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Medizin

COVID-19: Laborstudie bestätigt geringe Schutzwirkung der Impfung gegen Omikron

Mittwoch, 15. Dezember 2021

/Alexander Limbach, stock.adobe.com

Oxford – Erste Laborstudien unter Verwendung von „lebenden“ Omikron-Viren, die bei einem Patienten isoliert wurden, bestätigen den Verdacht, dass die neue Variante von SARS-CoV-2 sich weitgehend dem Immunschutz durch eine doppelte Impfung mit AZD1222 oder BNT162b2 entzieht. Ergebnisse wurden in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.12.10.21267534) veröffentlicht.

Die Omikron-Variante breitet sich schneller aus als im Sommer die Delta-Variante und im letzten Winter die Alpha-Variante. In Großbritannien gab es zuletzt 4.713 bestätigte Fälle und einen 1. Todesfall. Die Gesundheitsbehörde UKHSA schätzt die tatsächliche Zahl jedoch auf täglich etwa 200.000 Neuinfektio­nen. In London fallen bereits mehr als 44 % der Fälle auf Omikron und innerhalb der nächsten Tage wird sie dort Delta überflügelt haben.

Der Grund für die rasche Ausbreitung wird in den zahlreichen Mutationen vermutet, die sich um das Rezeptorbindungsmotiv herum gruppieren, mit denen das Virus am ACE2-Rezeptor andockt. Dies könnte die erhöhte Übertragbarkeit erklären. Die insgesamt 30 Veränderungen der Aminosäuresequenz plus Deletionen und einer Insertion im Spikegen könnten jedoch auch dazu führen, dass die durch frühere Infektionen oder Impfungen erzeugten Antikörper ins Leere greifen. Ohne diese Immunevasion wäre die rasche Ausbreitung in Südafrika, wo 60 % bis 80 % der Bevölkerung überwiegend durch frühere Infektio­nen seropositiv sind, und jetzt in Großbritannien, wo 70 % vollständig geimpft sind, nicht vorstellbar.

Am Wochenende hatte bereits eine Test-negative Fallkontrollstudie gezeigt, dass die Schutzwirkung nach 2 Dosen BNT162b2 gering ist. Nach 2 Dosen von AZD1222 fehlte sie völlig. Jetzt liefert ein Team um Matthew Snape von der Universität Oxford die Erklärung. Die Forscher haben Neutralisationstests mit der Omikron-Variante durchgeführt, die bei einem Infizierten in Großbritannien isoliert worden war.

In dem Test wurde untersucht, ob die Seren von Geimpften verhindern können, dass Omikron Zellkultu­ren infiziert und zerstört. Die Seren stammten von 22 Probanden, deren 2. Dosis von AZD1222 4 Wochen zurücklag. Weitere 21 Personen hatten vor 4 Wochen ihre 2.Dosis von BNT162b2 erhalten. Zu diesem Zeitpunkt haben die Antikörperkonzentrationen in etwa ihr Maximum erreicht und die Seren sollten in den Tests eine Zerstörung der Zellen durch Omikron verhindern.

Bei BNT162b2 war dies nur eingeschränkt der Fall. Der mediane Titer der neutralisierenden Antikörper war von 1.609 beim Victoria-Stamm (der weitgehend dem Wildtyp entspricht) auf 54 bei der Omikron-Variante gefallen. Bei 1 Teilnehmer fiel der Titer unter die Nachweisgrenze. Bei AZD1222 lag der Titer mit einer Ausnahme bei allen Teilnehmern unter der Nachweisgrenze.

Die Studie zeigt, dass es tatsächlich zu einer erheblichen Immunevasion durch Omikron kommt. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einer Boosterung, die einen Teilschutz wieder herstellen könnte. Eine zuverlässige Wirkung würde nach Einschätzung von Snape nur durch einen speziellen Impfstoff gegen Omikron erzielt.

Dieser wäre wegen der zahlreichen Veränderungen dann möglicherweise nicht mehr gegen andere Varianten wirksam. Es sollte deshalb nach Ansicht von Snape erwogen werden, den derzeitigen monova­lenten Impfstoff durch multivalente zu ersetzen. © rme/aerzteblatt.de

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