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Ärzteschaft

KBV-VV: Ärger über fehlende Wertschätzung für Medizinische Fachangestellte

Freitag, 3. Dezember 2021

KBV-VV /Screenshot DÄ

Berlin – Ablehnung des Impfens in Apotheken, zu wenig Wertschätzung für Medizinische Fachange­stellte (MFA) sowie Ärger über die Finanzierung der künftigen TI-Sicherheitsrichtlinie in den Praxen: Die Mit­glieder der Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) machten ihrem Ärger über viele politische Ankündigung der vergangenen Woche mehrfach Luft.

Auf der traditionellen Nikolaus-Sitzung, die erneut als digitale Sitzung veranstaltet wurde, zeigten sich viele VV-Mitglieder verärgert über die fehlende Wertschätzung für die MFA. „Auch die MFAs werden krank und stecken sich hier in der Praxis an. Der Respekt für die viele Arbeit muss auch finanziell an­kommen“, forderte Werner Baumgärtner von der KV Baden-Württemberg. In einer einstimmig verabschie­deten Resolution heißt es dann auch, dass Praxispersonal genau so wertgeschätzt werde müsse wie Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen.

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„Wenn der gesetzliche Coronapflegebonus jetzt in die berechtigte dritte Runde geht, ohne dass das an allervorderster Front der Pandemie stehende Praxispersonal einbezogen wird, wird das von der kommen­den Bundesregierung zu Recht benannte Ziel ‚Respekt und Anerkennung‘ für das Praxispersonal erneut mit Füßen getreten", heißt es in dem Text. Daher müsse auch das Praxispersonal eine gesetzlich steuer­finanzierte Coronabonuszahlung bekommen.

Andreas Bobrowski forderte, dass auch Mitarbeiter im Labor eine Prämie bekommen müssten, da auch dort die Arbeitsbelastung deutlich ansteige. Aus seiner Sicht ist es auch ein Problem, dass es viel zu viele falsch-positive Tests gibt, die von den Testzentren verwendet werden. Somit würde viel Arbeit in den La­boren produziert. Dies zeige, dass man medizinische Produkte nicht in die Hände von Laien geben dürfe – gleiches gelte nun auch fürs Impfen.

Denn beim Impfen in Apotheken kommt wie schon bei den vergangenen VV-Sitzungen weiter viel Ge­gen­­wind von den VV-Mitgliedern: „Das ist so, als würde man Flugbegleiter nun zum Piloten machen“, sagte Rolf Englisch von der KV Westfalen-Lippe (KVWL). Baumgärtner beobachtet in seiner Praxis auch immer wieder allergische Schocks, auf die Apotheker sicherlich nicht reagieren könnten. Daher müsse das Impfen in den Praxen bleiben.

Fast einstimmig verabschiedeten die VV-Mitglieder eine Resolution zum weiteren Impfen und wollen das Tempo in den Praxen weiter hoch halten: „Wir unterstützen daher ausdrücklich alle politischen Maßnah­men, die zu einer maximalen Impfquote in der Bevölkerung und damit zu einer Eindämmung der Pande­mie führen“, heißt es in der Resolution.

In einem anderen Antrag stimmten die Delegierten der Forderung zu, dass es nicht an einem „Mangel an Impfenden, sondern ein durch den Bund zu verantwortender Mangel an Impfstoff für alle Altersgruppen“ sei, warum es momentan Probleme beim Impfen gebe. Daher werde es abgelehnt, weitere Berufsgrup­pen in das Impfen einzubeziehen.

Ebenso warben sie dafür, dass die Politik in der Pandemie besser mit Vertrauen, statt mit Angst kommu­nizieren sollte. „Wöchentlich neue Uhrzeiten vorzulesen und damit Angst zu schüren, das ist keine gute Strategie“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen im Anschluss an die VV vor Journalisten. Da­mit nahm er auf die Zitate des geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bezug, der in den vergangenen Wochen die Pandemielage in Deutschland als „fünf vor 12“, „zehn nach 12“ und „halb eins“ bewertet hatte.

Jens Uwe Wasserberg von der KV Nordrhein sieht in den Monaten der Pandemie das Vertrauen der Politi­ker deutlich verspielt. Daher müsse sich unbedingt etwas an der politischen Kommunikation ändern. Ähn­lich bewertete Annette Rommel, Vorsitzende der KV Thüringen, die aktuelle Lage. Sie hoffe darauf, dass man seitens der Ärzteschaft bestehende Probleme offen mit der neuen Leitung des Bundesgesund­heitsministeriums (BMG) besprechen könne.

Auch das Thema Digitalisierung in den Arztpraxen ist vielen Mitgliedern weiter in Dorn im Auge: So forderten zahlreichen Rednerinnen und Redner, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie weitere Komponenten von den Krankenkassen bezahlt werden müsse.

Es dürfe dabei nicht mehr zu pauschalen Erstattungen kommen. Die IT-Sicherheitsrichtlinie, die für Praxen im kommenden Jahr in Kraft tritt, koste fünfstellige Summen für jede Praxis, rechnete Peter Kalbe von der KV Niedersachsen vor.

Aus der KV Bremen wurde gewarnt, dass viele Praxen durch die umfangreiche Umstellung der IT-Syste­me nun deutlich früher ihren Sitz aufgeben und sich aus der ambulanten Versorgung zurückzögen.

VV-Mitglied Baumgärtner forderte den KBV-Vorstand auf, die von der Gematik angekündigten Pläne zur TI 2.0 mehr als kritisch zu hinterfragen. „Wir sehen da momentan nur schöne Schaubilder. Da muss viel mehr von uns kommen, damit die Umsetzung nicht noch einmal so ein Chaos wird.“ © bee/aerzteblatt.de

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