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Medizin

Proteaseinhibitor Nirmatrelvir vermeidet Hospitalisierungen wegen COVID-19 in Phase-2/3-Studie

Mittwoch, 15. Dezember 2021

/steheap, stock.adobe.com

New York – Der Proteaseinhibitor Nirmatrelvir hat sich in einer Phase-2/3-Studie in der Frühphase von COVID-19 als wirksam erwiesen. Nach Angaben des Herstellers wurde das Hospitalisierungsrisiko um bis zu 89 % gesenkt. Aufgrund seines Wirkungsmechanismus dürfte Nirmatrelvir auch bei einer Infektion mit der Omikron-Variante wirksam sein.

Nirmatrelvir (PF-07321332) blockiert die 3CL-Protease, die SARS-CoV-2 in den Zellen zur Replikation benötigt. Das Prinzip hat sich bei der Behandlung von HIV-Infektionen bewährt. Wie dort lässt sich die Wirkung von Nirmatrelvir mit einer niedrigen Dosis Ritonavir verstärken.

Der Hersteller Pfizer hat den Wirkstoff in der Placebo-kontrollierten Studie EPIC-HR („Evaluation of Protease Inhibition for COVID-19 in High-Risk Patients“) an 2.246 Erwachsenen getestet, die mindestens 1 Risikofaktor für einen schweren Verlauf hatten. Der Beginn der bestätigten Infektion durfte nicht länger als 5 Tage zurückliegen.

In dieser frühen Phase lässt sich mit Virustatika die beste Wirkung erzielen, weil die Schäden im Körper noch begrenzt sind und es noch nicht zu einer überschießenden Immunreaktion gekommen ist, die die Prognose von COVID-19-Patienten verschlechtert.

Nach der Pressemitteilung des Herstellers mussten nur 5 von 697 Patienten (0,7 %), die die Behandlung mit Nirmatrelvir innerhalb von 3 Tagen begannen, wegen einer klinischen Verschlechterung im Krankenhaus behandelt werden. Todesfälle seien nicht aufgetreten. In der Placebogruppe wurden 44 von 682 Patienten (6,5 %) ins Krankenhaus eingeliefert, von denen 9 starben. Der Hersteller errechnet eine Reduktion in diesem primären Endpunkt der Studie um 89 % mit einer hohen statistischen Signifikanz (p<0,0001).

Von den 1.039 Patienten, die innerhalb von 5 Tagen mit Nirmatrelvir behandelt wurden, mussten 8 (0,8 %) im Krankenhaus behandelt werden. Auch in dieser Gruppe hat es dem Hersteller zufolge keine Todesfälle gegeben. In der Placebogruppe wurden 66 von 1.046 Patienten (6,3 %) hospitalisiert mit 12 nachfolgenden Todesfällen. Dieser sekundäre Endpunkt wurde nach den Berechnungen des Herstellers um 88 % gesenkt. In der Altersgruppe ab 65 Jahren wurde das Risiko von Krankenhauseinweisung oder Tod sogar um 94 % gesenkt.

Die Verträglichkeit von Nirmatrelvir scheint gut zu sein. Behandlungsbedingte Nebenwirkungen wurden bei 23 % der Patienten gegenüber 24 % in der Placebogruppe registriert. Es kam – wohl wegen der Vermeidung von COVID-19 – seltener zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (1,6 % versus 6,6 %). Nur 2,1 % versus 4,2 % der Patient brachen die Behandlung vorzeitig ab.

Der Hersteller rechnet sich aufgrund der Ergebnisse gute Chancen auf eine rasche Zulassung aus. Der Hersteller Merck (MSD) hatte die Ergebnisse für den Wirkstoff Molnupiravir zuletzt relativieren müssen. Zunächst hatte es geheißen, dass Molnupiravir das Risiko auf Hospitalisierung und Tod an COVID-19 um 50 % senke, wenn die Behandlung innerhalb von 5 Tagen begonnen wird. Bei einer abschließenden Analyse sank die Effektivität auf 30 %.

Die externen Berater der FDA hatten sich daraufhin vor 2 Wochen nur mit knapper Mehrheit für eine Zulassung ausgesprochen. Die FDA hat bisher noch keine Entscheidung bekannt gegeben. Pfizer hatte im letzten Monat ebenfalls einen Zulassungsantrag bei der FDA (und inzwischen auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA) gestellt und dürfte aufgrund der guten Ergebnisse mit einer baldigen Zulassung rechnen.

Da die Wirkung innerhalb der Zelle erfolgt, ist sie unabhängig von den Eigenschaften des S-Proteins. Nirmatrelvir sollte deshalb auch gegen Omikron wirksam sein. Laut Hersteller wurde in einem 1. In-vitro-Test eine gleich starke Inhibition der 3CL-Protease nachgewiesen. Weitere antivirale In-vitro-Studien mit dieser Variante seien im Gange. © rme/aerzteblatt.de

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