten. Todesfälle waren in den ersten 30 Tagen nach der Operation nicht zu beklagen. Reoperationen waren nur bei 7 von 191 Patientinnen (3,7 %) erforderlich.

Der primäre Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben der Patientinnen. Wie Privatdozent Philipp Harter, Direktor der Klinik für Gynäkologie & Gynäkologische Onkologie am Klinikum Essen-Mitte und Mitarbeiter berichten, betrug die Überlebenszeit in der Gruppe mit Operation median 53,7 Monate gegen­über 46,0 Monaten in der Gruppe ohne Operation. Die Hazard Ratio von 0,75 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,59 bis 0,96 signifikant).

Die Patientinnen, bei denen die Zytoreduktion erfolgreich durchgeführt wurde, lebten median noch 61,9 Monate (55,3 bis 78,9 Monate) gegenüber 27,7 Monaten (23,5 bis 38,7 Monate) bei den Patientinnen, bei denen keine vollständige Resektion gelang.

Die Patientinnen erholten sich in den ersten Monaten von der ausgedehnten Operation. Negative Auswirkungen auf die Lebensqualität waren nicht zu erkennen. Die operierten Patientinnen nahmen sogar häufiger an der Chemotherapie teil.

Der Erfolg der Studie ist nach Einschätzung von Ginger Gardner und Dennis Chi vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York auch der Tatsache zu verdanken, dass die Operationen an ausge­wiesenen Zentren von erfahrenen Chirurgen durchgeführt wurden. In 2 früheren Studien waren keine eindeutig positiven Ergebnisse erzielt worden. © rme/aerzteblatt.de

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