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Vermischtes

Nicht alle FFP-2-Masken schützen auch bei mehrfachem Tragen

Donnerstag, 23. Dezember 2021

/picture alliance, Stefan Sauer

München – Bei einer Gebrauchssimulation von 15 in Deutschland erhältlichen FFP2- Masken haben nicht alle Modelle die Norm bezüglich der Filterleistung erfüllt. Zwei Maskenmodelle bewerteten die For­schen­den der Hochschule München (HM) als mangelhaft, da sie weder im Fabrikneuen noch im ge­brauch­ten Zustand eine ausreichende Filterleistung erbracht hatten. Die Ergebnisse wurden als PrePrint bei Zenodo publiziert, ein Peer Review steht noch aus (2021; DOI: 10.5281/zenodo.5789009).

Obwohl FFP2-Masken als Einwegprodukt konzipiert sind, werden sie im privaten Bereich in der COVID-19-Pandemie häufig über einen längeren Zeitraum wiederverwendet. Bei den meisten Maskenmodellen scheint dies auch ein vertretbares Vorgehen zu sein. Im Labortest haben 12 der 15 untersuchten FFP2-Maskenmodelle mit der Bewertung „sehr gut“ oder „gut“ bestanden – zwei erfüllten nicht einmal im fabrikneuen Zustand die Anforderungen der Norm (siehe Tabelle).

Christian Schwarzbauer und Hamid Azizi von der HM hatten die FFP2- Maskenmodellen vor und nach einer 22-stündigen Gebrauchssimulation untersucht. Dafür hatte der Ingenieur und Mechatroniker Azizi einen Beatmungssimulator entwickelt, der Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Druck und Atemzeitvolumen der menschlichen Atmung bei leichter körperlicher Belastung exakt nachbildet.

Bei der Gebrauchssimulation wurde jede Maske zunächst für 12 Stunden mit dem Beatmungssimulator „beatmet" und anschließend für 60 Minuten in einen Trockenofen bei 80°C gelegt. Die Wärmebehandlung im Backofen bei 80°C wurde als Hygienemaßnahme bei Wiederverwendung von FFP2-Masken von der Fachholschule Münster untersucht und empfohlen.

Danach wurde die Maske noch einmal für zehn Stunden an den Beatmungssimulator angeschlossen und dann einer zweiten Wärmebehandlung im Trockenofen unterzogen.

Die Bewertung erfolgte anschließend auf Basis des Aerosol-Durchlassungsgrads und des Atemwider­stands. Als „sehr gut“ wurden Masken eingestuft, deren Durchlassungsgrad kleiner einem Prozent war und deren Atemwiderstand kleiner als 0,5 mbar (bei einem Volumenstrom von 30 Liter pro Minute) war.

Die Prüfung der Masken auf Filterleistung und Atemwiderstand erfolgte in Zusammenarbeit mit der ift Rosenheim GmbH, einem international akkreditiertem und notifiziertem Prüflabor für FFP2-Masken.

Aus hygienischen Gründen sollte man die Maske nach dem Tragen aber nicht einfach in die Tasche stecken, sondern zum Trocknen aufhängen.Christian Schwarzbauer, Hochschule München

„Wird eine FFP2- Maske bei moderater körperlicher Aktivität insgesamt nicht länger als 22 Stunden getragen, dann sehe ich hinsichtlich der Schutzwirkung und des Atemkomforts kein Problem, wenn diese Maske an mehreren Tagen wiederverwendet wird,“ sagt der wissenschaftliche Projektleiter und Professor für Medizintechnik Schwarzbauer auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

Er fügt hinzu: Auch mehr als 22 Stunden könnten unproblematisch sein, aber dazu könnten die aktuellen Versuche keine Aussagen machen. „Aus hygienischen Gründen sollte man die Maske nach dem Tragen aber nicht einfach in die Tasche stecken, sondern zum Trocknen aufhängen.“

Die Gebrauchssimulation führte bei 8 der 15 untersuchten FFP2-Maskenmodellen zu einer signifikanten Abnahme der Filterleistung. Die gemessen Werte lagen aber noch im vorgeschriebenen Normbereich ge­mäß DIN EN 149:2009-08. Zwei Maskenmodelle wurden mit „sehr gut“ bewertet: 3M Aura9320 (Amazon) und Textilmacher (Netto).

Zwei andere Maskenmodelle konnten weder im fabrikneuen Zustand, noch nach der Gebrauchssimula­tion die Norm bezüglich des Atemwiderstands (Altpharma) beziehungsweise der Filterleistung (MeaVita) erfüllen und wurden daher als „mangelhaft“ bewertet. „Solche Masken dürften eigentlich gar nicht erst in den Handel kommen“ kritisiert Schwarzbauer.

Atemwiderstand der FFP2-Masken verringert sich mit Mehrfachnutzung

Der Atemwiderstand der Maskenmodelle hat sich durch die Gebrauchssimulation bei den meisten Mas­ken­modellen tendenziell verringert. „Die Masken bieten dadurch etwas mehr Atemkomfort, ansonsten ist das aber unproblematisch, da die Schutzwirkung trotzdem gegeben ist,“ sagt Schwarzbauer.

Das MeaVita-Modell lag sowohl im fabrikneuen Zustand als auch nach der Gebrauchssimulation über dem maximal zulässigen Grenzwert für den Atemwiderstand. „Dieses Modell bietet zwar ausreichenden Infektionsschutz, der erhöhte Atemwiderstand beim Einatmen kann aber bei starker körperlicher Belastung oder für ältere Personen problematisch sein,“ erklärt Schwarzbauer.

Bei einem weiteren Modell von Leikang wurde der Grenzwert für den Atemwiderstand nach der Ge­brauchs­simulation überschritten. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Messergebnisse bei anderen Chargen der gleichen Maskenmodelle auch anders ausfallen könnten. © gie/EB/aerzteblatt.de

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