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Medizin

Schlechtes Ansprechen auf Coronaimpfung vor allem bei Non-Hodgkin-Lymphom und aktiver Therapie

Dienstag, 14. Dezember 2021

/freshidea, stock.adobe.com

Atlanta – Tumorpatienten und vor allem solche mit hämatoonkologischen Erkrankungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko durch COVID-19, so dass schon früh in der SARS-CoV-2-Pandemie empfohlen wurde, diese Bevölkerungsgruppe prioritär zu impfen.

Noch allerdings gibt es keine umfassenden Erkenntnisse dazu, wie Patienten aus verschiedenen Tumor­entitäten auf die SARS-CoV-2-Vakzine ansprechen und welche Zusammenhänge es beim Anspre­chen zu spezifischen Tumortherapien gibt.

Dies war Fragestellung einer größeren, prospektiven Beobachtung­sstudie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Interimsdaten der fortlaufenden Studie sind bei der 63. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta vorgestellt worden, die parallel virtuell stattfand.

373 Patienten der Medizinischen Fakultät Mannheim mit meist hämatoonkologischen Grunderkran­kungen und einem medianen Alter von 64 Jahren (20-92 Jahre) wurden gegen SARS-CoV-2 geimpft. 77 % erhielten die Biontech/Pfizer-Vakzine BNT162b2, 10 % den Impfstoff mRNA-1273 von Moderna, 7 % die vektorbasierte Vakzine von Astrazeneca (ChADOx1) und 6 % zunächst ChADOx1 und anschließend BNT162b2.

Die Immunantwort auf die rezeptorbindende Domäne des SARS-CoV-2-Spikeproteins wurde mindestens 2 Wochen nach der 2. Impfung qualitativ und quantitativ über einen Pan-Immunglobulintest bestimmt, einschließlich der IgG-Antwort. Testprinzip war die Elektrochemilumineszenz. Die nachweisbaren Anti­körperkonzentrationen lagen zwischen 0,4 und 250 U/mL, wobei eine Konzentration von ≥ 0,8 U/mL als positives Ergebnis gewertet wurde.

101 Patienten hatten eine chronische myeloische Leukämie (CML), 76 eine myeloproliferative Erkran­kung (MPN), 60 ein indolentes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), 31 ein multiples Myelom (MM), 21 ein myelodysplastisches Syndrom (MDS), 20 akute Leukämien, 18 ein aggressives NHL und 9 ein Hodgkin-Lymphom. Die übrigen Teilnehmer hatten andere Erkrankungen.

Jeder 7. Patient ohne ausreichende Immunantwort

15 % der Gesamtgruppe (56/373) erreichten keine Serokonversion, bei 85 % (317/373) wurde nach 2 Impfungen eine SARS-spezifische humorale Immunantwort detektiert mit einer durchschnittlichen Antikörperkonzentration von 197 U/mL.

Unter den hämatoonkologischen Patienten sprachen am häufigsten die CML-Patienten an, nämlich zu 99 %. Zu den schlechtesten Respondern gehörten Patienten mit aggressiven NHL (Response-Rate [RR]: 55 %) und mit indolenten NHL (RR: 58 %), wie Jill Rotterdam von der Medizinischen Fakultät Mannheim bei der ASH-Tagung berichtete. Patienten mit MDS hatten zu 76 % spezifische Antikörper nach der 2. Impfung gebildet, Patienten mit MM zu 87 %, mit MPN zu 92 % und mit akuten Leukämien zu 95 %.

Bei Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren ist Seronegativität häufiger

Zur Frage eines Zusammenhangs zwischen Art und Zeitabstand von Malignomtherapien und Impfung ergab die Studie, dass MPN-Patienten unter Ruxolitinib deutlich seltener auf die SARS-Vakzinierung ansprachen, 5 von 6 blieben seronegativ.

Bei indolenten NHL gab es diese Assoziation bei der Kombination Ibrutinib/Acalabrutinib: 7 von 8 Patien­ten bildeten keine relevanten Mengen virusspezifischer Antikörper aus, ebenso bei einer Rituximab­behandlung: 5 von 8 Patienten blieben seronegativ. Bei unbehandelten indolenten NHL dagegen (32 Patienten) sprachen 24 dieser 32 Patienten (75 %) auf die Impfung an. Auch bei aggressiven NHL zeigte sich eine Korrelation zwischen Seronegativität und aktiver Behandlung.

Verschieben einer Tumortherapie wenn möglich erwägen

„Bestimmte Tumorentitäten beziehungsweise bestimmte Therapien wie die Behandlung mit Rituximab, Ruxolitinib und Ibrutinib/Acalabrutinib gehen mit geringeren Ansprechraten auf die SARS-CoV-2-Impfung einher, diese Patienten erreichen also möglicherweise nur einen unzureichenden Immunschutz durch die Impfung“, fasste Susanne Sausele, Professorin an der Medizinischen Fakultät Mannheim und Seniorautorin der Studie, die Daten bei einer Pressekonferenz der ASH-Tagung zusammen.

„Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass bei den meisten Patienten mit hämatologischen Maligno­men ein Monitoring der humoralen Immunantwort sinnvoll ist, nicht nur bei jenen unter aktiver Thera­pie. Die stärker gefährdeteten Patienten bedürfen natürlich eines vorrangigen Schutzes: durch Priorisie­rung beim Impfen, Maskentragen, Einschränkungen bei sozialen Kontakten, durch Screening und Impfen der Kontaktpersonen. Eine weitere Strategie wäre, wenn möglich den Beginn einer Tumortherapie zu verzögern, bis eine Impfung erfolgt ist.“ © nsi/aerzteblatt.de

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