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Medizin

Studie: Myokarditisrisiko bei COVID-19 höher als nach Impfung

Donnerstag, 16. Dezember 2021

/Design Cells, stock.adobe.com

Oxford – Das Risiko, nach einer SARS-CoV-2-Infektion wegen einer Myokarditis im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, ist für die meisten Menschen deutlich höher, als eine entsprechende Komplikation nach einer Impfung zu erleiden.

Eine Perikarditis oder Herzrhythmusstörungen traten in einer „Self-Controlled-Case-Series“-Studie in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-021-01630-0) nur nach Infektionen signifikant häufiger auf.

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Berichte über entzündliche Erkrankungen des Herzens im Anschluss an eine Impfung mit mRNA-Vakzinen haben in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Die Einzelfallberichte an die Arzneimittelbehörden über „EudraVigilance“ (EMA) oder das „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (FDA und CDC) erlauben jedoch keine Abschätzung des individuellen Risikos, da es keine Meldepflicht und auch keine Kontrollgruppen gibt.

Ein zu diesem Zweck besser geeignetes Instrument ist eine Analyse aller Erkrankungen, die im Anschluss an eine Impfung in der Bevölkerung aufgetreten sind. Die Methode der Wahl ist eine „Self-Controlled-Case-Series“ (SCCS), die die ersten Tage nach der Impfung mit anderen Zeitabschnitten bei ein und denselben Personen vergleicht. Dies vermeidet Verzerrungen, die sich ergeben können, wenn verschie­dene Gruppen, hier Geimpfte und Nicht-Geimpfte, miteinander verglichen werden.

Ein Team um Julia Hippisley-Cox von der Universität Oxford hat in einer SCCS-Analyse untersucht, ob es in den ersten 28 Tagen nach einer Impfung gegen SARS-CoV-2 häufiger zu Myokarditiden, Perikarditiden oder Herzrhythmusstörungen gekommen ist. Die Daten zu den Erkrankungen entnahmen die Epidemio­logen den „Hospital Episode Statistics“, die in Großbritannien alle Krankenhausdiagnosen erfassen, und dem „Office for National Statistics“, dem alle Todesfälle gemeldet werden. Den Zeitpunkt der Impfungen entnahmen sie der „National Immunisation Database“.

In einer 2. SCCS-Analyse wurde untersucht, ob die 3 Erkrankungen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufiger aufgetreten sind. Die Datenquelle war hier das „Second Generation Surveillance System“, das alle positiven Testergebnisse registriert.

Die erste SCCS-Analyse bestätigte die Beobachtungen der Vigilanzsysteme der Arzneimittelagenturen. In den ersten 28 Tagen nach einer Impfung mit den 3 zuerst in Großbritannien zugelassenen Vakzinen kam es zu einer Zunahme von Herzerkrankungen: Nach der 1. Dosis von AZD1222 von Astrazeneca kam es zu 2 zusätzlichen Myokarditisereignissen (95-%-Konfidenzintervall 0 bis 3) auf 1 Million geimpfte Personen.

Nach der 1. Dosis von BNT162b2 von Biontech/Pfizer trat 1 (0-2) zusätzliche Myokarditis auf, nach der 1. Dosis von mRNA-1273 von Moderna waren es 6 (2-8) zusätzliche Myokarditiden auf 1 Million Geimpfter.

Auffällig ist die höhere Inzidenz nach mRNA-1273, die sich auch nach der 2. Dosis zeigte mit 10 (7-11) zusätzlichen Myokarditisfällen pro 1 Million. Im Vergleich dazu kam es in den ersten 28 Tagen nach einem positiven Test zu 40 (38-41) zusätzlichen Myokarditisereignissen pro 1 Million Personen.

Etwas anders ist die Situation bei jüngeren Menschen. Den Vigilanzsystemen waren die Komplikationen vor allem in der Altersgruppe unter 40 Jahren gemeldet worden. Die Oxford-Epidemiologen können die Zunahme für die beiden mRNA-Impfstoffe bestätigen.

Nach der 1. Dosis BNT162b2 kam es zu 2 (1-3) und nach der 1. Dosis von mRNA-1273 zu 8 (4-9) zusätzlichen Fällen einer Myokarditis pro 1 Million Geimpfter. Nach der 2. Dosis BNT162b2 waren es 3 (2-4) und nach der 2. Dosis von mRNA-1273 15 (12-16) zusätzliche Fälle. Im Vergleich dazu traten bei den unter 40-Jährigen nach einem positiven SARS-CoV-2-Test 10 (7-11) zusätzliche Fälle einer Myokarditis auf.

Zu bedenken ist, dass ein Anstieg der Perikarditiden und Herzrhythmusstörungen nach den Impfungen nicht nachweisbar war, während das Risiko bei einer SARS-CoV-2-Infektion signifikant anstieg. Warum Myokarditiden nach mRNA-1273 häufiger auftraten als nach BNT162b2, kann die Studie nicht klären. Denkbar ist, dass dies mit der höheren Dosis von mRNA-1273 zusammenhängt. © rme/aerzteblatt.de

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