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Medizin

Asthma: Dupilumab auch bei Kindern sicher wirksam

Freitag, 10. Dezember 2021

/Anchalee, stock.adobe.com

Nashville/Tennessee – Der Antikörper Dupilumab, der 2 zentrale Zytokine der Th2-Immunantwort blockiert, kann auch bei Kindern mit schwerem allergischem Asthma bronchiale die Zahl der Exazerbationen deutlich senken.

Dies kam in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2106567) heraus, die zu einer Erweiterung der Zulassung führen dürfte.

Bei allergischen und atopischen Erkrankungen kommt es zu einer vermehrten Produktion der Interleukine 4 und 13 durch T-Helfer-Zellen, die als Th2-Immunantwort bezeichnet wird. Die Folge ist eine vermehrte Produktion von IgE-Antikörpern. Der monoklonale Antikörper Dupilumab blockiert die Wirkung der beiden Zytokine.

Er wurde im September 2017 zunächst zur Behandlung der atopischen Dermatitis eingeführt. Inzwischen wurde die Indikation auf weitere atopische Erkrankungen erweitert, zu denen auch das allergische Asthma gehört. Die Zulassung ist jedoch bisher auf erwachsene Patienten beschränkt. Betroffen sind jedoch weitaus häufiger Kinder.

Der Hersteller hat in einer Phase-3-Studie prüfen lassen, ob Dupilumab auch bei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren eingesetzt werden kann. An der VOYAGE-Studie nahmen 408 Kinder mit unkontrolliertem mittelschwerem bis schwerem Asthma teil. Bei den Kindern war es trotz einer inhalativen Behandlung mit hochdosierten Kortikosteroiden (ICS) allein oder einer Kombination mit einem mittel- bis hochdosierten ICS plus einem zweiten „Controller“ nicht gelungen, Asthmaanfälle zu verhindern.

Die Kinder setzten die Behandlung während der Studie fort. 2/3 der Kinder wurden auf eine zusätzliche Behandlung mit Dupilumab randomisiert, das alle 2 Wochen subkutan in einer Dosis von 100 mg oder 200 mg basierend auf dem Körpergewicht gegeben wurde. Der primäre Endpunkt war die Rate schwerer Asthmaexazerbationen. Sekundäre Endpunkte umfassten die Einsekundenkapazität vor Gabe eines Bronchodilatators (ppFEV1) in Woche 12 sowie ein Fragebogen zur Asthmakontrolle („Asthma Control Questionnaire 7 Interviewer-Administered“, ACQ-7-IA) in Woche 24.

Die Analysen erfolgten getrennt nach dem Schweregrad der Erkrankung: 350 Patienten wiesen Marker für eine Th2-Immunantwort auf (entzündlicher Phänotyp mit 150/µl eosinophilen Granulozyten oder ein fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid FeNO über 20 ppb). Bei 259 Patienten lag eine Eosinophilie mit über 300 Zellen/µl vor.

Wie Leonard Bacharier vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville und Mitarbeiter berichten, kam es in beiden Gruppen durch die zusätzliche Behandlung mit Dupilumab zu einer deutlichen Verbesserung. Bei Patienten mit entzündlichem Phänotyp wurde die jährliche Häufigkeit schwerer Asthmaexazerbationen von 0,75 in der Placebogruppe auf 0,31 unter Dupilumab gesenkt. Die relative Risikoreduktion betrug 59,3 % und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 39,5 bis 72,6 hoch signifikant. Bei den Patienten mit einer stärkeren Eosinophilie ging die Rate von schweren Exazerbationen von 0,67 auf 0,24 zurück, was eine relative Reduktion um 64,7 % (43,8-77,8 %) bedeutet.

Der ppFEV1-Wert entwickelte sich ebenfalls günstiger. Beim TH2-Phänotyp kam es zu einem Rückgang um 10,5 %-Punkte gegenüber 5,3 %-Punkte in der Placebogruppe (mittlere Differenz: 5,2 %-Punkte; 2,1 bis 8,3 %-Punkte). Ähnliche Vorteile bestanden bei den Patienten mit ausgeprägter Eosinophilie. Auch die Lebensqualität im ACQ-7-IA-Fragebogen verbesserte sich unter Dupilumab.

Sicherheitsprobleme sind in der Studie nicht aufgetreten. Die Nebenwirkungen, die bei Dupilumab im Vergleich zu Placebo häufiger beobachtet wurden, waren Reaktionen an der Injektionsstelle (18 % versus 13 % unter Placebo), virale Infektionen der oberen Atemwege (12 % versus 10 %) und eine Eosinophilie (6 % versus 1 %). Bei 7 Patienten (2,6 %) der Dupilumabgruppe kam es zu parasitären Infektionen, die allerdings mild verliefen. Die Patienten erholten sich nach einer Behandlung mit Anthelmintika. Die parasitären Infektionen könnten Folge der Behandlung sein, da Dupilumab den Arm der Immunabwehr hemmt, der normalerweise für die Abwehr von Parasiten zuständig ist (Die Prüfärzte sahen jedoch keinen Zusammenhang mit der Behandlung).

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die Zulassung des Präparats Dupixent am 20. Oktober 2021 auf die zusätzliche Erhaltungstherapie von Patienten im Alter von 6 bis 11 Jahren mit mittelschwerem bis schwerem Asthma erweitert, das durch einen eosinophilen Phänotyp gekennzeichnet ist oder ohne eine orale Steroidbehandlung nicht zu kontrollieren ist. Bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) liegt ein entsprechender Antrag vor. Der Hersteller erwartet eine Entscheidung für das erste Quartal des nächsten Jahres. © rme/aerzteblatt.de

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