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Medizin

Soziale Krankheitsrisiken: Nahrungsmittel­unsicherheit erhöht allostatische Last

Mittwoch, 19. Januar 2022

/Anke Thomass, stock.adobe.com

Seoul – Die Nahrungsmittelunsicherheit, von der fast 1/10 der US-Amerikaner im Alter betroffen ist, zehrt an der Gesundheit, was sich in einer Studie in JAMA Network Open (2021: DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.37503) in einer erhöhten allostatischen Last zeigte.

Die allostatische Last ist ein Krankheitskonzept, das der Neuroendokrinologe Bruce McEwen von der Yale Universität entworfen hat. Es beschreibt die Folgen, die ein permanenter sozialer Stress auf die Gesund­heit hat. Inzwischen gibt es Vorschläge, wie die allostatische Last gemessen werden kann.

Tae-Young Pak von der Sungkyunkwan Universität in Seoul benutzte in einer Analyse die folgenden Para­meter: C-reaktives Protein (als Maß für entzündliche Reaktionen), systolische und diastolischer Blutdruck, Puls und Cystatin C (zur Beschreibung der kardiovaskulären Reaktionen) und HbA1c-Wert, Body-Mass-Index, Taille-zu-Größe-Verhältnis, Quotient aus Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin (für die allgemei­nen Störungen des Stoffwechsels).

Alle diese Parameter werden regelmäßig in der „Health and Retirement Study“ erhoben, die etwa 20.000 US-Amerikaner im Alter von über 50 Jahren alle 2 Jahre untersucht und interviewt. Bei einem der Termine wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie in den letzten 2 Jahren immer genug Geld gehabt hätten, um die benötigten Lebensmittel zu kaufen. Diejenigen, die diese Frage mit Nein beantworteten, wurden weiter gefragt, ob sie in den letzten 12 Monaten jemals weniger gegessen haben als nötig, weil das Geld nicht ausreichte, um Lebensmittel zu kaufen. Insgesamt 3,6 % der Befragten verneinten beide Fragen, was Pak als moderate Nahrungsmittelunsicherheit einstufte. Bei weiteren 5,6 % wurde eine schwere Nahrungs­mittelunsicherheit angenommen, weil sie die 1. Frage verneint und die 2. bejaht hatten.

Pak setzte die Nahrungsmittelunsicherheit mit den 9 Parametern in Beziehung. Bei 6 Parametern gab es eine Assoziation mit einer schweren Nahrungsmittelunsicherheit. Die Betroffenen hatten zu 22 % häu­figer einen CRP-Wert von über 3 µg/ml, zu 23 % häufiger einen Cystatin-C-Wert von 1,29 mg/l oder höher, zu 27 % häufiger einen HbA1c-Wert von 6,5 % oder höher, zu 84 % einen Body-Mass-Index von 35 oder höher, zu 54 % häufiger ein Taille-zu-Größe-Verhältnis von über 0,6 und zu 32 % häufiger einen Quo­tienten aus Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin von 5,92 oder höher (oder sie nahmen Lipidsenker ein).

Alle Odds Ratios waren signifikant. Personen mit einer moderaten Nahrungsmittelunsicherheit hatten nur zu 24 % häufiger ein erhöhtes CRP, alle anderen Parameter waren nicht signifikant häufiger erhöht.

Im Gesamtscore war die allostatische Last nach den Berechnungen bereits signifikant mit einer modera­ten Nahrungsmittelunsicherheit assoziiert (relative Inzidenz 1,05; 95-%-Konfidenzintervall 1,00 bis 1,09). Bei einer schweren Nahrungsmittelunsicherheit war der Zusammenhang noch deutlicher (relative Inzi­denz 1,11; 1,07-1,15).

Pak schließt daraus, dass eine Nahrungsmittelunsicherheit die allostatische Last hauptsächlich durch eine Fehlregulation des entzündlichen und metabolischen Systems erhöht. Die Bezieher von Lebensmit­telmarken („Supplemental Nutrition Assistance Program“ SNAP) waren nach weiteren Berechnungen we­ni­ger betroffen, was laut Pak auf die Wirksamkeit dieser sozialpolitischen Maßnahme hinweist. © rme/aerzteblatt.de

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