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Medizin

Geringere eukaryotische Diversität von Stuhlmikrobiota bei Parkinson

Dienstag, 18. Januar 2022

/skd.stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Stuhlmikrobiota von Parkinsonpatienten weisen eine geringere eukaryotische Diversität auf als bei gesunden Menschen.

Morbus Parkinson zählt zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, die mit mehreren motorischen und nicht-motorischen Symptomen, einschließlich gastrointestinaler (GI) Beschwerden einher gehen kann. GI-assoziierte Symptome (Verstopfung, verlängerte Darmtransitzeit, defäkationsbedingte Funktionsstörungen) entstehen früh in der Krankheitsentwicklung und können mehrere Jahre vor den klassischen motorischen Symptomen auftreten.

Neben Bakteriengemeinschaften (Prokaryoten) besiedeln den Darm von Menschen auch eukaryotische Mikroorganismen wie zum Beispiel Pilze.

In der aktuellen molekularbiologischen Studie (npj Parkinson`s Disease, 2021; DOI: 10.1038/s41531-021-00244-0) wurden Stuhlproben von 34 Parkinsonpatienten aus Deutschland mit 25 Kontrollen im Hinblick auf ihre eukaryotische Mikrobiotazusammensetzung verglichen. 53 % aller Parkinsonproben und 72 % aller Kontrollproben lieferte auswertbare Daten, die bereits auf eine geringere Anzahl eukaryotischer Gene in den Parkinsonproben hindeuteten.

Die Stuhlproben zeigten auch eine signifikant geringere Artenvielfalt als die Kontrollproben, insbesondere in der relativen Häufigkeit des Schimmelpilzes Geotrichum candidum. In den Parkinsonproben zeigte dieser auch als Milchschimmel bekannte Pilz eine mittlere relative Häufigkeit von 39,7 % aller DNA-Sequenzen, in den Kontrollproben dagegen nur von 0,05 %. Geotrichum candidum kann Infektionskrankheiten wie Geotrichosen auslösen und kommt aber auch bei der Herstellung von Käse zum Einsatz.

„Falls Geotrichum candidum tatsächlich eine funktionelle Rolle bei Morbus Parkinson spielt, könnte man ihn vielleicht als Biomarker, als Indikatororganismus, in der Diagnostik nutzen“, so die Einschätzung von Prof. Dr. Markus Egert von der Hochschule Furtwangen am Campus Schwenningen Mikrobiologie und Hygiene in Villingen-Schwenningen.

Darüber hinaus beobachtete das Team um Egert in den Parkinsonproben eine geringere relative Häufigkeit zum Beispiel von Aspergillus/Penicillium und Charophyta/Linum. Diese Ergebnisse ergänzen limitierte Datenlage zu den eukaryotischen Mikrobiota im Darm von Parkinsonpatienten und deuten auf eine mögliche Assoziation bestimmter Darmeukaryoten bei Morbus Parkinson hin.

Diese Ergebnisse unterstützen außerdem die Hypothese, dass Parkinson zumindest in einer Untergruppe von Patienten im Magen-Darm-Trakt beginnen und sich auf das zentrale Nervensystem ausbreiten könnte, so das Fazit der Experten.

Zukünftige Studien werden zeigen, ob diese Befunde reproduzierbar, von funktioneller Relevanz oder diagnostischem Wert sind. Dazu wären beispielsweise Studien mit größeren Patienten- und Kontrollkohorten für tiefere Einblicke in die potenziellen Verbindungen zwischen Darmmikrobiota und Parkinson sinnvoll, geben die Studienautoren zu bedenken. © cw/aerzteblatt.de

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