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Medizin

SUDC: Genetische Störungen häufige Ursache von plötzlichen Todesfällen im Kleinkindalter

Freitag, 21. Januar 2022

/Monika Wisniewska, stock.adobe.com

New York – US-Forscher haben mit Trioanalysen, die durch einen Genomvergleich von Eltern und Kind de-novo-Mutationen aufspüren können, die Todesursache von 11 von 124 Kindern aufgeklärt, die ohne erkennbare Ursache nach dem 1. Geburtstag gestorben waren.

Die genetischen Störungen betrafen häufig den Kalziumstoffwechsel in Herzmuskel oder Nervenzellen. Die Ergebnisse wurden in den Proceedings of the National Academies of Sciences (PNAS 2021; DOI: 10.1073/pnas.2115140118) veröffentlicht.

In den USA sterben jedes Jahr etwa 400 Kinder nach dem 1. Lebensjahr ohne erkennbare Ursache. Diese SUDCs („sudden unexplained deaths in children“) sind weniger bekannt als die etwa 1.400 SIDS („sudden infant death syndrome“) im 1. Lebensjahr.

Auch die Erforschung der Ursachen steht noch am Anfang. Die US-amerikanische „SUDC Foundation“ sammelt seit Jahren einzelne Fälle, um die Ursache zu ermitteln. Ein Instrument sind dabei Trioanaly­sen, bei denen das gesamte Exom, also die proteinkodierenden Anteile des Erbguts, beim gestorbenen Kind und den beiden Elternteilen sequenziert werden. Abweichungen von Mutter und Vater sind de-novo-Mutationen, die als Todesursache infrage kommen, wenn sie die Struktur von wichtigen Proteinen verändern.

Ein Team um Orrin Devinsky von der Grossman School of Medicine in New York konnte mit Trioanalysen bei 11 von 124 Familien die wahrscheinliche Ursache aufklären. Die Forscher hatten sich auf 137 Gene konzentriert, die bei Erwachsenen als Auslöser von Herzrhythmusstörungen oder Epilepsien infrage kommen.

Herzrhythmusstörungen sind auch bei Erwachsenen eine häufige Ursache von plötzlichen Todesfällen. Epilepsien wurden als Ursache erwogen, weil bei über 60 % der Kinder vor dem Tod epileptische Anfälle aufgetreten waren. Da der Tod zu über 90 % im Schlaf auftrat, ist es möglich, dass tödliche Krampfanfälle unbemerkt blieben.

Bei 7 Kindern wurde tatsächlich eine de-novo-Mutation in einem der untersuchten Gene gefunden. In 4 weiteren Fällen wurden die Mutationen auch bei einem Elternteil gefunden, das jedoch nicht erkrankt war. Die meisten Mutationen befanden sich in Genen, die den Kalziumhaushalt im Herzmuskel und in den Nervenzellen beeinflussen. In beiden Zellarten hat Kalzium eine wichtige regulatorische Funktion. Im Herzmuskel steuert es die Kontraktion, in den Nervenzellen die Weiterleitung von Signalen auf der Zellmembran. Eine unkontrollierte Nervenaktivität im Gehirn ist die Grundlage der meisten Epilepsien.

Die identifizierten Gene deuten jedoch eher auf Störungen der Herzfunktion hin. Bei jeweils 2 Kindern wurden de-novo-Mutationen in den Genen RYR2 oder CACNA1C gefunden. RYR2 enthält die Information für den Ryanodinrezeptor 2, der in Herzmuskelzellen die Freisetzung von Kalziumionen steuert.

Genvarianten können eine tödliche Arrhythmie auslösen. CACNA1C kodiert Teile eines spannungsab­hängigen Kalziumkanals vom L-Typ. Eine Folge von Mutationen ist hier ein Long-QT-Syndrom, ebenfalls eine bekannte Ursache von tödlichen Herzrhythmusstörungen. 1 weiteres Kind hatte eine Mutation im Gen TNNI3 für Troponin I, einem Bestandteil des kontraktilen Apparates der Muskelzellen. © rme/aerzteblatt.de

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