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Medizin

Long COVID oder doch nicht? Auch Asymptomatische und nicht Infizierte klagen in Gutenberg-Studie über Symptome

Montag, 20. Dezember 2021

/Wirestock, stock.adobe.com

Mainz – Etwa 40 % aller mit SARS-CoV-2 infizierten Personen klagten in einer prospektiven Langzeit­studie auch 6 Monate nach dem Ende der akuten Erkrankung über Beschwerden, die auf ein Long COVID hindeuten. Die Beschwerden traten unabhängig davon auf, ob die Betroffenen ihre akute Infektion bemerkt hatten oder nicht. Zur Verwirrung trägt bei, dass auch viele Menschen, die gar nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, während der Pandemie unter ähnlichen Symptomen litten.

Long COVID beschreibt die gesundheitlichen Langzeitfolgen einer Infektion mit SARS-CoV-2. Zu den häufigsten Symptomen gehören Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Gedächtnisstörungen und Schlaf­störungen, aber auch Kurzatmigkeit und Geruchs- und Geschmacksstörungen, die auf einen direkten Bezug zu COVID-19 hindeuten.

In der Regel sind die Beschwerden unspezifisch, eine klare Krankheitsdefinition gibt es nicht, auch wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Symptomkatalog erarbeitet hat. Es gibt keine Untersu­chun­gen oder Labortests, mit denen sich die Diagnose bestätigen ließe.

Die Gutenberg COVID-19 Studie hat von Oktober 2020 bis Juni 2021 eine repräsentative Bevölkerungs­stichprobe von 10.250 Personen aus Rheinland-Pfalz begleitet. Da bei den Erwachsenen im Alter von 25 bis 88 Jahren regelmäßige Blutproben entnommen wurden, konnte das Team um Philipp Wild von der Universitätsmedizin Mainz ermitteln, dass sich bisher 4,9 % der Teilnehmer mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Weniger als 2/3 (61,9 %) wussten von ihrer Infektion, die übrigen haben erst durch den positiven Antikörpernachweis im Blut davon erfahren.

Die Forscher haben beide Gruppen und auch die Nichtinfizierten nach ihrem Gesundheitszustand befragt. Die meisten stuften ihn als gut oder gleichbleibend ein. Über eine Verschlechterung klagten 29,8 % der wissentlichen Infizierten und 22,4 % der unwissentlich Infizierten. Aber auch 22,0 % der Personen ohne SARS-CoV-2-Infektion geht es heute schlechter als vor der Pandemie.

Knapp 15 % der wissentlich und unwissentlich Infizierten fühlten sich in ihrem Alltag beeinträchtigt. In beiden Gruppen klagten etwa 6 % bis 7 % auch über subjektive Einschränkungen im Arbeitsleben.

Wenigstens 1 Symptom des WHO-Katalogs gaben 40,5 % der wissentlich und 40,7 % der unwissentlich infizierten Personen an. Frauen waren mit 45,8 % häufiger betroffen als Männer mit 34,6 %. Senioren über 65 Jahren litten zu 44,5 % unter einem oder mehreren Symptomen und damit etwas häufiger als jüngere Erwachsene unter 45 Jahren (39,7 %). Jeder 4. wissentlich, aber auch jeder 5. unwissentlich Infizierte klagte über mäßige bis starke Beeinträchtigungen durch Long-COVID-Symptome.

Aber auch mehr als 40 % der Personen ohne frühere SARS-CoV-2-Infektion berichteten über Long COVID-artige Beschwerden während der Pandemie, die über mindestens 6 Monate anhielten. In dieser Gruppe überwogen allerdings unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Stimmungs­schwankungen oder der Verlust von Interessen, während bei den wissentlich Infizierten auch Geruchs- und Geschmacksstörungen angegeben wurden.

Dennoch bleibt unklar, welche Beschwerden ein Long COVID anzeigen und bei welchen es sich um unspezifische Auswirkungen der Pandemie ohne Infektion handelt. Um den Symptomkomplex von Long COVID umfassend zu untersuchen, sollen jetzt in einer Anschlussstudie insgesamt 600 Personen mit nachgewiesener Infektion im Rahmen der Gutenberg COVID-19 Studie sowie Personen, die auf Grund einer COVID-19 Erkrankung an der Universitätsmedizin Mainz behandelt wurden, genauer untersucht werden. In einer Screeninguntersuchung, die auch eine Magnetresonanztomografie des Kopfes und die Gewinnung von Bioproben umfasst, sollen weitere Daten erhoben werden. © rme/aerzteblatt.de

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