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Medizin

SARS-CoV-2: Pandemie führt zum Anstieg der Anorexia nervosa bei Kindern

Donnerstag, 9. Dezember 2021

/ronstik, stock.adobe.com

Montreal und Melbourne – Die sozialen Einschränkungen der Pandemie sind vor allem für Jugendliche eine enorme psychische Belastung. Eine Folge ist offenbar eine Zunahme der Erkrankungen an einer Anorexia nervosa, die in Kanada und in Australien beobachtet wurde.

Die beiden Studien wurden in JAMA Network Open (2021: DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.37395) und im Journal of Paediatrics and Child Health (2021; DOI: 10.1111/jpc.15755) veröffentlicht.

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Holly Agostino vom Montreal Children’s Hospital und Mitarbeiter haben die Daten von 6 der 10 tertiären pädiatrischen Krankenhäuser in Kanada analysiert, die 90 % der Patienten mit schweren Essstörungen betreuen. In den 5 Jahren vor der Pandemie waren dort im Durchschnitt pro Monat 24,5 neue Patienten behandelt worden. In den ersten Monaten der Pandemie stieg die Zahl sprunghaft auf 40,6 pro Monat an. Bei den schweren Erkrankungen, die eine Hospitalisierung erforderlich machen, kam es sogar zu einer Zunahme von 7,5 auf 20,0 pro Monat.

Die Krise machte sich auch an den Markern für den Schweregrad der Erkrankung bemerkbar. Vom Beginn der restriktiven Symptome bis zur Behandlung vergingen im Mittel nur 7,0 Monate statt zuvor 9,8 Mona­te. Der mittlere Gewichtsverlust betrug 19,2 % statt vorher 17,5 % , die Herzfrequenz war auf 57 statt vor­her 63 Schläge pro Minute gesunken.

Eine ähnliche Beobachtung machten Jugendpsychiater am Royal Children’s Hospital in Melbourne. Die Stadt hat im letzten Jahr die stärkten Einschränkungen aller australischen Städte erlebt. Wie in Kanada waren die Erkrankungsfälle vor der 1. Welle noch konstant gewesen. In den ersten Monaten 2020 kam es sogar zu einem leichten Rückgang. Mit dem Lockdown schnellten die Zahlen dann nach oben.

Gabriella Springall vom Murdoch Children’s Research Institute ermittelt einen Anstieg der Fälle von durchschnittlich 98,7 pro Jahr von 2017 bis 2019 auf 161 im Jahr 2020, was eine Steigerung um 63 % ist. Bei 40,4 % der Jugendlichen machten die Ärzte die COVID-19-Einschränkungen für die Erkrankungen verantwortlich. Anders als in Kanada fand Springall jedoch keine Hinweise auf eine Zunahme des Schwe­re­grades der Erkrankung.

Vorgestern hat in den USA der Surgeon General vor einer zunehmenden mentalen Krise von Jugend­lichen gewarnt. Bereits vor der Pandemie habe die Zahl der Schüler, die in Umfragen anhaltende Gefühle von Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit angegeben hatten, deutlich zugenommen. Seit dem Beginn der Pandemie habe sich die Lage weiter verschärft. Betroffen sind offenbar vor allem Mädchen.

Die Zahl der Notaufnahmen wegen Selbstmordversuchen bei heranwachsenden Mädchen sei seit Anfang 2021 um 51 % gestiegen gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019. Bei Jungen betrug der Anstieg nur 4 %. Anorexien werden im Report nicht genannt.

Die Anorexia nervosa ist jedoch vor allem eine Erkrankung von weiblichen Teenagern. Sie sind 9 Mal häufiger betroffen als junge Männer. Die Anorexia nervosa ist zudem die psychiatrische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate, ist ist fast 6 Mal höher als die Rate in der Allgemeinbevölkerung. © rme/aerzteblatt.de

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