NewsÄrzteschaftIntensivmediziner zu Bayerns Kimmich: Höchstleistung nicht möglich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Intensivmediziner zu Bayerns Kimmich: Höchstleistung nicht möglich

Freitag, 10. Dezember 2021

Joshua Kimmich fällt wegen Lungenproblemen für den Rest des Jahres aus. /picture alliance, Frank Hoermann, Sven Simon

München/Köln – Nach der Coronaerkrankung vom Bayern-Profi Joshua Kimmich könnten dessen Lungen­probleme einem Experten zufolge im ungünstigen Fall lange anhalten. „Wir kennen bei Corona Fälle, die sich schnell zurückbilden und wir kennen Fälle, die wirklich lange brauchen, bis sie sich zurückbilden, selbst bei initial leichten Verläufen“, sagte der Intensivmediziner Christian Karagiannidis heute.

Ihm seien Patienten bekannt, die bis zu ein Jahr lang mit den Folgen der Erkrankung in der Lunge zu kämpfen hatten, so Karagiannidis. Kimmich fällt sicher bis Jahresende aus, hatte der Tabellenführer der Fußballbundesliga zuvor mitgeteilt.

Er war ungeimpft und hatte sich vor mehr als zwei Wochen mit Corona infiziert. Wegen leichten Infiltra­tio­nen in der Lunge könne er aktuell noch nicht voll trainieren, äußerte sich der 26-Jährige in einer Mit­teilung des FC Bayern.

Karagiannidis betonte die Wichtigkeit einer Coronaimpfung insbesondere für Profisportler. „Selbst wenn sich nur so ein bisschen ein längerer Verlauf einstellt, ist die Höchstleistung nicht möglich und das ist halt das, was Profisportler brauchen“, erläutere der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters.

Deswegen sei es eigentlich gerade die Gruppe unter Jüngeren, für die die Impfung mit am wichtigsten ist, um ihre Leistungsfähigkeit auf dem hohen Niveau auch wirklich gut zu erhalten.

Der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wünschte Kimmich eine gute Genesung. „Ich hoffe, dass er wieder vollständig gesund wird und im Nationalteam wirklich die Leistung wieder abrufen kann, die er immer abrufen konnte“, sagte der SPD-Politiker im TV-Sender Bild.

Lauterbach fügte hinzu: „So ein Fall zeigt natürlich, wie gefährlich die Infektion ist.“ Dies gelte auch, wenn man kerngesund und voll durchtrainiert sei. „Und trotzdem ist das kein Pappenstiel, wenn jemand wie Joshua Kimmich erkrankt.“ Für einen Fußballer sei der Körper mehr oder weniger das wichtigste Kapital, sagte der Minister. Er hätte sich gewünscht, Kimmich hätte sich impfen lassen, dieser habe sich anders entschieden. „Ich glaube, dass es falsch ist, hier Vorwürfe zu machen.“

Auch Weltklasse-Ringer Frank Stäbler hat Kimmich nach dessen Coronainfektion vor einer schwierigen Rückkehr gewarnt. „Es wird ein steiniger Weg zum Comeback. Ich weiß natürlich nicht, wie stark es ihn getroffen hat, aber zumindest wenn er nur ein bisschen etwas abbekommen hat. Denn wir reden von der Weltspitze“, sagte der dreimalige Weltmeister bei t-online.de. Da gäben wenige Prozentpunkte den Aus­schlag.

Stäbler hatte sich im Herbst 2020 infiziert und litt unter massiven gesundheitlichen Problemen. Er verlor 20 Prozent seines Leistungsvermögens. Nur mit viel Willenskraft schaffte es der Gold-Favorit doch noch zu den Olympischen Spielen in Tokio und holte sensationell Bronze – obwohl Fachleute seine Olympia-Teilnahme schon fast ausgeschlossen hatten.

Er riet Kimmich zur Vorsicht. „Joshua bewegt sich in der absoluten Weltspitze. Da will man immer der Beste sein und gucken, wo das Limit liegt. Aber in diesem Fall gilt: Viel hilft nicht viel. Man braucht einfach eine Menge Geduld.“ Dass Kimmich seinem Arbeitgeber nun fehlt, sei „eigenes Verschulden, und mit den Konsequenzen muss er jetzt zurechtkommen“.

Julian Nagelsmann befürchtet hingegen keine Auswirkungen auf die sportliche Leistungsfähigkeit von Kimmich. „Ich mache mir gar keine Sorgen, weil die Infiltration nicht so dramatisch ist“, sagte der Trainer des FC Bayern München. Die Pause sei eine Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahme. „Es ist nicht so dramatisch, dass man irgendwelche Folgeschäden erwarten kann.“

Nagelsmann berichtete auch davon, dass die vergangenen Wochen an Kimmich nicht spurlos vorbeigan­gen sei. Nach dessen öffentlicher Erklärung zu seinem Impfzögern hatte es eine große Debatte um den Nationalspieler gegeben. Kimmich sei kein Sündenbock, sagte Nagelsmann und appellierte, andere An­sichten zuzulassen und auch die Entscheidung von Kimmich akzeptieren. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER