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Medizin

Gentherapie bei Epidermolysis bullosa langfristig wirksam

Donnerstag, 20. Januar 2022

/tibanna79, stock.adobe.com

Münster – Der weitgehende Ersatz der Epidermis durch ein autologes Transplantat aus genmodifizierten Keratinozyten hat vor 5 Jahren einem 7-jährigen Patienten mit einer schweren Verlaufsform der Epider­molysis bullosa vermutlich das Leben gerettet. Die jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2108544) vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass sich die genmodifizierte Haut seither gut entwickelt hat.

Die Epidermolysis bullosa junctionalis ist häufig Folge von Defekten im Gen LAMB3. Es enthält die Infor­mation für Laminin 332, einem Bestandteil von Hemidesmosomen, die die Epidermis mit der darunter liegenden Basalmembran verbinden. Bei den Betroffenen kommt es schon bei kleinsten Berührungen zu Blasen und offenen Wunden. Die meisten Patienten mit den schweren Formen der Epidermolysis bullosa junctionalis sterben bereits im Kindesalter.

Vor 5 Jahren haben plastische Chirurgen der Universität Münster zusammen mit Forschern der Universi­tät in Modena in Italien einen Heilversuch bei einem damals 7-jährigen Jungen unternommen, dessen Haut bei einer Exazerbation zu 80 % von Blasen befallen war und der bereits palliativmedizinisch versorgt wurde.

Die Mediziner entnahmen aus der nichtlädierten Haut (deren Zellen dennoch den Gendefekt trugen) eine 4 cm 2 große Hautbiopsie, deren Keratinozyten sie dann im Labor kultivierten. Die Zellen wurden mithilfe eines Retrovirus mit einer intakten Version des Gens LAMB3 ausgestattet. In 2 Operationen wurde im Oktober und November 2015 etwa 1 m2 der Haut mit den neuen Zellen besiedelt, deren alte defekte Epidermis zuvor entfernt worden war. Die Behandlung verlief erfolgreich und der Junge überlebte.

Inzwischen sind mehr als 5 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich die neue Haut laut dem Team um Prof. Tobias Hirsch von der Universität Münster als robust erwiesen. Obwohl sich die Zellen in der Zwischenzeit vermutlich 30 bis 60 Mal erneuert haben, bilden sie weiterhin eine intakte Version von Laminin 332, die eine Blasenbildung verhindert.

Anders als bei Verbrennungsopfern, die schon seit längerem mit Transplantaten aus kultivierten Keratin­ozyten versorgt werden, haben sich keine Kontrakturen gebildet, da das subkutane Bindegewebe nicht von der Krankheit betroffen ist. Ein Unterschied zur normalen Haut besteht darin, dass die Epidermis flach mit der Subkutis verbunden ist.

Reteleisten, die bei der normalen Epidermis zapfenförmig in die Subkutis ragen, haben sich jedoch nicht gebildet. Die Haut enthält Haarfollikel, Schweiß- und Talgdrüsen, wobei die Haarfollikel keine genmodi­fizierten Zellen enthalten.

Auch die Musculi arrectores pilorum, die die Haare aufrichten (und für eine Gänsehaut sorgen) sind vorhanden. Es gibt Langerhans-Zellen, Melanozyten und Merkelzellen. Die Kälte- und Wärmeem­pfindung hat sich laut Prof. Hirsch vollständig erholt. Bei der Tastempfindung gibt es noch Defizite, insbesondere am rechten Unterschenkel, wo die defekte Epidermis mit einem Skalpell abgetragen wurde statt mit einer Bürste aus Kupferfasern, was sich als schonender erwiesen hat.

Neben einer Neuropathie und einem leichten Erythem ist es an einigen Stellen am Rumpf zu Störungen der Hautpigmentierungen gekommen. Die Mediziner führen dies auf die Lagerung der Transplantate bei zu niedrigen Temperaturen zurück. Die Bildung von Tumoren, eine gefürchtete Komplikation von Gentherapien mit Retroviren, ist bisher ausgeblieben, obwohl das Kind schätzungsweise 1,5 Milliarden genmodifizierte Zellen erhalten hat.

Insgesamt habe die genmodifizierte Haut eine sehr gute Qualität und eine 100%ige Stabilität, schreiben die Mediziner. Nach dem positiven und erfolgversprechenden Ergebnis sollen nun in klinischen Studien weitere Patienten behandelt werden. © rme/aerzteblatt.de

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