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Medizin

SARS-CoV-2: Heterologe Impfung führt zu höheren Antikörpertitern

Dienstag, 7. Dezember 2021

/ShDrohnenFly, stock.adobe.com

Oxford – Der Wechsel des Impfstoffes, der in diesem Jahr nach Bekanntwerden von Impfkomplikationen ausgelöst wurde, hat den Schutz der betroffenen Menschen vor SARS-CoV-2 nicht vermindert. Dies zei­gen die Ergebnisse der 1. größeren randomisierten Studie zu heterologen Impfstoffen, die jetzt im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)02718-5) veröffentlicht wurden.

Zwischen den einzelnen Kombinationen, in denen auch der vor der Zulassung stehende Proteinimpfstoff NVX-CoV2373 eingesetzt wurde, gab es überraschende Unterschiede zwischen Antikörperreaktion und T-Zellantwort.

Das Auftreten der seltenen aber lebensbedrohlichen thrombotischen Komplikationen VITT nach der Impfung mit dem Impfstoff AZD1222 von Astrazeneca hat im Frühjahr zu einem Wechsel der Impfemp­fehlungen geführt. In Deutschland wurde der Impfstoff AZD1222, der ursprünglich für jüngere Menschen reserviert war, plötzlich bevorzugt bei älteren Menschen eingesetzt. Die Erfahrungen des Sommers ha­ben gezeigt, dass die heterogenen Impfungen nicht geschadet haben. Es wurden im Gegenteil häufig sogar stärkere Antikörperreaktionen erzielt.

Die randomisierte Studie Com-COV2, die bereits vor den 1. VITT-Fällen geplant wurde, hat bei Patienten, die als 1. Dosis AZD1222 (ChAd) oder BNT162b2 (BNT von Biontech/Pfizer) erhalten hatten, jeweils 3 unterschiedliche Auffrischungen miteinander verglichen.

Dies war einmal derselbe Impfstoff wie bei der Erstdosis (also ChAd oder BNT). Die beiden anderen Impf­stoffe waren mRNA-1273 (m1273) von Moderna und NVX-CoV2373 (NVX) vom US-Hersteller Novavax.

NVX enthält anders als ChAd oder BNT nicht die Bauanleitung für das Spikeprotein, sondern eine Unter­einheit des Proteins selber. Solche Impfstoffe haben den Vorteil, dass sie bei normalen Kühlschranktem­peraturen gelagert werden können. NVX wurde im Auftrag der „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI) hergestellt, zu der öffentliche Geldgeber (WHO, EU) und private Sponsoren (Gates-Stiftung) gehören. Er soll vor allem in ärmeren Ländern (ohne sichere Tiefkühlketten) eingesetzt werden.

An Com-COV2 nahmen an 9 Zentren in England 1.072 Patienten teil, die bereits die 1. Impfdosis von ChAd oder BNT erhalten hatten. Für die 2. Dosis, die 10 bis 12 Wochen später erfolgen sollte, wurden sie auf die verschiedenen Gruppen randomisiert. Der primäre Endpunkt war der Anstieg des Antikörpertiters in den beiden heterologen Gruppen im Vergleich zur homologen Gruppe.

Das Team um Matthew Snape von der Universität Oxford führte jedoch auch mehrere Test zur Funktionen der T-Zellen durch. Dabei zeigte sich, dass die einzelnen Kombinationen unterschiedliche Auswirkungen auf die beiden Arme der Immunantwort haben.

Bei der Antikörperantwort erzielten die heterologen Impfungen die beste Wirkung in der Reihenfolge: BNT/m1273, ChAd/m1273, BNT/BNT, BNT/NVX, ChAd/NVX und ChAd/ChAd. Wie schon in anderen Stu­dien aufgefallen, war die Reaktion auf ChAd/ChAd am schwächsten. Als einzige Kombination konnte für BNT/NVX eine Unterlegenheit gegenüber BNT/BNT nicht ausgeschlossen werden.

Bei der zellulären Antwort war die Reihenfolge anders: ChAd/NVX, ChAd/m1273, BNT/m1273, BNT/BNT, ChAd/ChAd und BNT/NVX. Die Impfstoffe von Astrazeneca und Novavax scheinen die T-Zellen besser zu aktivieren, was sich durchaus auf die Dauer der Immunantwort auswirken könnte. T-Zell-Antworten gel­ten als langlebiger. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Antikörpertiter nach einer Impfung ge­gen SARS-CoV-2 nach wenigen Monaten sinken.

Unklar ist bisher, wie sich die Immunparameter auf den klinischen Erfolg der Impfstoffe auswirken, sprich dem Schutz vor (schweren) Erkrankungen und die Dauer dieses Schutzes. Sicher erscheint aber, dass der Wechsel des Impfstoffes den Teilnehmern nicht geschadet hat. Dies dürfte ein positives Signal für viele Länder sein, die nicht den Luxus einer Auswahl zwischen verschiedenen Impfstoffen haben und bei ei­nem günstigen Angebot rasch zugreifen müssen, was häufig eine heterologe Impfung der Bevölkerung nach sich zieht. © rme/aerzteblatt.de

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