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Medizin

Israel: Booster mit BNT162b2 hat Erkrankungs- und Sterberisiko um über 90 % gesenkt

Donnerstag, 9. Dezember 2021

/guteksk7, stock.adobe.com

Haifa und Tel Aviv – In Israel ist es im Spätsommer gelungen, eine Erkrankungswelle von SARS-CoV-2 durch eine rasche Boosterung mit einer 3. Dosis von BNT162b2 zu brechen. 2 retrospektive Analysen im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2115624 und 10.1056/NEJMoa2115926) ermitteln eine Schutzwirkung von etwa 90 % vor schweren Erkrankungen oder einem Tod.

Als die Infektionszahlen im Juli wieder stark anstiegen, hat die israelische Regierung rasch reagiert. Be­reits Ende des Monats wurde Senioren eine 3. Dosis des in Israel ausschließlich verwendeten mRNA-Impfstoffs BNT162b2 von Biontech/Pfizer angeboten. Bis Ende August wurde die Impfaktion auf alle Altersgruppen über 12 Jahre erweitert. Bereits Mitte September war die Spitze der Infektionswelle er­reicht. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Infektionen.

An der Wirksamkeit der Boosterung kann deshalb kaum gezweifelt werden. Wie hoch die Schutzwirkung genau war, lässt sich in retrospektiven Studien jedoch nur schwer ermitteln. Die einfache Gegenüber­stellung der Krankheitsfälle bei Geboosterten und nicht Geboosterten kann täuschen, da sich möglicher­weise Menschen, die aufgrund ihrer Konstitution oder ihres vorsichtigen Verhaltens ein geringeres Er­kran­kungsrisiko haben, eher für eine Impfung entscheiden, die in Israel freiwillig war.

Ein Team um Yair Goldberg von der technischen Hochschule Technion in Haifa hat deshalb 2 Analysen durchgeführt. In der 1. wurde die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle zwischen Geboosterten (ab Tag 12) und nicht Geboosterten verglichen. In der 2. Analyse wurden Personen verglichen, deren Boosterung erst 3 bis 7 Tage zurücklag (und die deshalb noch nicht wirksam sein konnte) mit der Gesamtgruppe der Geboosterten verglichen. Dies vermeidet weitestgehend Verzerrungen, die sich aus der Konstitution und dem Verhalten ergeben könnten (es bleibt noch die Möglichkeit, dass Personen sich in den ersten Tagen nach der Impfung bei Symptomen nicht testen lassen, weil sie sich sicher fühlen).

Tatsächlich ergaben sich zwischen den beiden Analysen große Unterschiede. So lag die Zahl der schwe­ren Erkrankungen bei den Geboosterten in der Altersgruppe 60 plus nach der 1. Analyse um den Faktor 17,9 niedriger (95-%-Konfidenzintervall 15,1 bis 21,2) als bei den nicht Geboosterten. Nach der 2. Analy­se waren es 6,5-fach (5,1- bis 8,2-fach) weniger schwere Erkrankungen. In der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen betrug der Faktor nach der 1. Analyse 21,7 (10,6 bis 44,2) und nach der 2. Analyse 3,7 (1,3 bis 10,2).

Die Zahl der Todesfälle wurde durch die Boosterung in der Gruppe 60 plus nach der 1. Analyse um den Faktor 14,7 (10,0-21,4) und nach der 2. Analyse um den Faktor 4,9 (3,1-7,9) gesenkt. Todesfälle waren jedoch insgesamt selten. Die Boosterung hat die Sterblichkeit nach der 1. Analyse um 2,1 Todesfälle auf 100.000 Personentage gesenkt, nach der 2. Analyse betrug die Differenz 0,8 Todesfälle auf 100.000 Personentage.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Ronen Arbel vom Krankenversicherer Clalit in Tel Aviv und Mitarbei­ter. Die Zahlen sind jedoch anschaulicher. Von 843.208 Versicherten im Alter von über 50 Jahren, die be­reits die ersten beiden Dosierungen von BNT162b2 erhalten hatten, entschieden sich 758.118 (90 %) für die Auffrischung der Impfung. In der Boostergruppe kam es zu 65 Todesfällen an COVID-19 (0,16 pro 100.000 Personentage). Von den nicht Geboosterten starben 137 an COVID-19 (2,98 pro 100.000 Perso­nen pro Tag). Arbel ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 0,10 mit einem engen 95-%-Konfidenz­intervall von 0,07 bis 0,14. Dies bedeutet, dass die Boosterung mit hoher statistischer Sicherheit das Sterberisiko um 90 % gesenkt hat. © rme/aerzteblatt.de

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