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Medizin

Südafrika: Anstieg der Reinfektionen deutet auf Immunevasion von Omikron hin

Freitag, 3. Dezember 2021

/PhotoGranary, stock.adobe.com

Kapstadt – In Südafrika ist es in den letzten Wochen zu einem Anstieg der Reinfektionen mit SARS-CoV-2 gekommen, den Epidemiologen in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.11.11.21266068) auf eine Immun­evasion der Variante Omikron zurückführen.

Die Variante Omikron unterscheidet sich so deutlich vom Wildtyp, aber auch von Alpha und Beta, dass Immunologen den Verlust der Schutzwirkung durch Impfungen oder frühere Erkrankungen befürchten.

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Ein Beleg dieser Immunevasion durch Laborstudien steht noch aus. Dort wird untersucht, ob das Serum von Geimpften oder Genesenen die Viren von der Infektion von Zellkulturen abhalten kann, was als Neutralisierung bezeichnet wird. Derartige Tests werden derzeit an zahlreichen Labors durchgeführt. Ergebnisse werden erst in einigen Tagen bis Wochen vorliegen.

Die derzeitige Entwicklung der Fallzahlen in Südafrika gibt Epidemiologen jedoch Anlass zur Sorge. Waren am Montag noch 2.273 Fälle gemeldet worden, waren es am Dienstag bereits 4.373 und vorges­tern schon 8.561 neue Fälle. Die effektive Reproduktionszahl war in der am stärksten betroffenen Provinz Gauteng am 18. November auf 2,3 gestiegen. Sie lag damit höher als in den 3 bisherigen Wellen, die je­weils im Abstand von etwa 6 Monaten aufgetreten waren.

Die 1. Welle wurde vom Wildtyp, die 2. von der Beta-Variante und die 3. von der Delta-Variante getragen. Die 4. Welle wurde offenbar von der Omikron-Variante ausgelöst, die wie Beta zuerst in Südafrika beobachtet wurde.

Viele Südafrikaner haben sich bereits mehrmals mit SARS-CoV-2 infiziert. Juliet Pulliam von der Stellen­bosch Universität bei Kapstadt identifizierte bis zum 27. November 2021 unter 2.796.982 positiv labor­bestätigten Fällen 35.670 Personen mit mindestens 2 positiven Tests im Abstand von mehr als 90 Tagen. Für 332 Personen war es bereits die 3. und für 1 Person die 4. Infektion mit SARS-CoV-2. Die Forscher haben mit 2 mathematischen Modellen aus den Abständen zwischen den beiden Infektionen das Rein­fek­tionsrisiko berechnet.

Beide Modelle deuten darauf hin, dass es während der 2. Welle (Beta) und der 3. Welle (Delta) nicht zu einem Anstieg der Reinfektionen gekommen ist – was ein wenig den Ergebnissen der Labortests wider­spricht, die auf einen Rückgang der neutralisierenden Wirkung durch die Seren von Genesenen oder Geimpften hingewiesen hatten.

In der sich abzeichnenden 4. Welle (Omikron) ist es den Berechnungen zufolge zu einem deutlichen An­stieg gekommen, den die Forscher mit einer Hazard Ratio von 2,39 (95-%-Konfidenzintervall 1,88 bis 3,11) beziffern. Das Risiko von Reinfektionen könnte deshalb in der Omikron-Epidemie mehr als doppelt so hoch sein wie in den früheren Wellen.

Dies spricht dafür, dass Omikron zumindest die Immunität durch eine frühere Infektion umgehen kann. Aussagen zu den Folgen bei Geimpften konnten die Forscher nicht ermitteln, da ihnen der Impfstatus der reinfizierten Personen nicht bekannt ist. In Südafrika ist die Impfquote sehr niedrig. Anfang Dezember waren erst 25 % der Bevölkerung vollständig geimpft. © afp/aerzteblatt.de

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