NewsMedizinMammakarzinom: Genexpressionstest macht Nutzen einer Chemotherapie vorhersehbar
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mammakarzinom: Genexpressionstest macht Nutzen einer Chemotherapie vorhersehbar

Dienstag, 18. Januar 2022

/Lars Neumann, stock.adobe.com

Atlanta/Georgia – Eine Untersuchung des Tumorgewebes auf die Expression von 21 Genen kann bei postmenopausalen Patientinnen mit einem hormonrezeptorpositiven (aber HER2-negativen) Mamma­karzinom mit Befall von maximal 3 Lymphknoten vorhersagen, ob sie eine Chemotherapie benötigen oder sich mit einer Hormontherapie begnügen können. Die Ergebnisse, die im letzten Jahr bereits auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt wurden, sind jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2108873) erschienen.

Das Risiko von Rezidiven wird beim Mammakarzinom (wie auch bei anderen Krebserkrankungen) von der Aggressivität der Krebszellen bestimmt. Für das Mammakarzinom gibt es einen (auch in Deutschland zugelassenen) Test, der die Expression von 21 Genen im Primärtumor mit 0 bis 100 Punkten bewertet.

Der Test kommt bei Patientinnen mit einem Mammafrühkarzinom zum Einsatz, bei denen ein Nachweis von Hormonrezeptoren den möglichen Nutzen einer Hormonbehandlung anzeigt. Gleichzeitig sollten Rezeptoren für den epidermalen Wachstumsfaktor EGF fehlen, weil sonst eine andere Therapie infrage kommt.

Der Genexpressionstest soll klären, ob die Patientinnen eine Chemotherapie benötigen. In der Studie TAILORx war dies bereits für Patientinnen gezeigt worden, bei denen die Lymphknoten nicht befallen waren. Wenn der Genexpressionstest auf wenig aggressive Krebszellen hindeutet (Score 0 bis 25), wird heute auf eine Chemotherapie verzichtet, wenn die Frauen postmenopausal sind. Bei prämenopausalen Frauen ist auf jeden Fall eine Chemotherapie erforderlich.

Die Studie RxPONDER hat den Test jetzt an 5.018 Frauen erprobt, bei denen bereits 1 bis 3 axilläre Lymphknoten befallen waren. Bei allen Frauen lag der Score unter 25 Punkten, was eine geringe Aggressivität der Krebszellen anzeigt. Alle Patientinnen erhielten eine Hormontherapie. Die Hälfte wurde zusätzlich auf eine adjuvante Chemotherapie randomisiert.

Die Ergebnisse waren ähnlich wie in der Studie TAILORx. Von den prämenopausalen Frauen waren nach 5 Jahren noch 89,0 % ohne Rezidiv und am Leben, wenn sie ausschließlich die Hormontherapie erhalten hatten. Bei einer zusätzlichen Chemotherapie stieg der Anteil auf 93,9 %. Kevin Kalinsky vom Winship Cancer Institute in Atlanta und Mitarbeiter ermitteln eine Hazard Ratio von 0,60, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,43 bis 0,83 signifikant war.

Prämenopausale Patientinnen können demnach ihr Risiko auf Rezidiv oder Tod um 40 % senken, wenn sie eine Chemotherapie durchführen. Die Häufigkeit von Fernmetastasen oder den Tod wurde in der Studie um 42 % gesenkt (Hazard Ratio 0,58; 0,39 bis 0,87).

Bei postmenopausalen Frauen erzielte die zusätzliche Chemotherapie dagegen keine Vorteile. Nach 5 Jahren waren 91,9 % der Frauen, die nur eine Hormontherapie erhalten hatten, am Leben und ohne Rezidiv. In der Gruppe, die zusätzlich eine Chemotherapie erhalten hatte, waren es 91,3 %, also sogar tendenziell weniger. Die Hazard Ratio von 1,02 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,82 bis 1,26 jedoch nicht signifikant.

Das Fazit der Studie lautet, dass postmenopausale Frauen mit einem hormonrezeptorpositiven Mamma­karzinom auch dann auf eine Chemotherapie verzichten können, wenn bereits 1 bis 3 Lymphknoten befallen sind. Bei ihnen ist eine Hormontherapie ausreichend. Bei prämenopausalen Patientinnen kann eine Chemotherapie die ohnehin in diesem Stadium günstige Prognose noch etwas verbessern. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER