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Medizin

COVID-19: Myokarditis in Dänemark nach Moderna-Impfstoff häufiger

Freitag, 17. Dezember 2021

/Rasi, stock.adobe.com

Kopenhagen – Von 4,9 Millionen Dänen ab 12 Jahren, die mit BNT162b2 von Biontech/Pfizer oder mRNA-1273 von Moderna geimpft wurden, mussten 69 in den ersten 28 Tagen danach wegen einer Myokar­di­tis/Myoperikarditis mit einem Anstieg des Troponin-Werts im Krankenhaus behandelt werden – das die meisten innerhalb von 3 Tagen wieder verlassen konnten. Trotz der geringen Anzahl konnten Mitarbeiter des Statens Serum Instituts im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2021; DOI: 10.1136/bmj-2021-068665) für den höher dosierten Moderna-Impfstoff in 2 unterschiedlichen Analysen ein erhöhtes Risiko dokumentieren.

In der 1. Analyse hat das Team um Anders Hviid die 48 Fälle, die nach BNT162b2 und die 21 Fälle, die nach mRNA-1273 aufgetreten waren, mit 155 Myokarditis-Erkrankungen in Beziehung gesetzt, die im gleichen Zeitraum bei Nichtgeimpften aufgetreten waren.

Für den früher und häufiger eingesetzten Impfstoff BNT162b2 war in einer adjustierten Analyse nur ein tendenzieller Anstieg nachweisbar. Die Hazard Ratio von 1,34 verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzinter­vall von 0,90 bis 2,00 das Signifikanzniveau. Anders war dies bei mRNA-1273. Die adjustierte Hazard Ratio von 3,92 (2,30-6,68) weist darauf hin, dass es nach einer Impfung mit mRNA-1273 etwa 4 Mal häufiger zu einer Myokarditis/Myoperikarditis kommt.

Eine Analyse mit der „Self-Controlled-Cases Series“-Methode – sie vergleicht die Tage nach der Impfung mit anderen Lebensphasen derselben Person – bestätigte das Ergebnis. Die adjustierte Rate Ratio betrug für BNT162b2 1,49 (0,94-2,37) und für mRNA-1273 6,12 (2,76-13,61).

Dass der Moderna-Impfstoff stärker betroffen ist, wird allgemein auf die höhere Dosis (100 µg versus 30 µg) zurückgeführt. Die Erkrankung verlief bei den Geimpften in der Regel glimpflich. Von den 21 Patien­ten, die nach der Impfung mit mRNA-1273 erkrankten, konnten die meisten die Klinik innerhalb von 3 Tagen wieder verlassen. Keiner entwickelte eine Herzinsuffizienz. Unter den 48 Patienten, die BNT162b2 erhalten hatten, kam es zu 1 tödlichen Herzinsuffizienz. Von den 155 Patienten der Kontrollgruppe erlitten 7 eine Herzinsuffizienz, an der 3 starben.

Das absolute Risiko einer Einzelperson ist angesichts dieser Zahlen minimal: Nach einer Impfung mit mRNA-1273 beträgt sie nach den Berechnungen des Statens Serum Instituts 4,2 pro 100.000 Geimpften. Bei Frauen lag das Erkrankungsrisiko mit 6,3 pro 100.000 Geimpften und in der Altersgruppe der 12- bis 39-Jährigen mit 5,7 pro 100.000 Geimpften deutlich höher.

Nach einer Impfung mit BNT162b2 erlitten 1,4 von 100.000 Geimpften eine Myokarditis/Myoperikarditis. Bei Frauen war das absolute Risiko mit 1,5 pro 100.000 Geimpften etwas höher. In der Altersgruppe der 12- bis 39-Jährigen lag die absolute Rate bei 1,6 pro 100.000 Geimpften und in der jüngsten Alters­gruppe (12-17 Jahre) nur bei 1 pro 100.000 Geimpften. Die Entscheidung der britischen Impfkommission (JCVI), Teenager nicht mehr mit mRNA-Vakzinen zu impfen, wird zumindest für BNT162b2 durch die Ergebnisse der Analyse nicht gestützt.

Die dänischen Zahlen fallen niedriger aus als in anderen Ländern. In Israel betrug die Gesamtrate nach Impfung mit BNT162b2 2,7 pro 100.000 Geimpften. Hier waren 16- bis 39-Jährigen mit 7 pro 100.000 Geimpften häufiger betroffen. Aus Hongkong wurde in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen sogar eine absolute Rate von 18,5 pro 100.000 Geimpften gemeldet.

Ein Grund für die niedrigere Rate der Komplikationen in der dänischen Studie könnten die strengeren Diagnosekriterien sein, vermutet Walid Gellad von der Pittsburgh School of Medicine im Editorial. Die Berichterstattung über die Komplikationen könnte dazu geführt haben, dass einige Personen aus Angst vor einer Komplikation kardiale Symptome entwickelten und dann vorsorglich ins Krankenhaus eingewiesen wurden.

Eine andere Erklärung könnte das längere Intervall von 5 Wochen zwischen den beiden Dosierungen von BNT162b2 in Dänemark gewesen sein. Untersuchungen aus Kanada und Großbritannien sind laut Gellad ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen, das ein längerer Zeitabschnitt zwischen den Impfungen das Risi­ko auf eine Myokarditis/Myoperikarditis senkt. Die meisten Komplikationen treten nach der 2. Impfung auf.

Eine höhere Rate der Komplikation unter mRNA-1273 im Vergleich zu BNT162b2 wurde Gellad zufolge auch in den USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich und in anderen nordischen Ländern beobach­tet. Diese Länder haben sich im Gegensatz zu den USA entschieden, bei jungen Menschen BNT162b2 gegenüber mRNA-1273 zu bevorzugen. © rme/aerzteblatt.de

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