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Stärkerer Anstieg der Todesfälle unter Ausländern in Coronapandemie

Mittwoch, 22. Dezember 2021

/dpa, Stefan Sauer

Berlin – Seit Beginn der Coronapandemie sind in Deutschland Ausländer deutlich häufiger gestorben als Menschen mit deutschem Pass. Das geht aus einer aktuellen Studie des Mediendienstes Integration her­vor. Darin wird vor allem die Zeit in den Blick genommen, als hierzulande noch kein Impfstoff verfügbar war.

Da die ausländische Bevölkerung in Deutschland im Durchschnitt jünger ist als die Gesamtbevölkerung – und daher insgesamt weniger Ausländer ein hohes Risiko für einen tödlichen Krankheitsverlauf haben – betrachteten die Forscher den Anstieg der Todesfälle von 2019 zu 2020 jeweils für bestimmte Alters­klassen.

Dabei zeigt sich ihren Angaben zufolge, dass der Anstieg bei den Deutschen in der Altersklasse zwischen 45 Jahren und 64 Jahren bei 1,1 Prozent lag, bei Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit aus dieser Altersgruppe betrug der Anstieg der Todesfälle dagegen neun Prozent. Auch in anderen Alters­gruppen war der Unterschied signifikant.

Ein Grund für die höhere Sterberate dürfte die sozioökonomische Situation der Zugewanderten sein, die häufiger in beengten Wohnverhältnissen leben, was eine Weitergabe des Virus begünstigt. Zudem sind unter den Ausländern mehr Menschen, die im produzierenden Gewerbe arbeiten, im Handel oder in per­sonalintensiven Bereichen, wie etwa Großküchen oder Schlachtbetriebe, und dadurch einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Inwiefern eine Rolle spielt, ob der ausländische Teil der Bevölkerung seine Informationen über das Pan­demiegeschehen und Coronaschutzmaßnahmen vorwiegend aus deutschen Medien oder aus Informati­onsquellen des Herkunftslandes bezieht, wurde nicht untersucht. Die Autoren der Studie vermuten: „ne­ben dem „Gesundheitsrisiko Armut“ wirkt sich auch rassistische Diskriminierung verstärkend auf Krank­heitsrisiken aus“.

Ob Menschen mit deutschem Pass einen sogenannten Migrationshintergrund haben, wird in der Statistik der Todesfälle nicht berücksichtigt. Der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung in Deutschland lag 2020 bei 12,7 Prozent.

Die an dem Projekt beteiligten drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – Anne-Kathrin Will, Tino Plümecke und Linda Supik – hatten Berechnungen auch für Todesfälle in der Schweiz angestellt. Dort stellten sie für die Altersklasse 45-64 Jahre einen Anstieg der Todesfälle bei Schweizern um 2,6 Prozent fest, während die ausländische Bevölkerung mit einem Anstieg von 12,5 Prozent deutlich stärker be­troffen war. © dpa/aerzteblatt.de

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