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Wissenschaftler können hochkarätige präklinische Krebsstudien nicht reproduzieren

Donnerstag, 30. Dezember 2021

/Gorodenkoff, stock.adobe.com

Charlottesville – Von einem ernüchternden Resultat ihrer Bemühungen, die Ergebnisse wichtiger Krebs­laborstudien zu reproduzieren, berichten Wissenschaftler des Reproducibility Project: Cancer Biology (RP:CB) in eLife (DOI: 10.7554/eLife.67995). Auch die Zeitschrift Science berichtet in einem Über­blicksbeitrag darüber (DOI: 10.1126/science.acx9770).

Das Center for Open Science (COS) und das Unternehmen Science Exchange gründeten RP:CB im Jahr 2013, nachdem 2 Arzneimittelhersteller berichtet hatten, dass sie viele veröffentlichte präklinische Krebsstudien nicht reproduzieren konnten. Ziel war es, die wichtigsten Arbeiten im Bereich der grund­legenden Krebsbiologie zu replizieren, die zwischen 2010 und 2012 in Zeitschriften wie Science, Nature und Cell veröffentlicht wurden.

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Mit finanzieller Unterstützung der Arnold Foundation (jetzt Arnold Ventures) entwarfen die Organisa­toren Replikationsstudien, die von eLife begutachtet wurden, um sicherzustellen, dass sie die Original­experimente getreu nachahmen würden. Die Experimente wurden von externen Vertragsfirmen oder akademischen Dienstleistungslabors durchgeführt.

Ursprüngliches Ziel des Projekts war die Wiederholung von 193 Experimenten aus 53 hochrangigen Veröffentlichungen. „Verschiedenen Hindernisse und Herausforderungen, auf die wir bei der Planung und Durchführung der Experimente stießen, führten jedoch dazu, dass wir nur 50 Experimente aus 23 Veröffentlichungen wiederholen konnten“, berichten die Wissenschaftler.

1. fehlten in vielen Originalarbeiten wichtige deskriptive und andere Statistiken: Die zur Berech­nung von Effektgrößen und zur Durchführung von Analysen erforderlichen Daten waren nur für 4 von 193 Experi­menten öffentlich zugänglich. Trotz Kontaktaufnahme mit den Autoren der Originalarbeiten war es nicht möglich, diese Daten für 68 % der Experimente zu erhalten.

2. wurde keines der 193 Experimente in der Originalarbeit so detailliert beschrieben, dass die Labore Protokolle für die Wiederholung der Experimente entwerfen konnten. Die Wissenschaftler baten daher die Originalautoren um Erläuterungen.

„Während die Autoren bei 41 % der Experimente äußerst oder sehr hilfreich waren, waren sie bei 9 % der Experimente minimal hilfreich und bei 32 % der Experimente überhaupt nicht hilfreich oder haben uns nicht geantwortet“, berichten sie.

Schließlich waren zudem nach Beginn der experimentellen Arbeiten in 67 % der von Experten begut­achteten Protokolle Änderungen erforderlich, um die Forschung abzuschließen, und nur 41 % dieser Änderungen konnten umgesetzt werden.

Schlussendlich konnten die Forscher nur die Ergebnisse von 5 Arbeiten vollständig reproduzieren. Andere Replikationen lieferten gemischte Ergebnisse, und einige waren negativ oder nicht schlüssig.

Insgesamt erfüllten nur 46 % der 112 gemeldeten experimentellen Wirkungen mindestens 3 der 5 Kriterien für eine Replikation, zum Beispiel eine Veränderung in dieselbe Richtung, wie etwa ein Schrumpfen des Tumors.

„Noch auffälliger ist, dass das Ausmaß der Veränderungen in der Regel sehr viel bescheidener war, im Durchschnitt nur 15 % des ursprünglichen Effekts“, berichten die Forscher in einem 2. eLife-Artikel (DOI: 10.7554/eLife.71601).

„Diese Erfahrung lenkt die Aufmerksamkeit auf ein grundlegendes und fundamentales Problem – es ist schwer zu beurteilen, ob die berichteten Ergebnisse glaubwürdig sind“, ziehen die Forscher ein Fazit. © hil/aerzteblatt.de

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