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Medizin

Fast die Hälfte der COVID-19-Infektionen zum Testzeitpunkt asymptomatisch

Freitag, 17. Dezember 2021

/Corona Borealis, stock.adobe.com

Peking – Auch ohne Symptome geht von vielen Menschen ein Risiko aus, das SARS-CoV-2-Virus zu übertragen. Darauf weisen Forschende der Peking University basierend auf einer jetzt in Jama Network Open publizierten Metaanalyse hin (2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.37257). In der getes­teten Bevölkerung kam es bei 0,25 % zu asymptomatischen Infektionen mit SARS-CoV-2. In der positiv getesteten Bevölkerung verliefen sogar 40,5 % der Infektionen ohne Symptome.

Das Autorenteam um Min Liu und Qiuyue Ma hatte 95 Studien mit fast 30.000 getesteten Personen in ihre Auswertung einbezogen. Patienten, die zum Testzeitpunkt keine Symptome aufwiesen, wurden als asymptomatische Infektionen definiert. Als asymptomatisch zählten demnach auch jene, die erst später Symptome entwickelten (präsymptomatische Infektionen).

Dabei fanden die Forschenden aus China 3 Gruppen in der getesteten Bevölkerung, bei denen der gepoolte Prozentsatz asymptomatischer Infektionen höher war als der Gesamtdurchschnitt: Bei Bewoh­nern oder Personal von Pflegeheimen lag er bei 4,52 % (95-%-Konfidenzintervall 4,15 %-4,89 %), bei Flug- oder Kreuzfahrtreisenden bei 2,02 % (95 % KI, 1,66 %-2,38 %) und Schwangere waren zu 2,34 % asymptomatisch (95 % KI, 1,89 %-2,78 %).

Von Dezember 2019 bis zum 28. Januar 2021 gab es weltweit 100.455.529 bestätigte COVID-19-Fälle, darunter 2.166.440 Todesfälle.

Entsprechend höher lag auch der Anteil asymptomatischer Infektionen bei denjenigen, die positiv getes­tet worden waren: Während in der gesamten Bevölkerung bei 40,5 % keine Symptome auftraten (95 % KI, 33,50 %-47,50 %), waren es bei Schwangeren 54,11 % (95 % KI, 39,16 %-69,05 %), bei Flug- oder Kreuzfahrtreisenden 52,91 % (95 % KI, 36,08 %-69,73 %) und bei Pflegeheimbewohnern oder -personal 47,53 % (95 % KI, 36,36 %-58,70 %).

Deutliche Unterschiede ergaben sich auch im Vergleich der Kontinente bei den bestätigten COVID-19-Fällen: Der gepoolte Prozentsatz der asymptomatischen Infektionen betrug in Nordamerika 46,32 % (95 % CI, 33,47 %-59,16 %) und in Europa 44,18 % (95 % CI, 32,87 %-55,50 %). In Asien waren es hingegen nur 27,58 % (95 % CI, 13,60 %-41,57 %). Diesen geringere Prozentsatz in Asien führen die Autoren zurück auf das groß angelegte SARS-CoV-2-Screening-Programm in China.

Höhere Anteile asymptomatischer Infektionen gab es zum Beispiel in Industrieländer. Einen Einfluss hatten auch das Studiendesign und die Teilnehmerzahl. Der Prozentsatz war zudem dann höher, wenn das Durchschnittsalter der Studienpopulation jünger als 20 Jahre war (60,21% [95% CI, 24,51%-95,91%]) oder 20 bis 39 Jahre (49,49% [95% CI, 33,48%-65,50%]).

Eine frühere Studie (BJM, 2021; DOI: 10.1136/thoraxjnl-2020-215042) konnte zeigen, dass die Viruslast der oberen Atemwege bei asymptomatischen Patienten mit derjenigen bei symptomatischen Patienten vergleichbar war. Ein potenzielles Übertragungsrisiko geht demnach auch von asymptomatischen Patienten aus. © gie/aerzteblatt.de

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