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Medizin

Haarzellleukämie: Hohe Ansprechraten ohne Chemotherapie

Donnerstag, 16. Dezember 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Atlanta – Die Haarzellleukämie ist eine seltene lymphoproliferative Erkrankung, die klinisch durch Zytopenien, Splenomegalie, Allgemeinsymptome und in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle einen langsamen Verlauf charakterisiert ist.

Bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta wurde eine Phase-2-Studie vorgestellt, in der mit einer chemotherapiefreien Kombination bei nicht vorbehandelten Patienten in allen Fällen Komplettremissionen erzielt werden konnten.

Die Therapie mit Purinanaloga erzielt Remissionsraten >95%, die aber meist nicht andauernd sind. Seit etwa 1 Jahrzehnt ist bekannt, dass nahezu alle Haarzellleukämien die V600E-Punktmutation im Gen für die BRAF-Kinase aufweisen, die ursprünglich beim malignen Melanom identifiziert worden war (NEJM, 2011; DOI: 10.1056/NEJMoa1014209)

Zur Inhibition von BRAFV600E gibt es mittlerweile eine Reihe von Medikamenten; die erste zur Behand­lung des malignen Melanoms entwickelte Substanz, Vemurafenib, konnte bei Patienten mit rezidivierter oder refraktärer Haarzell-Leukämie in über 90 % der Fälle eine Remission bewirken (NEJM, 2015; DOI: 10.1056/NEJMoa1506583). Diese Remissionen waren aber nur in weniger als der Hälfte der Fälle komplett, und etwa jeder 2. Patienten entwickelte unter der Monotherapie mit dem BRAF-Inhibitor ein Rezidiv (Blood, 2018; DOI: 10.1182/blood-2018-99-119949).

Weil die HaarzellLeukämie den Immunphänotyp reifer B-Zellen und insbesondere eine sehr hohe Expression von CD20 aufweist, wirken Anti-CD20-Antikörper ebenfalls gegen die leukämischen Zellen. Rituximab konnte in Kombination mit Vermurafenib die Komplettremissionsraten erhöhen (NEJM, 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2031298) , und Jae Park vom Leukemia Service des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York präsentierte nun beim ASH-Kongress eine Phase-2-Studie, in der der modernere CD20-Antikörper Obinutuzumab bei Patienten mit nicht vorbehandelter Haarzellleukämie als Kombinationspartner des BRAF-Inhibitors eingesetzt wurde.

Insgesamt 30 Patienten mit neu diagnostizierter Haarzellleukämie im medianen Alter von 54 Jahren, von denen etwa die Hälfte eine Splenomegalie aufwiesen, wurden eingeschlossen. Sie erhielten zunächst 4 Wochen lang 2 Mal täglich 960 mg Vemurafenib alleine. Dieses wurde insgesamt 4 Monate lang gegeben, im 2. Monat wurde an den Tagen 1, 8 und 15 der Antikörper mit 1.000 mg i.v. hinzu­gegeben, in den beiden folgenden Monaten noch jeweils an Tag 1.

Die ganze Behandlung dauerte 4 Monate, danach wurde das Ansprechen mittel seiner Knochenmark­biop­sie und der Computertomografie bestimmt, wobei Komplettremissionen den primären Endpunkt darstellten. Außerdem wurde regelmäßig die minimale Resterkrankung mittels Durchflusszytometrie oder Polymerasekettenreaktion gemessen.

Von den 27 Patienten, die die 4-monatige Behandlung abschlossen, wiesen danach 26 (96 %) eine komplette und einer eine partielle Remission auf. Nach 10 Monaten waren sämtliche 27 Patienten ohne jede weitere Behandlung in kompletter Remission, die bislang median 16,7 Monate anhält. Es wurde kein Rezidiv beobachtet, und bei 25 von 26 daraufhin untersuchten Patienten (96 %) war auch keine minimale Resterkrankung mehr nachweisbar.

Bereits nach der 1-monatigen Vemurafenibbehandlung, noch vor der 1. Gabe von Obinutuzumab, hatten sich bei 3/4 der Patienten die Neutrophilenzahlen, bei 93 % das Hämoglobin und bei 89 % die Thrombozyten normalisiert.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Vemurafenib waren Hautausschläge (46 %, davon 11 % vom Grad 3), Fatigue (29 %, alle Grad 1), Alopezie (25 %, alle Grad 1) und Juckreiz (21 %, alle Grad 1–2). 14 % der Patienten hatten Fieber vom Grad 1, aber es wurde keine febrile Neutropenie registriert. 2 Patienten zeigten nach der 1. Gabe von Obinutuzumab eine Infusionsreaktion vom Grad 2, aber alle weiteren Infusionen konnten ohne weitere Komplikationen gegeben werden.

Die Gabe von Vemurafenib musste bei 5 Patienten in der Dosis reduziert und bei 12 unterbrochen werden, meist aufgrund von Ausschlägen oder Arthralgien. Alle Patienten zeigten nach dem 5. Monat CD4-Zellzahlen von mehr als 200/µl.

Diese Kombination aus Vemurafenib und Obinutuzumab zeigt in der Erstlinienbehandlung beeindruck­ende Komplettremissionsraten und stellt damit eine vielversprechende chemotherapiefreie Option dar, so Park. Allerdings müssen die Patienten noch länger nachbeobachtet werden, um die Dauerhaftigkeit der Remissionen – auch im Vergleich mit den klassischen Purinanalogabehandlungen – zu sichern. © jfg/aerzteblatt.de

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