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Medizin

Efgartigimod: Blockade des Antikör­perrecyclings lindert Symptome bei Myasthenia gravis

Freitag, 21. Januar 2022

/Yulia, stock.adobe.com

Silver Spring/Maryland – Das Antikörperfragment Efgartigimod, das ein Recycling des für die Erkrankung verantwortlichen Autoantikörpers in Endothelzellen verhindert, hat in einer klinischen Studie die Symptome einer Myasthenia gravis gelindert.

Die in Lancet Neurology (2021; DOI: 10.1016/S1474-4422(21)00159-9) vorgestellten Ergebnisse haben die US-Arzneimittelagentur FDA zur Zulassung bewogen. Eine Entscheidung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA ist anhängig.

Mit einer Inzidenz von 8 bis 10 Erkrankungen auf 1 Million Menschen und einer Prävalenz von 150 bis 200 pro Million gehört die Myasthenia gravis zu den seltenen Erkrankungen. Ursache sind meist Antikörper gegen den Rezeptor des Neurotransmitters Acetylcholin, der an der motorischen Endplatte die Nervensignale auf die Muskelzellen überträgt.

Die Übertragungsstörung macht sich in einer Muskelschwäche bemerkbar, die häufig benutzte Muskeln betrifft (typische Symptome: Diplopie und Ptosis) und tagsüber und bei sportlichen Tätigkeiten zunimmt. In schweren Fällen kann es zu lebensbedrohlichen Atem- und Schluckbeschwerden kommen.

Die Behandlung erfolgt derzeit symptomatisch mit Acetylcholinesterasehemmern (Pyridostigmin, Distigmin und Neostigmin) oder mit Immunsuppressiva. Bei jüngeren Menschen kann versucht werden, durch eine Thymektomie die Produktion der Antikörper zu stoppen.

Efgartigimod hat einen neuartigen Wirkmechanismus. Es handelt sich um ein humanes IgG1-Antikörper-Fragment. Es bindet und blockiert im Körper an dem neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn), der verschiedene Funktionen hat. Eine davon ist das Recycling von Antikörpern in Endothelzellen. Der Körper verlängert dadurch die Plasmahalbwertzeit seiner Antikörper, was die Wirkung verstärkt. Efgartigimod verhindert dies. Bei der Myasthenia gravis sinkt die Konzentration der Antikörper gegen Acetylcholinrezeptoren, die Übertragung der Signale wird verbessert und die Symptome gelindert.

Der Hersteller Argenx aus Breda in den Niederlanden hat Efgartigimod in der internationalen Phase-3-Studie ADAPT (mit deutscher Beteiligung) an 167 Patienten untersucht. Bei 127 Patienten waren Antikörper gegen Acetylcholinrezeptoren nachgewiesen worden. Alle litten unter den typischen Symptomen der Erkrankung mit einem MG-ADL-Score („Myasthenia Gravis Activities of Daily Living“) von mindestens 5 von maximal 24 Punkten (höhere Werte bedeuten eine schlechtere Lebensqualität).

Die Patienten erhielten Infusionen mit Efgartigimod oder einem Placebo. Ein Behandlungszyklus bestand aus 4 wöchentlichen Infusionen, die bei Bedarf bis zum Ende der Studie nach 26 Wochen wiederholt werden konnten, wenn sich innerhalb von 8 Wochen keine Besserung abzeichnete.

Nach den von James Howard von der University of North Carolina in Chapel Hill vorgestellten Ergeb­nissen kam es bei 44 von 65 Patienten (68 %) mit nachgewiesenen Antikörpern gegen den Acetylcholin­rezeptor bereits im 1. Behandlungszyklus zu einer Verbesserung des MG-ADL-Score um mindestens 2 Punkte.

In der Placebogruppe wurde dieser primäre Endpunkt der Studie nur von 19 von 64 Patienten (30 %) erreicht. Die Odds Ratio von 4,95 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,21 bis 11,53 signifikant. In der Efgartigimod-Gruppe erreichten 40 % einen MG-ADL-Score von 0 oder 1 und waren damit nahezu symptomfrei gegenüber 11 % in der Placebogruppe.

Da Efgartigimod auch das Recycling anderer Antikörper unterbindet, ist die Abwehr von Krankheitser­regern geschwächt. Die häufigsten Nebenwirkungen von Efgartigimod sind Infektionen der Atemwege, Kopfschmerzen und Harnwegsinfektionen. Eine individuelle Behandlung mit längeren Pausen zwischen den Zyklen soll das Risiko senken.

Laut der FDA kann es auch zu Überempfindlichkeitsreaktionen wie Augenlidschwellungen, Kurzat­migkeit und Hautausschlag kommen. In diesem Fall muss die Infusion abgebrochen und eine geeignete Therapie eingeleitet werden. Auch bei aktiven Infektionen sollte die Behandlung unterbrochen werden.

Der Hersteller hat bei der EMA die Zulassung beantragt. Eine Entscheidung wird für das nächste Jahr erwartet. Die langfristige Sicherheit der Behandlung wird derzeit in der Anschlussstudie ADAPT-plus (ebenfalls mit deutscher Beteiligung) geprüft. © rme/aerzteblatt.de

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