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Medizin

Studie: Klonale Hämatopoese könnte vor Morbus Alzheimer schützen

Mittwoch, 15. Dezember 2021

/Anatomy Insider, stock.adobe.com

Palo Alto – Eine klonale Hämatopoese von unbestimmtem Potenzial (CHIP), eine mit dem Alter zuneh­mend häufigere Störung der Blutbildung und eine mögliche Leukämievorstufe, war gleich in mehreren Beobachtungsstudien überraschenderweise mit einem verminderten Risiko auf eine Demenzerkrankung verbunden.

Die Forscher vermuten in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.12.10.21267552), dass die Zellen aus dem Knochenmark im Gehirn die Beseitigung von Beta-Amyloiden unterstützen, was durch Genomanalysen der Hirnzellen bestätigt wurde.

Die CHIP wurde erst vor einigen Jahren als neue Entität eingeführt. Siddhartha Jaiswal vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter hatten damals bei der Exomsequenzierung in mehr als 17.000 Blutproben entdeckt, dass es mit zunehmendem Alter bei Menschen mit normalem Blutbild zur Bildung von Zellklonen kommt mit Mutationen, wie sie auch bei Leukämien gefunden werden.

Die Forscher hatten damals herausgefunden, dass CHIP nicht nur das Risiko von Leukämien erhöht. Ein erhöhtes Sterberisiko war auch mit einem Anstieg von Herzinfarkten und Schlaganfällen verbunden. Die Forscher konnten später an Knockout-Mäusen zeigen, dass die Übertragung von CHIP mittels einer Knochenmarktransplantation bei Mäusen die Entwicklung einer Atherosklerose fördert.

Da die Atherosklerose eine wichtige Ursache von (vaskulären) Demenzen ist, hatte Jaiswal, der mittler­weile an der Stanford Universität in Palo Alto tätig ist, erwartet, dass CHIP auch ein Risikofaktor für den Morbus Alzheimer ist. Die Analyse von Teilnehmern der „Framingham Heart Study“ und der „Cardiovascular Health Study“, für die mittlerweile Genomdaten vorliegen, zeigte jedoch, dass Menschen mit CHIP nicht häufiger, sondern seltener an einer Alzheimerdemenz erkranken. Das Risiko war signifikant um 38 % niedriger.

Das Ergebnis konnte durch eine Analyse des „Alzheimer’s Disease Sequencing Project“ (ADSP) bestätigt werden, das nach genetischen Ursachen der Erkrankung sucht. Dort konnte auch ein Selektionsbias ausgeschlossen werden, der sich aus der Zunahme der CHIP im höheren Lebensalter ergeben könnte. Eine Mendelsche Randomisierung zeigte, dass dieselben Genvarianten, die das Risiko auf eine CHIP erhöhen, auch mit dem Morbus Alzheimer assoziiert sind.

Im Gehirn von ADSP-Teilnehmern wurden nach dem Tod weniger neuritische Plaques (aus Beta-Amyloiden) und neurofibrilläre Fasern (aus Tauproteinen), den beiden histologischen Kennzeichen des Morbus Alzheimer, gefunden, wenn bei ihnen vor dem Tod eine CHIP vorgelegen hatte.

In einer weiteren Untersuchung konnten die Forscher bei 6 von 8 Personen, bei denen zuvor eine CHIP diagnostiziert worden war, dieselben Mutationen auch nach dem Tod in Hirnzellen nachweisen. Weitere Studien ergaben, dass es sich um Gliazellen handelt.

Diese Zellen gehören zur Immunabwehr. Zu ihren Aufgaben gehört die Beseitigung von Ablagerungen von Beta-Amyloiden. Die Gliazellen wandern nach derzeitigen Kenntnisstand aus dem Knochenmark ins Gehirn. Bei Personen mit CHIP könnten sich die Gliazellen vermehrt aus den Zellklonen rekrutieren.

Jaiswal vermutet, dass diese mutierten CHIP-Zellen aus bisher unbekannten Gründen besonders effektiv in der Beseitigung von Beta-Amyloid-Anlagerungen und Taufibrillen sind. © rme/aerzteblatt.de

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