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Medizin

Studie: Schulung des gesamten Personals senkt Sturzrisiko in Pflegeheimen

Mittwoch, 19. Januar 2022

/toa555, stock.adobe.com

Nottingham – Eine Schulung des gesamten Personals von Pflegeeinrichtungen hat in einer randomisier­ten Studie die Zahl von Stürzen bei den pflegebedürftigen Bewohnern beinahe halbiert, wie aus einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2021; DOI: 10.1136/bmj-2021-066991) hervorgeht.

Stürze der Bewohner sind in Pflegeheimen keine Seltenheit und führen häufig zu Verletzungen. Nach früheren Studien verursacht jeder 10. Sturz eine Fraktur, jeder 5. Bewohner muss ins Krankenhaus einge­liefert werden und 1 von 5 stirbt innerhalb 1 Jahres an den Folgen der Verletzungen.

In Großbritannien entfällt 1/3 der Hüftfrakturen auf Bewohner von Pflegeheimen. Die Stürze lassen sich häufig auf vermeidbare Ursachen zurückführen. Das können Ernährungsstörungen oder eine Dehydration der Bewohner, die Einnahme von Medikamenten oder auch bauliche „Fallstricke“ in den Einrichtungen sein. Während es erfolgreiche Programme zur Vermeidung von Stürzen in der eigenen Wohnung gibt, bleiben Präventionsbemühungen in Pflegeheimen oft vergeblich.

Forscher der Universität Nottingham haben jetzt ein systematisches Schulungsprogramm entwickelt, das neben dem Pflegepersonal auch andere Mitarbeiter einbezieht, einschließlich Gärtner, Hausmeister, Köche, Reinigungskräfte und die Leitung.

Alle Mitarbeiter werden in kleinen Gruppen in einer 1-stündigen Schulung von einem „Sturzspezialisten“ über die Ursachen von Stürzen informiert. Danach erhalten sie ein Handbuch mit verschiedenen Check­listen, die die Ursachen von Stürzen und jeweils Möglichkeiten zur Vermeidung aufzeigen. Rationale des „Guide to Action for Care Homes“ (GtACH) ist, dass das Personal in Pflegeheimen häufig schlecht ausge­bil­det ist und die Ursachen von Stürzen und die Möglichkeit ihrer Vermeidung nicht kennt.

Die Wirksamkeit von GtACH wurde in einer randomisierten Studie untersucht, an der sich 84 Pflegeheime in 11 verschiedenen Regionen Englands mit über 1.600 Bewohnern beteiligten. Insgesamt 39 Heime wur­den dem GtACH-Programm zugelost, die andern 45 setzten ihre bisherigen Bemühungen fort. Primä­rer Endpunkt der Studie war die Zahl der Stürze nach einer Einarbeitungszeit von 90 Tagen.

Wie Pip Logan von der Universität Nottingham und Mitarbeiter berichten, kam es in den folgenden 90 Tagen in den Pflegeheimen mit dem geschulten Personal zu deutlich weniger Stürzen. Die Sturzrate lag in der GtACH-Gruppe bei 6,0/1.000 Wohntagen gegenüber 10,4/1.000 Wohntagen unter der Regelversor­gung. Logan ermittelt eine relative Inzidenzrate von 0,57, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,45 bis 0,71 signifikant war. Nach einer Adjustierung von Pflegeheimtyp und Sturzrate vor Studienbe­ginn lag die relative Inzidenzrate bei 0,63 (0,52 bis 0,78), was immer noch einen Rückgang um 1/3 bedeutet.

Logan führt den Erfolg des Programms auf die genauen Kenntnisse zur Situation in den Pflegeheimen zurück. Das Programm sei in enger Zusammenarbeit mit den Pflegeheimen erarbeitet worden. Die kurze Schulung und die Weiterbildung mit dem Manual macht das GtACH-Programm zudem wirtschaftlich. Die durchschnittlichen Kosten für die Vermeidung eines Sturzes lagen der Studie zufolge bei 191 britischen Pfund. © rme/aerzteblatt.de

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