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Medizin

Studie: Mediterrane Diät und Achtsamkeitsübungen können SGA-Mangelgeburten vermeiden

Mittwoch, 19. Januar 2022

/vaaseenaa, stock.adobe.com

Barcelona – Eine mediterrane Diät oder Meditationen zum Stressabbau haben in einer randomisierten Studie bei Schwangeren mit einem erhöhten Risiko die Häufigkeit von SGA-Mangelgeburten gesenkt. Ergebnisse wurden im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.20178) veröffentlicht.

Eine ungesunde Ernährung und psychologischer Stress haben sich in epidemiologischen Studien wiederholt als Risikofaktoren für intrauterine Wachstumsstörungen erwiesen. Viele Kinder sind bei der Geburt zu klein für ihr Gestationsalter („Small for Gestational Age“ SGA). Die Versuche, die vorgeburtliche Entwicklung der Kinder etwa durch Omega-3-Fettsäuren oder andere Nahrungsergänzungsmittel zu fördern, sind jedoch gescheitert.

Mediziner des “Hospital Clínic and Hospital Sant Joan de Déu“ in Barcelona haben es jetzt mit einer mediterranen Kost versucht, die Schwangeren mit einem erhöhten Risiko auf eine Mangelgeburt ab der 19. Woche angeboten wurde.

Die Schwangeren erhielten 1 Mal im Monat eine individuelle Ernährungsberatung, in der sie ermutigt wurden, die Aufnahme von Vollkorngetreide auf 5 oder mehr Portionen/Tag zu erhöhen. Sie sollten pro Tag mindesten 3 Portionen Gemüse und Milchprodukte, mindestens 2 Portionen frisches Obst und pro Woche mindestens 3 Portionen Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und weißes Fleisch verzehren und beim Kochen und für die Salate Olivenöl benutzen, das ihnen (2 Liter pro Monat) ebenso kostenlos zur Verfügung gestellt wurde wie Walnüsse (450 Gramm pro Monat).

Einer 2. Gruppe wurde ein Achtsamkeit-basiertes Training zur Stressreduktion angeboten. Es bestand aus einem wöchentlichen 2,5-stündigen Treffen mit Informationen, Meditationen und Yogaübungen, einem ganztägigen Seminar sowie täglichen Übungen zum Stressabbau. Ziel war es, Ängste abzubauen und ein Grübeln („Ruminationen“) zu vermeiden und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren.

Eine 3. Gruppe erhielt eine normale Betreuung in der Schwangerschaft. Wie in randomisierten Studien üblich erfolgte die Verteilung auf die Gruppen per Los. Der primäre Endpunkt war die Häufigkeit einer SGA, wie üblich definiert als ein Geburtsgewicht unter der 10. Perzentile. Der sekundäre Endpunkt bestand aus einer Kombination aus Frühgeburt, Präeklampsie, perinataler Mortalität, schwerer SGA, neonataler Azidose, einem niedrigen Apgar-Score oder einer erhöhten neonatalen Morbidität.

Für die Studie wurden Schwangere ausgewählt, die nach den Kriterien des „Royal College of Obstetricians and Gynaecologists“ ein erhöhtes Risiko auf eine SGA hatten.

Wie das Team um Eduard Gratacós von der Universität Barcelona berichtet, kam es in der Kontrollgruppe bei 88 Neugeborenen (21,9 %) zu einer SGA gegenüber 55 Fällen (14,0 %) in der Mittelmeerdiätgruppe und 61 Fällen (15,6 %) in der Gruppe mit Achtsamkeitstraining.

Beide Interventionen haben sich damit als wirksam erwiesen. Die mediterrane Diät senkte das SGA-Risiko um 42 % (Odds Ratio 0,58; 95-%-Konfidenzintervall 0,40 bis 0,84) mit einer Risikodifferenz von 7,9 %-Punkten (2,6 bis 13,6 %-Punkten). Das Achtsamkeitstraining reduzierte das SGA-Risiko um 34 % mit einer Odds Ratio von 0,66 (0,46-0,94) und einer Risikodifferenz von 6,3 %-Punkten (0,9 bis 11,8 %-Punkte).

Der sekundäre Endpunkt aus den verschiedenen perinatalen Nachteilen wurde durch die mediterrane Diät um 36 % (Odds Ratio 0,64: 0,46-0,90) und durch das Achtsamkeitstraining um 32 % (Odds Ratio 0,68; 0,49-0,95) gesenkt.

Die Forscher können die Wirksamkeit auch durch Laboruntersuchungen untermauern. Die mediterrane Diät führte zu gesteigerten Konzentrationen von alpha-Linolensäure und Hydroxytyrosol im Urin als Biomarker für die Aufnahme von nativem Olivenöl extra beziehungsweise Walnüssen. Das Achtsamkeitstraining verbesserte den Quotienten aus Cortison zu Cortisol im Urin, das Aussagen zur Freisetzung von Stresshormonen erlaubt.

Die Ergebnisse deuten damit auf eine präventive Wirkung der beiden Interventionen hin. Es gibt allerdings einige Einschränkungen. Die Studie wurde an einem einzigen Zentrum in einem Umfeld mit hohen Ressourcen durchgeführt und umfasste eine homogene, überwiegend weiße Patientenkohorte mit normalem Body-Mass-Index und mittlerem bis hohem sozioökonomischem Status. Die Generalisierbarkeit der Ergebnisse ist damit eingeschränkt. Unklar bleibt auch, ob die Vermeidung einer SGA-Geburt für die Kinder mit langfristigen Vorteilen verbunden ist.

Bemerkenswert ist allerdings, dass Vorteile beobachtet wurden, obwohl die Adhärenz gering war. Nur 62 % der Schwangeren hielten sich an die mediterrane Ernährung und 50,6 % führten die Achtsamkeit-basierten Übungen konsequent durch. Bei einer besseren Adhärenz wären die Ergebnisse möglicherweise noch besser ausgefallen. Beide Behandlungen könnten zudem kombiniert werden.

Die Wirksamkeit ist auch deshalb beachtlich, weil es bisher keine medikamentöse Behandlung gibt, mit der sich SGA-Geburten verhindern lassen. © rme/aerzteblatt.de

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