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Medizin

Neuroblastome enthalten zahlreiche verschiedene Zellmutationen

Mittwoch, 19. Januar 2022

Neuroblastom /Jensflorian, Wikimedia

Berlin – Neuroblastome sind heterogen: Sie können sich in verschiedenen Teilen des Tumors genetisch voneinander unterscheiden. Diese sogenannte intratumorale genetische Heterogenität wirkt sich auf die Diagnostik sowie den Einsatz von zielgerichteten Therapien aus.

Das berichtet ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in der Fachzeitschrift Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-021-26870-z).

Neuroblastome sind bösartige, solide Tumore des peripheren Nervensystems. Sie entstehen meist aus­geh­end von Nervenzellbündeln in den Nebennieren oder entlang der Wirbelsäule und breiten sich dann im Bauchraum aus.

„Mit unserer Arbeit können wir zeigen, dass Erbgutveränderungen, die für das Neuroblastom typisch sind, im Verlauf der Erkrankung wieder verschwinden oder aber neu entstehen können. Diese Mutationen kommen zudem nicht gleichmäßig verteilt im Tumor vor, sondern nur in einzelnen Bereichen oder sogar nur in einzelnen Zellen eines Tumors. Sie stellen sich wie ein Mosaik dar“, erläutert Karin Schmelz, Erst­au­to­rin der Studie von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité.
Die Forschungsgruppe untersuchte insgesamt 140 Neuroblastomproben. Sie stammten aus verschie­denen Bereichen des Tumors und wurden von insgesamt 10 Kindern entnommen.

Die Wissenschaftler untersuchten die für den Verlauf und die Therapie der Erkrankung wichtigen Gene ALK, MYCN und FGFR1 detailliert. ALK und MYCN waren nicht durchgehend während der Erkrankung und nicht in allen Zellen des Tumors zu finden. Veränderungen in den Genen ALK und FGFR1 können ein An­griffspunkt für eine Therapie sein, besonders bei dem Wiederauftreten der Erkrankung.

Die Wissenschaftler stellten bei einigen Patienten fest, dass ALK-Mutationen zwar bei der Diagnose der Erkrankung, aber nicht mehr zum Zeitpunkt der chirurgischen Entfernung des Tumors auftraten. Außer­dem fanden sich die Veränderungen im Gen FGFR1 nur in einzelnen Bereichen des Tumors. Darüber hinaus konnten die Forscher eine Instabilität in der Anzahl der Genkopien der Neuroblastomzellen nach­weisen. In einzelnen Fällen entwickelten sich Krebszellklone schon früh anders als der Ursprungstumor und gingen als Tochterzellen in andere Organe über.

„Wenn sich der Tumor genetisch vielfältig präsentiert, kann eine molekular gezielte Behandlung viel­leicht einen Großteil des kranken Gewebes erfassen, aber eben nicht alle Zellen. Aus den verbleibenden Zellen kann die Krebserkrankung erneut wachsen“, erläuterte Angelika Eggert, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité und Letztautorin der Studie.

Sie betonte, für die Behandlung in der Ersterkrankung bleibe die Chemotherapie, die auf alle schnell wachsenden Zellen gerichtet sei, das Mittel der Wahl. Wenn die Krankheit danach aber wieder auftrete, werde eine gezielte Therapie besonders wichtig.

„Die Therapieauswahl auf der Basis eines einzelnen Gewebestückes aus nur einer Stelle des Tumors wird wohl der genetischen Verschiedenartigkeit des Tumors nicht gerecht. Wir sollten für die Zukunft bei ei­nem Rückfall also erwägen, das Tumorgewebe an mehreren Stellen mithilfe neuester Sequenziertech­niken zu untersuchen. Das würde uns möglichst präzise Informationen über die Erkrankung liefern, um noch bessere personalisierte Therapieentscheidungen treffen zu können“, so die Expertin. © hil/aerzteblatt.de

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